#027:Hexen - Ein Grundkurs der Verfolgung

Shownotes

🎧 Worum geht’s in dieser Folge?

Hexen sind kein klar umrissenes Phänomen, sondern ein Geflecht aus Vorstellungen, das sich erst im Laufe der frühen Neuzeit formt. Schadenzauber, Teufelspakt, Flug und Sabbat entstehen nicht gleichzeitig, sondern werden in theologischen und juristischen Texten miteinander verbunden.

Diese Vorstellungen treffen auf eine Zeit massiver Unsicherheit: Klimaschwankungen, Missernten, Krankheiten und religiöse Spannungen. Aus einzelnen Verdächtigungen entsteht ein System, das Geständnisse erzwingt und sich selbst bestätigt.

Radio Obscura zeigt, wie dieses System funktioniert, warum vor allem Frauen betroffen sind und warum die spektakulärsten Elemente wie der Hexensabbat wahrscheinlich nie real existierten. Am Ende bleibt eine Figur, die sich von der historischen Gewalt löst und bis heute in Kultur, Spiritualität und Popbildern weiterlebt.

Kapitel

(00:00) Opening: Sag mir, was du getan hast (01:20) Intro & Begrüßung (07:00) Was ist überhaupt eine Hexe? (10:52) Wer hat Angst und warum jetzt? (15:58) Das System dahinter - Wie Verfolgung funktioniert (23:11) Warum fast immer Frauen? (29:28) Der Hexensabbat (35:15) Was bleibt und warum uns das heute noch betrifft (52:32) snacks.fm (53:54) Der Brocken

📚 Quellen & Literatur

• Behringer, Wolfgang: Hexen. Glaube, Verfolgung, Vermarktung, München 2012. • Blom, Philipp: Die Welt aus den Angeln. Eine Geschichte der Kleinen Eiszeit 1570–1700, München 2017. • Bodin, Jean: De la démonomanie des sorciers, Paris 1580. • Cohn, Norman: Europe’s Inner Demons, London 1975. • Encyclopaedia Britannica (Hg.): Witchcraft. Definition, History, Trials, Witch Hunts, & Facts, Chicago 2026. • Gardner, Gerald: Witchcraft Today, London 1954. • Goethe, Johann Wolfgang von: Faust. Der Tragödie erster Teil, Tübingen 1808. • Grimm, Jacob und Wilhelm (Hg.): Kinder- und Hausmärchen, Berlin 1812. • Hanover College, Department of History (Hg.): The Witch Persecution at Bamberg, Hanover, Indiana o. J. • Hutton, Ronald: The Witch. A History of Fear, from Ancient Times to the Present, New Haven/London 2017. • Kramer, Heinrich und Jacob Sprenger: Malleus Maleficarum. Nürnberg 1486. • Levack, Brian P.: The Witch-Hunt in Early Modern Europe, London/New York 2016. • Library of Congress, Law Library (Hg.): Witch Trials and the Haunting of Jean Bodin, Washington, D.C. 2023. • Roper, Lyndal: Hexenwahn. Geschichte einer Verfolgung, München 2007. • Staatsbibliothek Bamberg (Hg.): Die Hexenverfolgungen im Hochstift Bamberg und der Junius-Brief, Bamberg 2021. • University of Oregon (Hg.): Constitutio Criminalis Carolina (1532) [Excerpts], Eugene o. J.

📡 Links & Kontakt

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🎙️ Hosts: Svea & Tim

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00:00:03: Sie haben ihr die Frage schon gestellt, bevor sie den Raum überhaupt betreten hat.

00:00:07: Es ist kein Ort von dem man später gerne erzählen wird – es ist ein niedriger Raum mit einem Tisch, zwei Männern oder einem Stuhl der ein wenig zu nah an ihnen steht.

00:00:18: In dieser Nähe liegt etwas das sich nicht greifen lässt eine Stille in der jedes Geräusch sofort Bedeutung bekommt.

00:00:26: Sie weiß nicht genau was man von ihr hören will und doch spürt sie dass es darauf nicht ankommt.

00:00:33: Einer der Männer sieht sie an, als hätte er sie längst verstanden.

00:00:36: Als gäbe es eine Geschichte über Sie die sie selbst nicht kennt.

00:00:40: Er sagt, sie wüsste warum sie hier sei.

00:00:43: Es ist keine Frage.

00:00:44: Auf dem Tisch liegt ein Blatt mit ihrem Namen Darunter einzelne Worte Ein Nachbar Eine Krankheit Eine Nacht.

00:00:52: Für sie ergeben sie keinen Zusammenhang Aber hier scheinen sie bereits alles zu bedeuten.

00:00:57: Es wäre besser wenn sie es selbst sage.

00:00:59: erklärt man ihr ruhig In diesem Moment begreift sie, dass es nicht darum geht ob sie unschuldig ist.

00:01:06: Sondern darum was sie bereit ist zu sagen und was geschieht wenn sie's nicht tut.

00:01:12: Wir kommen bei Radio Obskura.

00:01:40: Schön das ihr eingeschaltet habt beim Podcast über Creatures Crime & Mystery.

00:01:45: Wir erzählen von Geschichte Gegenwart- und Grenzbereichen Mal real mal unerklärlich.

00:01:50: Vom Meeresgrund bis zur Umlaufbahn vom Labor bis zur Legende.

00:01:54: wir fragen was passiert ist und was davon bleibt.

00:01:57: Ich bin Tim!

00:01:58: Und ich bin Svea, in dieser Folge führen wir ein ins Thema Hexenverfolgung.

00:02:03: So ist ja ein altbekanntes Thema, falls euch das weiter interessiert oder ihr gerne ein paar bildliche Eindrücke dazu haben möchtet schaut gern auf unserem Instagram vorbei.

00:02:12: Radio Obscura Podcast alles Kleine zusammengeschrieben.

00:02:16: da könnt uns auch natürlich sehr gerne folgen, liken und kommentieren.

00:02:19: so Tim aber du hast bestimmt schon Bild zur Hexeverfolgung.

00:02:22: oder beziehungsweise.

00:02:23: meine konkrete Frage wäre Ich kenne aus verschiedenen Dörfern, aus meiner Region.

00:02:28: Dass es zum Beispiel solche Plätze gibt wie den Hexenkessel oder so.

00:02:33: Also solche mythischen Orte in Wäldern und so die ... eine Hexengeschichte mit sich bringen.

00:02:41: Gibt's sowas in deinem Heimatort?

00:02:43: Oder in der Umgebung von deiner Heimat?

00:02:46: Wir hatten einen kleinen Wald, den haben wir alle immer noch Hechsel genannt.

00:02:49: Da wollen wir mal Fahrrad fahren, da hat er coole Hügel rumspringen.

00:02:53: aber ich hab keine Ahnung, was das mit Hexen zu tun hatte und ob es einfach nur so hieß.

00:02:57: Aber nicht direkt in Leipzig, aber ... Ich glaub alle zumindest alle Hexens, Affinen oder alle Ostdeutschen oder mindestens alle Thüringer werden ja wahrscheinlich eine Ahnung haben, warum wir jetzt mitten im April anfangen über Hexend zu reden weil's natürlich die Walpurgis-Nacht vor der Tür steht.

00:03:15: Und da war ich als Kind dann immer auf dem Hexentanzplatz, auf dem Brocken kostenlos separate to selly gesehen.

00:03:24: Oder in extrem, ich weiß nicht mehr.

00:03:26: Einer dieser Mittelalter-Bands war dann immer so ein richtiges kleines Fest da oben.

00:03:31: Ich weiß nicht wie es heute ist aber damals das waren den späten neunzigern.

00:03:36: Da sind wir da hochgefahren.

00:03:37: dementsprechend sind meine Erinnerungen auch nicht mehr allzu präsent weil ich jetzt lange nicht mehr auf dem Hexen Tanzplatz war oder auf dem Brocken war.

00:03:44: Aber ja das klassische Hexens bild natürlich dann dementsprechend Diese lange Nase mit der Warze drauf, dem schwarzen Hut.

00:03:51: Der buckligen schwarze Katze auf dem Hexenbuckel.

00:03:54: So wie die aus den Schneewittchenfilmen.

00:03:59: Das war so die Hexe und Besen.

00:04:01: Ganz wichtig immer Besen.

00:04:02: Ich weiß gar nicht warum sie auf Besen fliegen?

00:04:05: Das ist eine sehr gute Frage.

00:04:07: Weil ich weiß gerade im Kopf bei Harry Potter.

00:04:09: Und dann ist mir eingefallen so ein Wieso-Fliegen-Dieter aber das sind ja auch Hexe und Zauberer quasi.

00:04:14: Komisch, dass es da Zauberger sind und die Frauen sind Hex'n

00:04:17: Hexer?

00:04:18: Gibt's das auch?

00:04:19: Ja, Hexr ist ja schon wieder was anderes.

00:04:20: Das ist der hier Gerard von Riva.

00:04:23: Da gibt es dann auch Hexen und Hexair.

00:04:26: aber Harry Potter... Entweder wir kriegen jetzt den Ultraschitz-Storm ab oder es stimmt.

00:04:31: Aber ich glaube die Männer sind zauberer und die Frauen sind Hexn, oder?

00:04:35: Ach, also ich hab mein Gott ... Ich werd's jetzt auch nicht immer wieder neu sagen.

00:04:39: Natürlich habe ich nicht alle Erreporter-Filme gesehen!

00:04:41: Du

00:04:41: wirst ja auch die Bücher lesen können?

00:04:42: Ja, aber ich hab auch zwei Bücher gelesen.

00:04:44: Die ersten beiden.

00:04:45: Das eine auf Englisch, deswegen hab' ich nicht so viel verstanden.

00:04:48: Ähm... Also doch schon.

00:04:50: Aber ich glaub', ich hätte mehr verstanden wenn es auf Deutsch wäre.

00:04:53: Ah du hast dich auf Englig

00:04:53: gelesen?!

00:04:54: Jaa.

00:04:55: Das heißt, da würd mich dann interessieren sind das dann Sorcerers, die Bender und Frauen sind Witches dort?

00:05:01: Nein,

00:05:01: eigentlich hab'n mich nicht.

00:05:02: Aber das ist auch wirklich schon ein paar Jahre her, deswegen weiß ich es ja echt nicht mehr genau.

00:05:05: Aber könnt ihr gerne mal ins Ansparen benutzen ums netten oder bösen Kommentar zu schreiben?

00:05:11: Und dazu, wie das bei Harry Potter heißt... Ich weiß es wirklich nicht!

00:05:14: Aber ich glaube also ich habe keine Erinnerungen, dass es...

00:05:17: Also für dich bin ich auch Zauberinnen und ich bin gerade nicht sicher aber ja ist jetzt vielleicht gar nicht so wichtig, weil ich bin grade nur von Besen zum Nimbus-Dreitausend gekommen und dann zu Harry Potter.

00:05:28: und nein die Frage war ja wie mein Hexenbild ist.

00:05:30: Und das ist halt dann doch die klassische Hexe, die es ja auch als Faschingskostüm gibt?

00:05:38: Also immer natürlich durch die Märchen, natürlich die Hexe mit Hänseln und Gretel und Co... Man kennt schon das negative Bild, was natürlich dann durch solche Party-Events ein bisschen ins folgturistisch Lustige gekippt wird, aber man hat schon doch eher so dass das eine anführende Negative bild.

00:05:57: Sie ist eine Antagonistin

00:05:58: Ja, oft schon.

00:05:59: Außer halt bei solchen Kindesehren wie Lilly die kleine Hexe oder so.

00:06:04: Man hat auch Bibi Ploxberg nehmen können.

00:06:05: aber ja, Lilly die Kleine Hexe und wer kennt

00:06:08: sie

00:06:08: nicht?

00:06:09: Ja mein Gott!

00:06:12: Doch also ich finde Hexen total cool.

00:06:14: Ich freu mich total auf diese Folge.

00:06:16: Naja was heißt ich freue mich auf die Folge.

00:06:18: Also Hexendverfolgung ist natürlich ein sehr schwieriges Thema Auch einfach auf der Hinsicht des Blicks auf Frauen, die einfach wissen zum Beispiel, wie wir Medizin hatten oder Heilung.

00:06:32: Das ist ja schon eigentlich ein riesiges, peinliches Markl in der menschlichen Geschichte.

00:06:37: Vor allem war dann irgendwie so ... In den britischen Legenden ist Merlin so voll der krasse Dude.

00:06:43: So cool, der Zauberer.

00:06:45: Aber dann keine Ahnung, die Hexe von Olyon wird verbrannt.

00:06:49: Konzert hat wahrscheinlich die gleichen Skills gehabt und die gleiche Ausbildung gemacht.

00:06:53: In Hogwarts vielleicht auch

00:06:59: nicht?

00:07:03: Die Frage, was eine Hexe eigentlich ist, wirkt auf den ersten Blick erstaunlich einfach.

00:07:08: Fast so als ließe sie sich mit einem Bild beantworten das längst feststeht.

00:07:13: Eine Frau die zaubert vielleicht nachts unterwegs ist, vielleicht mit dem Teufel im Bundesteht doch je genauer man hinsieht dass der Meer zerfällt dieses Bild in Einzelteile die ursprünglich gar nicht zusammengehören.

00:07:26: In den frühsten Quellen tauchen zunächst ganz andere Vorstellungen auf.

00:07:30: Es gibt einen Schadenzauber, also die Idee dass einzelne Menschen gezielt Unglück verursachen können etwa Krankheiten Ernteausfälle oder den Tod von Tieren.

00:07:41: Diese Vorstellung ist in vielen europäischen Regionen verbreitet und lange Zeit kein eigenständiges Verbrechen sondern Teil lokaler Konflikte die oft im direkten sozialen Umfeld entstehen.

00:07:53: Parallel dazu entwickelt sich in theologischen Texten eine andere, deutlich radikalere Vorstellung.

00:07:59: Der Pakt mit dem Teufel!

00:08:00: Hier geht es nicht mehr nur um den Schaden sondern um bewusste Abkehr von Gott, um einen Akt der Unterwerfung unter eine dämonische Macht.

00:08:09: Diese beiden Ebenen bleiben zunächst getrennt.

00:08:11: Wer schadenzauber betreibt ist nicht automatisch Teil eines größeren organisierten Zusammenhangs.

00:08:18: Erst im Verlauf des Fünfzehnjahrhundertes beginnt sich dieses Bild zu verändern vor allem in gelehrten Abhandlungen, die versuchen, einzelne Vorstellungen systematisch zusammenzuführen.

00:08:28: Ein zentraler Text ist dabei der Maleus maleficarum, der fourteenhundertsechsundachtzig erstmals gedruckt wird.

00:08:35: und genau diese Verbindung herstellt Schadenzauber, Teufelspakt und die Vorstellung dass es sich nicht um Einzelfälle handelt sondern um ein Netzwerk von Hexen, die gemeinsam handeln.

00:08:46: Mit dieser Verbindung entsteht ein neues Gesamtbild.

00:08:49: Die Hexe ist nun nicht mehr nur jemand, den man im Dorf misstraut sondern ein Teil eines größeren Zusammenhangs der sich der direkten Beobachtung entzieht.

00:08:58: Dazu kommt ein weiteres Element das in den Prozessakten immer wieder auftaucht die Vorstellung vom Flug und von sogenannten Hexensabbat einem nächtlichen Treffen bei dem sich Hexen versammeln, dem Teufel begegnen und rituelle Handlungen vollziehen.

00:09:13: Diese Erzählung erscheinen in vielen Fällen nicht spontan sondern im Kontext von Verhören in denen bestimmte Erwartungen bereits vorhanden sind.

00:09:22: Genau hier liegt ein entscheidender Punkt.

00:09:24: Die verschiedenen Elemente, die wir heute mit dem Begriff Hexe verbinden entstehen nicht gleichzeitig und aus derselben Quelle.

00:09:31: Sie werden über Jahrzehnte hinweg miteinander verknüpft – v.a.

00:09:35: durch juristische und theologische Texte, wie versuchen Einheitliches Bild zu formulieren.

00:09:41: Dieses Bild wird anschließend in den Gerichtsverfahren angewendet sodass aus einzelnen Verdächtigen Teil eines größeren Systems.

00:09:48: Das bedeutet auch, dass die Hexe nicht einfach eine Figur des Volksglaubens ist, die dann irgendwann vor Gericht landet.

00:09:56: Vielmehr wird sie in dieser Form erst durch gelehrtetes Kurse geprägt.

00:10:00: Vorstellungen, die lokal existieren werden aufgenommen, umgedeutet und ein Modell überführt das als Grundlage für Anklagen dient.

00:10:10: In den Prozessakten zeigt sich dieses Zusammenspiel besonders deutlich.

00:10:14: Aussagen der Beschuldigten greifen häufig genau die Motive auf, die in den gelehrten Texten bereits formuliert wurden.

00:10:21: Wenn man also fragt was eine Hexe ist dann lässt sich darauf keine einfache einheitliche Antwort geben.

00:10:27: Der Begriff bezeichnet kein klar umrissendes Phänomen sondern einen Gefläch aus unterschiedlichen Vorstellungen, die nachträglich zu einem gesamte Bild verbunden werden.

00:10:36: und genau dieses Bild wird zur Grundlage für die Verfolgung.

00:10:40: Die Hexe existiert nicht zuerst im Dorf, nicht im Alltag der Menschen, sondern in den Texten, in denen sie beschrieben, definiert und schließlich als Bedrohung festgeschrieben wird.

00:10:52: Wenn dieses Bild einmal existiert bleibt eine entscheidende Frage offen die sich nicht aus dem Text allein beantworten lässt.

00:11:00: Warum beginnt man überhaupt nach diesen Hexen zu suchen?

00:11:03: Warum wird es einer Vorstellung?

00:11:04: ein reales Verfahren ist kein Zufall.

00:11:12: Die intensivsten Verfolgungswellen fallen in eine Phase, die von Zeitgenossen selbst als unsicher und bedrohlich wahrgenommen wird.

00:11:21: Zwischen dem Fünfzehnten und dem frühen achtzehn Jahrhundert verändert sich das Klima in Europa spürbar.

00:11:27: Historiker sprechen von der sogenannten kleinen Eiszeit – einer Periode, in der die Durchschnittstemperaturen sinken und sich Weiterlagen verschieben.

00:11:36: Für die Menschen vor Ort zeigt sich das nicht in abstrakten Messwerten sondern ganz konkret in Missernten.

00:11:44: In vielen Regionen häufen sich Jahre, in denen Getreide nicht ausreift, wein vor Dorben ist oder ganze Ernten ausfallen.

00:11:52: Besonders auffällig sind die Fünfzehntneunzigerjahre, in den es in Teilen Mitteleuropas zu massiven Versorgungskrisen kommt.

00:12:00: Hunger ist dabei selten ein isoliertes Problem.

00:12:03: Schlechte Ernten treiben Preise nach oben, führen zu Versorgungsengpässen und verstärken soziale Spannungen.

00:12:10: Gleichzeitig breiten sich Krankheiten aus, die in einer ohnehin geschwächten Bevölkerung schneller greifen.

00:12:16: Epidemien, die wir heute klar als biologische Phänomene beschreiben würden erscheinen in diesem Kontext als schwer erklärbare Ereignisse, die scheinbar willkürlich auftreten und einzelne Haushalte besonders hart treffen.

00:12:29: Wenn innerhalb weniger Wochen mehrere Tiere verenden oder Familienmitglieder erkranken entsteht eine Situation in der Zufall als Erklärungen kaum ausreichend.

00:12:39: Parallel dazu verschärft sich die religiöse Lage Europas grundlegend.

00:12:44: Mit der Reformation, in der darauf folgenden Gegenreformation einsetzt, als steht ein Raum permanenter konfessioneller Spannung.

00:12:53: Regionen wechseln ihren Glauben – Autoritäten werden infrage gestellt und religiose Gewissheiten geraten in Zwangten.

00:13:01: In dieser Situation gewinnen Vorstellungen von Gut- und Böse, von göttlicher Ordnung und ihrer Verletzung eine neue Dringlichkeit.

00:13:09: Der Gedanke, dass der Teufel aktiv in die Welt eingreift wird nicht nur theologisch diskutiert sondern als reale Gefahr begriffen.

00:13:18: Diese verschiedenen Ebenen überlagern sich im Alltag.

00:13:21: Ein kalter Sommer bleibt nicht nur ein Wetterereignis sondern wirkt zu Bedrohung der Existenz.

00:13:27: Eine Krankheit ist nicht nur körperlicher Zustand sondern ein möglicher Hinweis auf eine verborgene Ursache.

00:13:33: Hier setzt die Suche nach Erklärungen ein.

00:13:36: Unglück verlangt nach einem Ursprung und dieser Ursprungen wird zunehmend personalisiert.

00:13:42: Anstatt abstrakte Prozesse anzunehmen, richtet sich der Blick auf konkrete Personen im direkten Umfeld.

00:13:49: Das lässt sich in vielen Prozessakten nachvollziehen.

00:13:52: Beschuldigungen beginnen oft nicht mit spektakulären Vorwürfen Vielmehr sind es alltägliche Beobachtungen Eine Nachbarin, mit der es Streit gab eine Frau die um Milch gebeten hat und abgewiesen wurde.

00:14:05: Kurz darauf erkrankt ein Kind oder ein Tier verendet.

00:14:09: Die zeitliche Nähe wird als Zusammenhang gelesen, aus einem Nebeneinander mit einer Ursache.

00:14:15: Solche Ketten von Ereignissen bilden den Ausgangspunkt.

00:14:18: viele Anklagen lange bevor er von Teufels packt und nächtlichen Versammlungen die Rede ist.

00:14:24: Die Gelehrtenmodelle liefern dafür den Rahmen.

00:14:27: Sie bieten eine Struktur in die sich solche Beobachtungen einordnen lassen.

00:14:32: Wenn Unglück nicht zufällig ist sondern das Ergebnis bewussten Handelns dann braucht es jemanden, der handelt.

00:14:39: Auch wenn dieser jemand Teil eines größeren verborgenen Zusammenhangs ist, dann erklärt sich auch warum ähnliche Ereignisse an verschiedenen Orten auftreten können.

00:14:48: Dieser Logik wird angstgreifbar – sie richtet sich nicht mehr gegen unkontrollierbare Zustände.

00:14:54: Sie richtet dich gegen Menschen die man kennt mit denen man lebt und die Teil derselben Gesellschaft sind.

00:14:59: Die Unsicherheit der Zeit übersetzt in konkrete Verdächtigungen Und je mehr Beispiele sich finden lassen, die in dieses Muster passen, desto stabiler wird die Vorstellung dass hinter den Ereignissen ein System steht.

00:15:11: Hexenverfolgung entsteht in diesem Kontext nicht als spontane Ausbruch irrationale Angst aber als Versuch Ordnung herzustellen.

00:15:19: Sie bietet eine Erklärung für Eregnisse die sich anders nicht einordnen lassen und schafft gleichzeitig die Möglichkeit darauf zu reagieren.

00:15:28: Wer einen Verursacher benennt kann handeln.

00:15:30: Wer eine Ursache kennt, glaubt sie beseitigen zu können.

00:15:34: Die entscheidende Verschiebung liegt also nicht darin dass Menschen plötzlich an Hexen glauben.

00:15:38: Menschen beginnen unglücksystematisch auf Personen zurückzuführen.

00:15:44: Aus dieser Verbindung von realer Krise und erlerner Deutung entsteht eine neue Dynamik die weit über einzelne Verdachtsmomente hinausgeht und schließlich in ein Verfahren mündet.

00:15:54: ist genau diese Logik aufgreift und verstärkt?

00:15:59: Aus dem Verdacht wird in der frühen Neuzeit nicht automatisch ein Prozess.

00:16:04: Dazwischen steht ein Verfahren und dieses Verfahren folgt eine eigene Logik.

00:16:09: Es beginnt oft klein, fast unscheinbar.

00:16:12: Jemand behauptet nach einem Streit seinen Kind krank geworden.

00:16:16: Eine Kuh gibt keine Milch mehr Ein Feuer bericht aus – ein Mensch stirbt ohne dass man erklären kann warum gerade jetzt?

00:16:24: Solche Beobachtungen reichen zunächst nicht nur für einen Urteil aber sie reichen um aus Nachbarschaftskonflikten gerichtsfähige Verdachtsmomente zu machen.

00:16:33: In vielen Teilen Europas kommt dazu seit der frühen Neuzeit ein juristischer Wandel.

00:16:38: Statt eines rein anklagenden Verfahrens, in dem private Kläger einen Fall verbringen setzt sich zunehmend das inquisitorische Verfahren durch.

00:16:46: Das bedeutet dass Gerichte selbst ermitteln Selbstzeugen befragen und selbst nach einem strafbaren Zusammenhang suchen.

00:16:54: Verhexenprozesse ist das entscheidend weil das Verfahren nun nicht mehr nur auf einem offenen Streit reagiert, sondern aktiv nach verborgener Schuld fahnden kann.

00:17:04: Sobald dieser Verdacht im Gericht angekommen ist verschieben sich die Maßstäbe.

00:17:09: Bei schweren Delikten verlangte das inquisitorische Verfahren in vielen Religionen im Grundsatz zwei Zeugen oder ein Geständnis.

00:17:18: Gerade bei Hexerei war genau das das Problem – der angebliche Pakt mit dem Teufel Der nächtliche Flug oder die Teilnahme am Sabbat ließen sich kaum mit gewöhnlichen Mitteln beweisen.

00:17:29: Deshalb wurde die Folter nicht als Ausnahmestimmung, sondern als juristisches Werkzeug wichtig.

00:17:36: Die Konstituzio Kriminalis Carolina, Fünfzehnunddreißig unter RK dem Fünften beschlossen enthält besondere Bestimmungen zu Zauberei und hält fest vor einer peinlichen Befragung, also einem Verhör unter Folter zunächst Beweise- oder Starkindizien vorliegen

00:17:51: sollten.".

00:17:52: Auf dem Papier wirkt das wie eine Begrenzung.

00:17:55: In der Praxis erwies sich dieser Rahmen als dehnbar, weil Gerüchte, Nachbarschaftsfeinschaften, frühere Drohungen oder ein verdächtiger Ruf oft schon genügten um die Schwelle zu überschreiten.

00:18:07: Spätere Demonologen wie Jean Poudin verschärften diese Tendenz noch.

00:18:12: in seiner Dämonomanie von fünfundundachtzig fordert er Richter ausdrücklich auf bei Hexerei weniger strenge Beweismarstäbe anzulegen als bei anderen Verbrechen und Folter großzügig einzusetzen.

00:18:25: Damit verändert sich der gesamte Ablauf.

00:18:28: Auf die Anzeige folgt die Sammlung von Indizien, auf den Indizieren das Verhör, auf das Verhöhr die Frage ob die Beschuldigte oder der Beschuldigten freiwillig gestehen will.

00:18:38: Erläugnet gerät in einen Verfahren dass genau dieses Leugnen als weiteres Problem ließ.

00:18:44: Denn wenn Hexerei als verborgenes teufelisches Verbrechengild da kann Schweigen leicht als List erscheinen.

00:18:50: An diesem Punkt kippt das Verfahren.

00:18:53: Die Folterer sollen nun nicht mehr eine Tat bestätigen, sondern eine ganze Erzählung erzwingen.

00:18:59: Wer hat den Teufel gesehen?

00:19:01: Wer war beim Sabat dabei?

00:19:03: Wer hat Schadenzauber verübt?

00:19:04: Wer gehörte noch dazu?

00:19:06: Aus einem einzelnen Verdacht wird so ein Gefläch, dass mit jedem Protokoll größer werden kann.

00:19:12: Britanniker fasst diesen Mechanismus ungewöhnlich klar zusammen.

00:19:16: Folter führte dazu des beschuldigten Dingebekannten die sie nicht getan hatten.

00:19:21: Darunter auch fantastische Elemente wie den Flug zum Sabbat.

00:19:26: Außerdem nannten Sie weitere angebliche Mitheter, was zur Ausbreitung der Verfolgung beitrug.

00:19:32: Hier wird sichtbar, warum die Hexenverfolgung nicht bloß aus Angst besteht sondern aus einer Technik der Wahrheitsproduktion.

00:19:40: Das Verfahren verlangt nach einem Geständnis und das Geständnis wird unter Bedingungen erzwungen, die es fast unmöglich machen bei einer schlichten Verneinung zu bleiben.

00:19:50: Der Bamberger Bürgermeister Johannes Junius beschreibt das, in eine Brief, den er heimlich aus dem Gefängnis an seine Tochter schmuggelt.

00:19:59: Darin hält er fest, dass er unschuldig verhaftet worden sei, unschulich gematet werde und unschultisch sterben müsse.

00:20:07: Und dann folgt ein Satz der das Verfahren selbst offenlegt – denn wer in das Hexenhaus kommt, der muss eine Hexe werden.

00:20:13: oder wird so lange gematete bisher etwas

00:20:15: erdichtet.".

00:20:17: Der Brief ist auf den April, Juli, Jahrzehntundzwanzig datiert.

00:20:22: Die Staatsbibliothek Bamberg bewahrt ihn als zentrales Zeugnis der dortigen Verfolgung.

00:20:28: Junius beschreibt darin nicht nur die Folter selbst sondern auch den nächsten vielleicht noch wichtigeren Schritt.

00:20:35: Wer einmal gestanden hat muss Namen nennen das kein Nebenaspekt und ein Motor der Verfolgungen.

00:20:41: unter dem Druck weiterer Tortur genügt es nicht die eigene angebliche Schuld einzuräumen.

00:20:47: Erwartet wird ein Netz.

00:20:48: Junius schreibt, er habe lauter, erdichtetes Dinge gestanden und sei zuvor selbst von anderen genannt worden die unter Druck Aussagen gemacht hätten.

00:20:58: Damit wird das Verfahren selbst zur Quelle neuer verfahren.

00:21:02: Ein Geständnis bestätigt also nicht nur den ursprünglichen Vorwurf sondern erzeugt den Nächsten.

00:21:08: Die Kettenreaktion, die viele große Prozesswellen auszeichnet entsteht nicht zufällig.

00:21:14: Sie entsteht aus der Struktur der Verhöhe.

00:21:16: Gerade deshalb konnten regionale Hexenjagden in kurzer Zeit anschwellen.

00:21:22: Im westlichen Zentrum Europas, besonders in deutschsprachigen Teilen des heiligen Römischen Reichs der Schweiz und den einigen französischen Territorien entwickelt sich daraus eine Dynamik die Zehntausende Menschen erfasste.

00:21:35: Historiker gehen heute insgesamt von annähernd hunderttausend Verfahren rund etwa vierzig tausend bis sechzig Tausend Hinrichtungen in Europa und in den amerikanischen Kolonien aus.

00:21:47: Die Hinrichtung selbst steht am Ende einer Kette, die an diesem Punkt bereits den Anschein von Beweiskraft bekommen hat.

00:21:55: Auf dem europäischen Kontinent und in Schottland war verbrennen die häufigste Form der Exekution – oft nach vorherigem Erdrosseln also dem Töten durch Triangulation mit einem Seil oder Garotieren bei dem der Hals mit einer Vorrichtung aus Eisenbügeln und Schrauben langsam zugedreht wurde.

00:22:14: In England und den englischen Kolonien wurde dagegen in der Regel gehängt.

00:22:19: Auch daran sieht man, dass es kein völlig einheitliches Hexenrecht gab – wohl aber eine gemeinsame Verfahrenslogik.

00:22:27: Aus Verdacht werden Indizien.

00:22:28: Aus Indizieren wird peinliche Befragung.

00:22:31: Aus peinlicher Befragerungen wird Geständnis.

00:22:33: Aus Geständness werden neue Namen.

00:22:36: Das System sucht keine offene Wahrheit die unabhängig von ihm bereits vorliegt als er zwingt Aussagen, die es anschließend als Bestätigung seiner eigenen Annahmen liest.

00:22:46: Deshalb ist der wichtigste Satz über dieses Verfahren vielleicht kein Gelehrter und keinen Richterlicher sondern der eines Gefäulterten.

00:22:55: Im Hexengefängnis schreibt Junius müsse man ein Hexe oder ein Hexa werden Oder man werde so lange gefäult hat bis man sich etwas ausdenke.

00:23:04: Viel präziser lässt sich die Logik kaum benennen.

00:23:07: Das System produziert seine eigene Beweise.

00:23:12: Wenn man sich die Prozessakten ansieht, fällt ein Muster auf das sich über Regionen hinweg wiederholt.

00:23:18: Auch wenn die Zahlen im Detail schwanken.

00:23:20: in vielen Teilen Mitteleuropas liegt der Anteil der Frauen unter den Beschuldigten bei etwa seventy-fünf bis eighty Prozent in einzelnen Territorien deutlich darüber.

00:23:31: In einigen Regionen Süddeutschlands oder der Schweiz können Frauenanteile von über achtzig Prozent oder sogar neunzig Prozent erreicht werden Während es in anderen Gebieten, etwa in Teilen Skandinaviens oder Islands deutlich mehr männlicher Angeklagte gibt.

00:23:46: Diese Unterschiede zeigen, dass es keine naturgegebene Verteilung ist sondern eine die von sozialen und kulturellen Bedingungen geprägt wird.

00:23:55: Ein zentraler Faktor liegt in den gelehrten Texten, die das Bild der Hexe überhaupt erst vorm.

00:24:00: Der Maleus maleficarum vierzehnund achtzig erstmal gedruckt Argumentiert ausführlich, warum Frauen angeblich besonders anfällig.

00:24:08: Verhexe reisei.

00:24:09: Dort heißt es, Frauen seien leichter zum Glauben geneigt und deshalb eher verführbar durch dämonische Einflüsse.

00:24:16: Diese Argumentation ist kein beiläufiger Gedanke – sie wird systematisch aufgebaut und im theologischen Überlegung verknüpft.

00:24:24: Die eingebliche moralische und körperliche Schwäche von Frauen wird zur Voraussetzung für ihre Nähe zum Teufel erklärt.

00:24:31: Damit entsteht ein Deutungsrahmen der bereits vorgibt Wer überhaupt verdächtig ist, bevor ein konkreter Vorwurf erhoben wird.

00:24:39: Diese Vorstellung trifft auf eine soziale Realität in der Frauen oft in Positionen leben die sie besonders angreifbar machen.

00:24:47: Viele der Beschuldigten sind Witwin also Frauen ohne männlichen Schutz im Haushalt.

00:24:52: andere stehen am Rand der Gemeinschaft Leben allein sind arm oder auf Unterstützung angewiesen.

00:24:59: In den Akten finden sich immer wieder ähnliche Ausgangssituation Eine Frau bittet um Nahrung, wird abgewiesen, kurz darauf erkrankt ein Kind oder ein Tier verendet.

00:25:10: Die Verbindungen zwischen diesen Ereignissen entsteht nicht aus einem Beweis sondern aus einer sozialen Beziehung die bereits angespannt ist.

00:25:18: Wer ohnehin als schwierig, auffällig oder abhängig gilt, wird schneller zur Zielscheibe.

00:25:25: Hinzu kommt das bestimmte Tätigkeiten mit Frauen assoziiert sind, die besonders leicht in Verdacht von Schadenzauber geraten.

00:25:32: Ebam etwa begleiten Geburten, als Momente in den Leben entsteht oder verloren geht.

00:25:38: Wenn ein Kind stirbt oder Komplikationen auftreten, liegt es nahe diejenige verantwortlich zu machen, die anwesend war.

00:25:47: Ähnliches gilt für Frauen, die sich mit Heilmitteln, Kräutern und Pflege auskennen.

00:25:52: Wissen das im Alltag nützlich ist, kann im Kontext eines Unglücks schnell als verdächtig erscheinen.

00:25:59: Aus praktischer Erfahrung wird dann im Rückblick eine vermeintliche Fähigkeit Schaden zu verursachen.

00:26:05: Diese Faktoren greifen ineinander, die gelehrten Texte liefern die Vorstellung dass Frauen besonders gefährdet oder gefährlich sein.

00:26:13: Die soziale Realität liefert konkrete Personen auf die sich diese Vorstellung anwenden lässt und das Verfahren was wir zuvor beschrieben haben verstärkt genau diese Auswahl weil es bestehende Verdächtigungen aufnimmt und systematisch ausbaut.

00:26:27: Die Verfolgung trifft also nicht zufällig mehr Frauen, sondern folgt einer Struktur die bestimmte Gruppen von vornherein stärker exponiert.

00:26:36: Das bedeutet allerdings nicht dass Männer keine Rolle spielen.

00:26:40: in vielen Regionen werden auch Männer angeklagt teilweise in erheblicher Zahl.

00:26:46: In Island etwa liegt der Anteil der männlichen Beschuldigten deutlich über dem der Frauen.

00:26:51: Auch in Teilen Skandinaviens oder des Baltikums erschiebt sich das Verhältnis.

00:26:56: Dort sind es häufig Männer, die mit bestimmten Formen von Magie und Schadenzauber in Verbindung gebracht werden.

00:27:02: Im Mitteleuropa entgegen geraten Männer oft dann ins Visier, wenn sie in bestehende Netzwerke hineingezogen werden – etwa durch Aussagen unter Folter, in denen Namen genannt werden müssen.

00:27:12: Ein Geständnis erzeugt neue Verdächtige, unabhängig vom Geschlecht auch wenn Frauen häufiger den Ausgangspunkt bilden.

00:27:20: Männliche Angeklagte erscheinen in den Quellen oft in anderen Rollen sind nicht selten Handwerker, Müller oder Personen in einer gewissen lokalen Autorität, die in Konflikte verwickelt sind.

00:27:31: In einigen Fällen wird ihnen ebenfalls ein Pakt mit dem Teufel vorgeworfen.

00:27:35: Doch die Zuschreibung folgt nicht immer derselben Logik wie bei Frauen.

00:27:40: Während Frauen häufig über ihre vermeintliche moralische Schwäche definiert werden stehen beim Männern eher konkrete Handlungen und Konflikte im Vordergrund.

00:27:48: Das zeigt dass das Bild der Hexe zwar stark weiblich geprägt ist die Kategorie selbst aber breiter angelegt bleibt.

00:27:57: Entscheidend ist, dass Geschlechter hier nicht als biologisches Faktum wirkt sondern als Teil eines sozialen und kulturellen Musters.

00:28:04: Die Frage wer beschuldigt wird hängt oft davon ab, wer in einer Gemeinschaft angreifbar ist, wer wenig Schutz hat und wer bereits in einem bestimmten Licht gesehen wird.

00:28:14: Frauen erfüllen diese Bedingungen in vielen Regionen häufiger weshalb sie auch häufiger betroffen sind.

00:28:20: Aber überall dort Wo sich die sozialen Strukturen unterscheiden, verändert sich auch das Verhältnis.

00:28:26: Wenn man die Verfolgung unter diesen Blickwinkel betrachtet, bedeutet es, dass sie kein zufälliges Ausgreifen einzelner Verdächtigungen ist.

00:28:34: Sie folgt einer Logik, wie bestimmte Gruppen systematisch den Fokus rückt.

00:28:38: Die Hexe ist deshalb nicht nur ein Produkt gelehrter Texte sondern auch ein soziales Feindbild, das sich an konkreten Lebensrealitäten festmacht.

00:28:47: Wer wenig Schutz hat, wer im Rand steht oder wer in bestehenden Konflikten eingebunden ist wird leichter Teil dieses Systems.

00:28:55: Wenn die Prozesse beginnen geht es längst nicht mehr darum wer verdächtig ist sondern auch darum was genau diesen Menschen vorgeworfen wird.

00:29:03: Die Aussagen der Unterdruck entstehen folgend aber oft festen Mustern die weit über einzelne Konflikte hinausgehen.

00:29:10: Sie erzählen von nächlichen Treffen Von Flügen und Begegnungen mit dem Teufel.

00:29:15: Tim schaut sich im nächsten Abschnitt genau diese Vorstellung an und fragt, ob der sogenannte Hexensabatt eine reale Praxis war oder ein Bild das erst im Verfahren selbst entstanden

00:29:29: ist.

00:29:36: Menschen berichten davon, nachts ihren Körper zu verlassen oder auf einem Tier zu reiten.

00:29:41: Manchmal auf einem Besen und manchmal auf einer Ziege.

00:29:44: Sie beschreiben einen Ort außerhalb des Dorfes oft auf einem Hügel oder in einer abgelegenen Senke an dem sich andere versammeln.

00:29:52: Dort erscheint der Teufel nicht als abstrakte Macht dafür als Figur die gesehen berührt und angesprochen werden kann.

00:29:59: Es wird gegessen, getanzt.

00:30:01: Es finden rituelle Handlungen statt, die den Protokollen häufig als Umkehrung christlicher Praktiken beschrieben werden.

00:30:08: Gebete werden ins Gegenteil verkehrt, Sakramente verspottet und der Teufel empfängt eine Form von Verehrungen, die bewusst als Gegenbild zum Messe gelesen wird.

00:30:18: Dieses Bild ist so detailliert dass es zunächst wie ein Bericht aus einer realen Praxis wirkt.

00:30:23: Doch sobald man die Entstehung dieser Aussagen genauer betrachtet verschiebt sich der Eindruck Die meisten dieser Beschreibungen stammen nicht aus freien Erzählungen, sondern aus Verhören die unter Druck geführt werden.

00:30:33: Die Protokolle zeigen, dass bestimmte Fragen immer wieder gestellt werden – ob die beschuldigte Person beim Sabbat gewesen sei, ob sie den Teufel gesehen habe oder geflogen sei….

00:30:43: Die Antworten entstehen also nicht im luftleeren Raum, sondern in einem Rahmen der bereits vorgibt was erwartet

00:30:48: wird.".

00:30:50: Ein Blick in die Dämonologie des späten fifzehnten und sechzehn Jahrhunderts macht deutlich, wie stark diese Erwartungen vorgeprägt sind.

00:30:56: Der Maleus maleficarum beschreibt den Hexensabat als zentrales Element der Hexerei und verbindet ihn mit dem Teufelspakt.

00:31:04: Jean Baudi geht in seiner Demonomanie des Sorciers von fünfzehnundachtzig noch weiter und behandelt die Teilnahme an deutschen Versammlungen als nahezu selbstverständlich für jede Hexe.

00:31:14: In diesen Texten wird ein geschlossenes System entworfen, in dem einzelne Elemente logisch miteinander verbunden sind.

00:31:20: Wer einen Pakt mit dem Teufel schließt gehört zu einer Gemeinschaft – diese Gemeinsschaft trifft sich!

00:31:25: Diese treffen folgen bestimmten Retour-Heim.

00:31:28: Dieses Modell existiert bevor viele der späteren Prozesswellen ihren Höhepunkt erreichen.

00:31:34: In den Verhören wird genau dieses Modell abgefragt.

00:31:37: Das lässt sich in zahlreichen Protokollen beobachten, in denen Aussagen schrittweise aufgebaut werden.

00:31:42: Zunächst wird nach Schadenszauber gefragt, danach einen möglichen Kontakt mit dem Teufel schließlich nach weiteren Beteiligten und nach dem Ort an dem diese sich treffen.

00:31:51: Wenn die beschuldigte Person zögert oder verneint, wird nachgesetzt.

00:31:55: Unter Folter- oder der Androhung weiterer Tortur verschiebt sich die Dynamik.

00:32:00: Aussagen werden erweitert, Details ergänzt, Namen hinzugefügt – Die Struktur der Erzählung entspricht dabei auffällig oft den gelernten Vorgaben.

00:32:09: Ein besonders deutliches Beispiel ist die Frage nach dem Flug.

00:32:13: In vielen Regionen existieren ältere Vorstellungen von nächtlichen Reisen oder Visionen, die jedoch nicht als reale körperliche Bewegung entstanden werden.

00:32:21: Noch im frühen Mittelalter wird die Idee das Frauennacht tatsächlich fliegen – von kirchlichen Autoritäten ausdrücklich zurückgewiesen!

00:32:28: Der Canon Episcopi, ein kirchlicher Text der spätestens im zehnten Jahrhundert verbreitet ist bezeichnet solche Forschungen als Täuschungen des Teufels und nicht als reale Ereignisse.

00:32:39: Erst in erfrühender Zeit verschiebt sich diese Einschätzung.

00:32:43: Was zuvor als Illusion galt wird nun als tatsächliche Handlung interpretiert.

00:32:47: Diese Veränderung lässt sich nicht durch neue Beobachtungen erklären, sondern durch eine veränderte Deutung.

00:32:53: Damit stellt sich die zentrale Frage Hat jemand diesen Sabat je gesehen außerhalb der Situation eines Vorhörs?

00:33:01: Die Quellen geben darauf keine eindeutige Bestätigung.

00:33:04: Es gibt keine unabhängigen Berichte von Beobachten, die solche Versammlungen dokumentieren.

00:33:08: Alles, was wir haben sind Aussagen von Beschuldigten die unter Bedingungen entstanden sind in denen ein Geständnis erwartet wird.

00:33:16: Selbst dort wo Details variieren bleibt die Grundstruktur erstaunlich stabil, was eher für eine vorgegebene Erzählform spricht als für eine Vielzahl unabhängiger Erfahrungen.

00:33:25: Das bedeutet nicht dass die Beschuldigten bewusst lügen sondern das sie sich in einem Rahmen bewegen der ihre Aussagen formt.

00:33:32: Unter extremen Druck greifen sie auf Motive zurück, die ihnen bekannt sind.

00:33:36: Sei es aus Predigten, Aus Gesprächen oder aus dem was ihnen im Vorhör nahegelegt wird.

00:33:41: Die Grenze zwischen eigener Erinnerung, Erwartungen und Anpassung wird dabei zunehmend unscharf.

00:33:46: Was am Ende im Protokoll steht wirkt wie ein coherenter Bericht ist aber das Ergebnis eines Prozesses in dem viele Faktoren zusammenwirken.

00:33:55: Ein Blick auf die Dynamik der Verfahren verstärkt diesen Eindruck.

00:33:58: Sobald eine Person den Sabbat beschreibt, wird erwartet dass sie andere Teilnehmer nennt.

00:34:03: Diese Namen führen zu neuen Verhören in denen ähnliche Fragen gestellt werden.

00:34:07: So entsteht eine Kette von Aussagen die sich gegenseitig bestätigen ohne das ein unabhängiger Ausgangspunkt existiert.

00:34:14: Die Übereinstimmung ist dann kein Beweis für eine reale Praxis sondern einen Effekt der Verfahrungslogik.

00:34:21: Parallelen zu späteren moralischen Paniken lassen sich an dieser Stelle zumindest andeuten.

00:34:25: Auch dort entstehen oft geschlossene Erzählungen über verborgenen Netzwerke und geheime Rituale, die sich der direkten Beobachtung entziehen.

00:34:33: Die Details wirken überzeugend gerade weil sie so konkret sind.

00:34:36: doch auch hier zeigt sich häufig dass Sie aus einem Zusammenspiel von Erwartungen, Befragungen und sozialem Druck hervorgehen.

00:34:43: Der Hexensabatt gehört zu diesen frühsten und eindrücklichsten Beispiel für eine solche Konstruktion.

00:34:49: Am Ende bleibt ein Befund, der sich durch die Quellen immer wieder bestätigt.

00:34:52: Die spektakulärsten Elemente der Hexenvorstellung sind zugleich die am stärksten geformten.

00:34:58: Sie entstehen nicht aus unabhängigen Beobachtungen sondern aus einem Zusammenspiel von gelehrten Modellen und erzwungenen Aussagen.

00:35:05: Der Sabbat ist damit weniger ein Ort an dem sich Menschen tatsächlich treffen als ein Ort, an dem sie Vorstellungen verdichten.

00:35:16: Am Ende dieser Geschichte bleibt etwas zurück, das sich nicht so einfach auflösen lässt.

00:35:21: Die Verfahren enden – die großen Verfolgungswellen brechen im Laufe des siebzehnten Jahrhunderts ab in vielen Regionen des heiligen grümischen Reiches deutlich vor Siebzehnhundert und in anderen Teilen Europas etwas später.

00:35:35: Die letzte bekannte Hinrichtung wegen Hexerei im alten Reich findet SIEBZUNHRDFÜMNUNSIEPTSICH in Kemptenstadt.

00:35:42: Damit verschwindet die juristische Realität der Hexenverfolgung.

00:35:46: Was nicht verschwindet, ist die Figur selbst.

00:35:50: Sie verändert sich aber sie bleibt präsent.

00:35:52: Noch während in einigen Regionen Menschen hingerechtet werden beginnen sich parallel dazu Erzählungen zu entwickeln, die dieselben Motive in anderer Form überführen.

00:36:02: Der Hexensabatt der an den Prozessakten als Geständnis unter Folter auftaucht wird in literarischen Texten zu einem Ort der Immagination.

00:36:11: Johann Wolfgang von Goethe greift dieses Motiv, in der berühmten Walburgesnachtszene auf dem Brocken.

00:36:21: Dort erscheint er Hexensarbeit nicht mehr als strafrechtlicher Tatbestand sondern als dichterisches Bild – als verdichteter Raum für Chaos, Umkehrung und Grenzeberschreitung.

00:36:32: Damit verschiebt sich die Funktion der Hexe grundlegend.

00:36:36: Sie ist nicht mehr primär eine Bedrohung, die bekämpft werden muss und eine Figur, die erzählt werden kann.

00:36:42: In Märchen, die im neunzehnten Jahrhundert gesammelt und verschriftlicht werden – etwa in den Kinder-und Hausmärchen der Gebrüder Grimm taucht die Hexe regelmäßig als Gegenspielerin auf.

00:36:53: In Hänseln Gretel ist sie eine Figure, die Kinder anlockt und bedroht.

00:36:58: In anderen Geschichten lebt sie am Rand der Gemeinschaft, im Wald außerhalb der Ordnung.

00:37:03: Diese Darstellung greift ältere Motive auf, verändert sie aber zugleich.

00:37:08: Die Hexe ist hier keine reale Angeklagte mehr.

00:37:11: Sie erhält eine narrative Funktion, sie steht für Gefahr, Verabweichung und das andere.

00:37:17: Diese Entwicklung hat eine bemerkenswerte Konsequenz.

00:37:21: Während die reale Gewalt verschwindet bleibt das Bild erhalten und wird weitergegeben.

00:37:25: Es wird vereinfacht zugespitzt manchmal auch entschärft aber es bleibt erkennbar.

00:37:31: Der Besen der Flug die nächtliche Versammlung die Nähe zu dunklen Mächten All das findet sich in veränderter Form wieder.

00:37:40: Das, was am sechzehnten und siebzehnte Jahrhundert als Beweis vor Gericht dient wird im neunzehnundzwanzigsten Jahrhundert zu kulturellem Inventar.

00:37:50: Im zwanzigste Jahrhunder setzt es eine weitere Verschiebung ein – die Hex nicht mehr nur als Bedrohung oder als Märchenfigur verstanden sondern zunehmend als Symbol umgedeutet.

00:38:00: In der Frauenbewegung wird sie teilweise als Figur der Ausgrenzung und Verfolgung gelesen als Projektionsfläche für gesellschaftliche Ängste gegenüber weiblicher Selbstständigkeit.

00:38:11: Diese Deutung ist keine direkte Fortsetzung der historischen Prozesse, wir haben es hier mit einer bewussten Neubewertung zu tun.

00:38:19: Sie greift Elemente der Geschichte auf setzt sie aber in einem anderen Kontext.

00:38:24: Parallel dazu entstehen religiöse und esoterische Strömungen die dem Begriff Hexe aktiv für sich beanspruchen.

00:38:31: Eine der bekanntesten ist die Vika-Bewegung, die in der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts in England entsteht und eng mit dem Namen Daryl Gardner verbunden ist.

00:38:40: Gardner veröffentlicht in den letzten Jahren eine angeblich überlieferte Tradition, die sich selbst als Fortsetzung eines vorchristlichen Hexenkuls versteht.

00:38:52: Historisch lässt sich diese Kontinuität so nicht belegen – doch die Bewegungen gewünscht schnell.

00:38:58: Anhänger Wicker versteht sich als naturreligiöse Praxis, die rituale Jahreskreisfeste und eine positive Deutung von Magie umfasst.

00:39:09: Auch darüber hinaus verbreiten sich im zwanzigsten Jahrhundert und frühen einundzwanzigten Jahrhundert Form moderner Spiritualität, die sich auf Hexen tun beziehen.

00:39:17: In der sogenannten New Age Bewegungen werden Elemente aus unterschiedlichen Traditionen kombiniert Darunter Astrologie, Energiearbeit oder Rituale, die als magisch verstanden werden.

00:39:29: Der Begriff Hexe wird hier oft bewusst positiv gesetzt, als Ausdruck von Selbstbestimmung oder besonderem Wissen.

00:39:36: Diese Entwicklung ist global und wird aber vor allem in westlichen Gesellschaften sichtbar.

00:39:41: Dabei entsteht eine paradoxe Situation – die historische Figur der Hexe ist eng mit Verfolgung, Folter und Tod verbunden.

00:39:49: Gleichzeitig wird derselbe Begriff heute in vielen Kontexten freiwillig gewählt und neu definiert.

00:39:56: Die Bedeutung verschiebt sich, aber sie löst sich nicht vollständig von ihrer Geschichte.

00:40:01: Wer den Begriff verwendet bewegt sich immer auch in einem Raum der durch diese Vergangenheit geprägt ist selbst wenn sie nicht austrecklich thematisiert wird.

00:40:10: Das gilt auch für die Popkultur.

00:40:12: Serien-, Filme- und Bücher greifen das Motiv der Hexe immer wieder auf und variieren es.

00:40:18: Mal erscheint sie als Bedrohung mal als Helden, mal als ambivalente Figur dazwischen.

00:40:24: Die Spannenbreite reicht von klassischen Märchen-Adaptionen bis hin zu modernen Erzählungen, in denen Hexen als selbstbestimmte Akteurinnen auftreten.

00:40:33: Diese Vielfalt zeigt wie flexibel das Bild geworden ist.

00:40:37: Es kann unterschiedliche Funktionen erfüllen ohne seine Wiedererkennbarkeit zu verlieren.

00:40:43: Gleichzeitig bleibt ein Kern bestehen der sich durchzieht.

00:40:47: Die Hexe ist fast immer mit Abweichung verbunden Mit dem Überschreiten von Grenzen mit Wissen oder Fähigkeiten, die nicht allen zugänglich sind.

00:40:56: Diese Elemente sind bereits in den frühneuzeitlichen Texten angelegt und werden aber im Laufe der Zeit unterschiedlich bewertet.

00:41:03: Was einmal als Bedrohung galt kann später als Stärke erscheinen.

00:41:08: Wenn man auf die Geschichte der Hexenverfolgung zurückblickt, bedeutet das dieses Bild nie neutral war.

00:41:14: Es wurde geformt, angepasst und instrumentalisiert.

00:41:18: Es diente dazu, Angst zu ordnen, Schuld zuzuweisen und soziale Spannung zu bearbeiten.

00:41:24: Und genau deshalb bleibt es so wirksam – nicht weil die ursprünglichen Vorstellungen unverändert weiter bestehen sondern weil sie sich immer wieder neu interpretieren lassen.

00:41:34: An einem Ort wird das besonders sichtbar der heute fast schon selbstverständlich mit Hexen verbunden ist.

00:41:40: Der Brocken im Harz auch Blocksberg genannt, wird im Laufe der Zeit zu einem zentralen Schaubplatz für die Vorstellung der Walpurgis Nacht.

00:41:49: Diese Verbindung entsteht nicht aus den Prozessakten selbst sondern aus späteren literarischen und kulturellen Deutungen.

00:41:57: Der Berg wird zu einem symbolischen Ort an dem sich das Bild der Hexe verdichtet losgelöst von konkreten Verfahren aber eng verbunden mit der Vorstellung von nächtlichen Versammlungen und Grenzüberschreitung.

00:42:10: Genau dort setzen wir nächste Woche an.

00:42:12: Denn die Welt purges Nacht ist kein zufälliges Motiv, sondern ein Beispiel dafür wie sich aus den Elementen, die wir bisher gesehen haben neue Erzählungen entwickeln.

00:42:22: und vielleicht ist das der wichtigste Punkt dem man aus der Geschichte mitnehmen kann.

00:42:27: Die Gewalt verschwindet aber die Bilder bleiben.

00:42:30: Sie verändern ihre Bedeutung sie wächst in ihren Kontext Aber sie bleiben anschlussfähig.

00:42:36: Diese Folge war ein Fundament Ein Versuch, die Begriffe zu erklären, den Mechanismus zu verstehen und die Strukturen sichtbar zu machen, die hinter der Verfolgung stehen.

00:42:46: Und gleichzeitig ist sie ein Ausgangspunkt!

00:42:49: Denn das was wir hier gesehen haben taucht in vielen Stellen wieder auf – in anderen Formen, in anderen Zeiten.

00:42:55: In einzelnen Fällen wie Salem, in Regionale Erzählungen wie der russischen Baba Yaga oder der englischen Black Ennis In globalen Kontexten wie den Hexenverfolgungen in Assam im zwanzigsten und einundzwanzigste Jahrhundert.

00:43:10: Die Geschichte der Hexe endet also nicht mit dem Ende der Prozesse, sie beginnt dort in gewisser Weise erst als Erzählung die weitergetragen verändert oder immer wieder neu gelesen wird.

00:43:32: Hätte man so, so wie wir gehört haben wärst du auch nicht verschont geblieben mit deinem speziellen Sonderwissen über Heilung und Kräuter.

00:43:40: Die Band-Heilung ich meine gar nicht richtig.

00:43:43: Das ist doch komisch, aber klar.

00:43:47: Wenn du heute deinen Partnerin bringst ins Krankenhaus ... weil Not-OP und die klappt nicht, dann kannst du auch das Krankenhaus verklagen und testen, ob da was schief gelaufen ist.

00:44:01: Ist das so viel anders?

00:44:04: Da geht im Verbrennung jetzt um juristische Verwarnung.

00:44:08: Nein, ich meine es natürlich nicht ... Ich mein jetzt nicht, dass man im Chirurg in den anderen verbrennt.

00:44:16: Also das Schieflaufen einer Behandlung, ob es mit Skalpell oder Kräutern zu hinterfragen ist ja grundsätzlich erst mal nicht falsch.

00:44:27: Falsche sind ja etwas daraus gemacht wird und dann aber ist das doch irgendwie auch ziemlich dumm.

00:44:32: Stell dir mal vor, du bist so ein Dorfmitdruck.

00:44:34: Wie nannte man das immer?

00:44:36: So eine Gemarkung.

00:44:40: Das eine hat ein bisschen Ahnung, kann so gut Wundverbände machen.

00:44:44: Kann so ein bisschen helfen und einmal klappt es nicht.

00:44:49: Die Frau, die seit dreißig Jahren unsere Kopfschmerzen hält, hat gestern dafür gesorgt, dass der Joachim gestorben ist.

00:44:54: Wir sollten sie auf brutalste Weise umbringen.

00:44:58: Das macht total Sinn!

00:44:59: Das ist

00:45:01: total absurd.

00:45:03: Aber das habe ich letztens erst noch gelesen.

00:45:05: Und zwar war ja auch so Henker immer sehr ... der unbeliebt, sag ich mal.

00:45:11: Weil du bist ja dann der, der Menschen umbringt wenn auch in Anführungsgericht.

00:45:15: zu Recht kriegst du den Auftrag jemanden eben zu verbrennen, zu hängen, zu köpfen.

00:45:20: und als dann irgendwann immer weniger Menschen hingerichtet worden oder als die Hinrichtungen auch eingestellt wurden hatten wir trotzdem eine Ahnung von dem was sie tugen also von Körpern und so.

00:45:29: was sind dann zum Beispiel Chirurgen geworden?

00:45:31: das wusste ich nicht dass deswegen Ein besserer Ruf hat er als der Chirurg, weil der Chirog ja quasi der Metzger ist.

00:45:41: Der ehemalige Henker oder Hänkers-Familien das gemacht haben und vielleicht ... Ist es dann auch so?

00:45:47: Bader waren nicht so angesehen.

00:45:49: Alle die sich mit Anatomie auskannten, mit Körpern, mit Heilung, mit Gesundheit waren sie gleich auch verrufen.

00:45:58: Das ist superabsurd!

00:46:00: Was kommt dir aus dem christlichen Glauben, dass man nicht irgendwie da so eingreifen soll?

00:46:05: eigentlich, ne?

00:46:06: Also ich hab ja mit Religion gar nix am Hut.

00:46:09: Außer dass ich's mal zwei Semester lang studiert habe.

00:46:12: Wirklich?!

00:46:12: Ja!

00:46:13: Reliefzenschaften... Und dann geht es auch darum, welche Rituale werden aus den heiznischen Kulturen übernommen?

00:46:20: und der ganze, wie nennt man das, der Kesselglaube also die Droiden-Miraculix.

00:46:26: Wie wird aus einem Miraculiks ein Merlin?

00:46:28: Das ist schon super spannend, dass so Schamanismus, Schamantuben in dem älteren Naturregionen super angesehen ist, dass der Madafakte ... Und alle gehen zu ihm.

00:46:38: Ich brauche voll den Rat und dann alles klar setze ich hin.

00:46:41: Ich mach so lustige Kräuter an.

00:46:43: Du hast eine Nachhalluzination und weißt genau was du tun

00:46:45: musst.".

00:46:46: Dann kommen die Christen und dann ist er plötzlich doof.

00:46:50: Ich verbrenne ihn jetzt besser weil er hat lustige Kräuter zu Hause.

00:46:53: also wo kommt ein Wandel her?

00:46:55: Erklär mir das jetzt sofort!

00:46:57: Ich hab

00:46:58: völlig den Pfaden verhandelt.

00:47:01: Nein, also ich mein Schamanen oder Schamanismus.

00:47:04: Das heißt auch Heilkräuter, Rituale und

00:47:07: Co.,

00:47:07: das waren noch mal so.

00:47:08: die ... Das waren die Mutter- ... Das Dorfs der Gemeinschaft.

00:47:12: Es waren nicht die coolsten.

00:47:15: Die war noch ein bisschen weird, aber sie waren angesehen und respektiert.

00:47:18: Da gehst du zu denen, wenn du wissen willst, gewinne ich morgen die Schlacht?

00:47:21: Krieg meine Frau einen Sohn oder eine Tochter?

00:47:24: Kriege ich ne Frau?

00:47:25: Keine Ahnung.

00:47:26: Was fragt man denn schon mal?

00:47:27: Ich hab keine Ahnung, ich war nicht dabei.

00:47:30: Und aus diesen angesehenen Personen werden dann Hexen und Hexer die verbrannt werden.

00:47:37: Nee, aber irgendwie hat es das schon ein bisschen absurd, dass gerade so Berufe, die eigentlich am ehesten helfen können, ja eben so verächtet sind wenn's einmal schief geht.

00:47:46: Aber ist heute wahrscheinlich auch relativ ähnlich mit ganz normalen Berufen, ne?

00:47:50: Wenn du einmal Öffentlichkeitswirksam ... Danebenhaus bist du dann auf dem sozialen Scheiterhaufen gelandet.

00:47:57: Da haben wir uns ein bisschen verbessert gesellschaftlich.

00:48:04: Irgendwie ist es so krass, dass Menschen sich in Gemeinschaften ausdenken und sich um Schuldige zu gewohnen?

00:48:09: Das

00:48:09: ist so insane!

00:48:11: Also ich hab da eben auch während des Vortragens drüber nachgedacht... ...dass es ja immer Schuldige gibt.

00:48:16: Es sind ja immer irgendwelche, vor allem wie gesagt die Leute, die irgendwie angreifbar waren.

00:48:21: Aufgrund fehlendes Schutzes oder fehlender ...möglichkeit oder so.

00:48:25: Es hat einfach gesagt, okay mein Kind ist gestorben ich bin total traurig und total erschüttert... ...und weiß nicht wieso das gestorbt ist?

00:48:32: Und deswegen ist jetzt sie

00:48:33: schuld

00:48:34: weil ich ihr kein Essen gegeben hab was?

00:48:35: Also das ist... Entschuldigung!

00:48:38: Hast du einen Kuckuck?

00:48:40: Ja aber stimmt schon ja genau weil.

00:48:42: man muss immer einen Schuldigen finden oder es muss ein Schuldigen geben.

00:48:46: Vielleicht etwas einfacher einzuhaben.

00:48:49: wenn er natürlich dann also Hat ja gerade schon gesagt, so aus der Interaktion heraus.

00:48:53: Dass die Person zuletzt da gesehen wurde... Also auch heute wird doch jede Ermittlung damit anfangen mit der Person, die einen zuletzt gesehen hat oder?

00:49:00: Ja!

00:49:02: Der Grundgedanke mal kurz zu prüfen ist Joachim vielleicht einfach versehentlich an Kotze erstickt weil er auf dem Rafer war?

00:49:11: hat sie ihn umgebracht.

00:49:12: Das kann man ja ruhig mal erst mal fragen, ne?

00:49:15: Selbst wenn er noch ein Festivalarmbändchen umhat und in einer Kotzlache liegt und gestorben ist ... Aber sie war halt da, dass die aus Prinzip davon ausgeht, sie muss es gewesen sein.

00:49:23: Deswegen wenden wir jetzt so lange Gewalt an lustige Schrauben und Metalldinger bis sie sagt, dass sie fliegen kann!

00:49:30: Also du musst nicht nur sagen, ich hab den umgebracht, sondern du kannst auch fliegen.

00:49:34: Hast dir einen Teufel getroffen und hast noch zwei andere Freunde aus dem Dorf mitgenommen an einem Ort wo da voll die Love Parade da abgeht.

00:49:43: Ich will gern mal bei so was ... Man kann sich das gar nicht vorstellen, mit Anführungsstrichen, dass Mensch halt mal so dumm war, andererseits wie wir sehen es heute immer noch.

00:49:50: Aber... Das geht doch nicht!

00:49:53: Also weiß ich nicht, ich versteh's nicht mehr.

00:49:58: Ich bin halt selber komplett unglaublich in der Hinsicht.

00:50:02: Ich glaub nur daran, wenn ich meine Socken nicht wasche, dass der VfL Bochum lang gewinnt aber an andere Dinge glaube ich halt nicht.

00:50:10: Ich glaube wirklich, dass...

00:50:11: Und an Jenna Ortheger.

00:50:12: Ja okay, erzähl mal.

00:50:17: Das verrückt der ja auch, ne?

00:50:18: Dass die so weit getrieben haben, bis sie sogar Namen nennen mussten und du musst dann fiktive Menschen mit da reinziehen weil du sonst... Du bist ja eh schon unter Folter!

00:50:31: Also das ist doch... Dass da nicht jemand gesagt hat, ob das jetzt irgendwie gerade alles... Da musst du wieder so tief in deinem Glauben drin sein.

00:50:40: Und wann hört das auf?

00:50:42: Wenn die Namen genannt haben, war das vorbei.

00:50:44: Dann hast du ja die nächsten zwei, die dann auch folgen, dass sie auch wieder zwei Namen nennen.

00:50:47: Du kannst ein ganzes Dorf ausschlöchen ...

00:50:49: Ja!

00:50:50: Weil Marianne von nebenan kann wahrscheinlich fliegen und dann kommt die Inquisition und sagt so was auf, kann sie bestimmt... Wir werden zumindest dazu bringen, dass ihr selber glaubt.

00:51:00: Da seid ihr alle dran.

00:51:00: Und wenn ich jetzt zum Beispiel angeklagt werde worden wäre... War das deutsch?

00:51:05: Das war schon deutsch.

00:51:06: Und jetzt Timmina Die ich damals war als Hexenfrau.

00:51:11: Vermeint dich, der Hexenfrau?

00:51:13: Und ich hätte dann eben den René versehentlich das falsche Kraut gegeben.

00:51:17: Ich war müde.

00:51:18: Dann bin ich angeklagt und werde gefolgt hat... ...und ich weiß doch ganz genau, dass mich Renés Mama und Renés Papa da angeschwärzt haben!

00:51:26: Mit wem war ich wohl?

00:51:27: mit meinem Besen beim Hexensabbat?

00:51:29: natürlich mit den

00:51:30: beiden?!

00:51:30: Aber

00:51:30: ich glaube, wenn die Anklage stellen ist es schon anders noch mal... Also solche logischen Schlüsse werden sie wahrscheinlich gezogen haben.

00:51:39: Kannst du auch sagen natürlich sagen dir das, um heimlich weiter Hexen selber zu feiern?

00:51:43: Bestimmt gab's solche Fälle.

00:51:47: Aber warum sollt ihr eine Hexe

00:51:48: darauf

00:51:49: hinweisen,

00:51:50: dass... Denk du nie sehen wirst!

00:51:54: Warum solltest du eine Hexo darauf hinwiesen, dass es andere Personen in der Hexe sein können?

00:51:59: Das ist ja nur so ein... wie dieses Meme wo Spiderman gegenseitig auf sich zeigt.

00:52:04: Dann kann die ja sagen, aber die sagt dann nur, weil sie ne Hexe ist und ich bin gar keine Hexe.

00:52:10: Ja.

00:52:10: Es wird wirklich absolut...

00:52:12: Ich würde auch sofort, wenn ich dann sehe, dass er mit einer glühenden Zange in meinen Nippel will und mich aussagen so wie es ist, was?

00:52:19: Ich bin eine Hexe.

00:52:24: Wir müssen das nicht tun!

00:52:26: Ich geb's zu.

00:52:27: Ich kann fliehen.

00:52:29: Snacks, snacks.

00:52:34: Erstens Die meisten Hexen waren Frauen aber nicht überall.

00:52:39: In einzelnen Territorien Süddeutschlands sagt der Anteil sogar über achtzig Prozent, während in Island im siebzehnten Jahrhundert fast ausschließlich Männer verfolgt wurden.

00:52:48: Zweitens – Der Hexensabbat wurde wahrscheinlich nie beobachtet!

00:52:52: Die spektakulären Berichte über Flug-, Teufel- und Rituale stammen fast aussschließlich aus Verhöhren oft unter Folter.

00:53:01: Drittens – Peinliche Befragung war im frühneuzeitlichen Recht der offizielle Begriff für Folter.

00:53:09: Sie durfte laut Konstituzio criminales Carolina von fifteenhundertzweiunddreißig nur bei starken Indizien eingesetzt werden.

00:53:17: In der Praxis reichten oft Gerüchte oder Nachbarschaftskonflikte.

00:53:31: Fünftens.

00:53:32: Die letzte Hinrichtung wegen Hexerei im heiligen Römischen Reich fand siebzehntundertfünfundsiebzig in Kemptenstadt.

00:53:40: Die Verurteilte war Anna-Maria Schwegelin, eine Dienstmark die wegen angeblichen Teufelspakt zum Tod durch das Schwert verurteilt wurde.

00:53:48: Das Urteil wurde ausgesprochen aber vermutlich nicht mehr vollstreckt.

00:53:55: Es ist still geworden um die Hexen.

00:53:58: keine Prozesse mehr, keine Urteile, keine Scheiterhaufen, die in Protokollen enden.

00:54:03: Und doch ist sie nicht verschwunden.

00:54:06: Sie steckt noch immer in Geschichten, in Bildern und im Moment in dem wir sofort wissen was gemeint ist wenn jemand von einer Hexe spricht.

00:54:14: Das Bild hat überlebt obwohl die Gewalt dahinter längst vorbei ist.

00:54:18: es wurde weitererzählt verändert neu besetzt aber nie ganz abgelegt.

00:54:24: und manchmal reicht schon eine Nacht ein Berg einen Name damit alles wieder auftaucht.

00:54:33: das war Radio Obskura.

00:54:35: Wenn

00:54:36: euch diese Folge gefallen hat, dann bleibt auf Frequenz.

00:54:39: Folgt uns und lasst gerne eine Bewertung

00:54:54: da!

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