#031: Straßburg 1518 - Tanzen bis in den Tod?
Shownotes
🎧 Worum geht’s in dieser Folge?
1518 geraten in Straßburg Menschen in einen Zustand, den niemand wirklich erklären kann: Sie tanzen tagelang auf offener Straße, brechen zusammen und kehren wieder zurück. Die Stadt reagiert erst medizinisch, später religiös, doch das Geschehen endet nicht sofort.
Radio Obscura folgt den historischen Quellen zur sogenannten Tanzwut von Straßburg und untersucht, wie aus einem beobachteten Ereignis eine der bekanntesten Legenden europäischer Geschichte wurde. Dabei geht es nicht nur um die Frage, was damals passiert ist, sondern auch darum, wie sich Verhalten in Gruppen ausbreiten kann.
Kapitel
(00:00) Opening: Mitten auf der Straße (00:54) Intro & Begrüßung (06:58) Die Stadt vor dem Ausbruch (10:23) Frau Troffea (13:43) Die Eskalation (17:15) Die Entscheidung der Stadt (21:09) Von Medizin zur Religion (25:10) Massenpsychogene Phänomene (30:39) Was wir wirklich wissen (34:11) Warum die Legende funktioniert (36:44) Warum uns Straßburg bis heute beschäftigt (45:21) snacks.fm (46:51) Die Bewegung bleibt
📚 Quellen & Literatur
• Backman, E. Louis (Hg.): Religious Dances in the Christian Church and in Popular Medicine, London 1952. • Cohn, Norman (Hg.): Europe’s Inner Demons. An Enquiry Inspired by the Great Witch-Hunt, London 1975. • Fouquet, Gerhard (Hg.): Die Geschichte Straßburgs. Stadt und Gesellschaft im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit, Straßburg 2012. • Miller, Lynneth J. (Hg.): The Dancing Plague of 1518: Divine Punishment or Mass Hysteria?, in: The Historian, 2005. • Waller, John (Hg.): The Dancing Plague. The Strange, True Story of an Extraordinary Illness, London 2008.
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00:00:01: Sie hört nicht auf, am Anfang wirkt es wie eine dieser Bewegungen die man im Vorbeigehen übersieht.
00:00:07: Ein paar Schritte ein Drehen vielleicht einen Ausgleich für etwas das sich im Körper staut Doch es bleibt nicht dabei.
00:00:14: sie tanzt weiter ohne Musik ohne Anlass mitten auf der Straße.
00:00:20: Stunden vergehen dann ein Tag.
00:00:22: ihr Körper wird langsamer schwerer aber er hält nicht an.
00:00:26: Die Menschen bleiben stehen.
00:00:28: Erst schauen sie nur, dann beginnen sie zu zählen.
00:00:31: Zu reden und sich zu fragen ob das noch Absicht ist.
00:00:34: Ob sie spielen, provozieren oder betteln will aber nichts daran wirkt wie ein Spiel.
00:00:40: Sie tanzt als gäbe es keinen Punkt an dem sie aufhören kann.
00:00:44: Am nächsten Tag ist sie immer noch da Und irgendwann steht sie nicht mehr allein.
00:00:50: Willkommen bei Radio Obskura.
00:01:14: Schön dass ihr eingeschaltet habt beim Podcast über Creatures Crime & Mystery.
00:01:19: Wir erzählen von Geschichte, Gegenwart und Grenzbereichen mal real.
00:01:23: Mal unerklärlich!
00:01:31: Ich
00:01:49: weiß nicht, ob man das aus dem Intro jetzt schon heraushören kann.
00:01:52: Wenn man noch nichts weiß, worum es geht... Es geht um Tanzen.
00:01:57: Das
00:01:58: steht ja
00:02:00: auch im Folgen Titel.
00:02:01: Obwohl ich persönlich wahrscheinlich nicht genau wüsste was das sein soll wenn ich den Titel nur lesen würde.
00:02:07: Du warst ja gestern auch tanzen aber würdest du sagen kannst du dich alleine nachten oder vielleicht auch einen Tag erinnern
00:02:14: wo du
00:02:16: am längsten am Stück getanzt hast?
00:02:18: Also gibt's da ein Event, an das du dich erinnern kannst?
00:02:21: Also gestern das Tanzen war ja eher im Fuß wackeln oder mit Nacken wackelen.
00:02:25: Nackentanzen!
00:02:28: Einem Black Metal-Konzert.
00:02:30: Übrigens von der Band die wir in allerersten Folge erwähnt haben Antrich, die damals über The Terror gesungen haben.
00:02:38: und jetzt gab es eben das neue Album und den Release Konzert.
00:02:42: Da wurde weniger getanzt aber eben ein bisschen bewegt.
00:02:46: So richtig tanzen, tanzen mache ich sehr selten.
00:02:49: Was komisch ist das wir uns tanzend kennengelernt haben?
00:02:54: Aber da haben ja auch nur kurz getanzen.
00:02:55: Ich habe höchstwahrscheinlich wie vielen in dieser Location nach... ...sehr wenig Bier, weil ich immer sehr wenig Bier trinke wahrscheinlich versuch dir den Disco Fox beizubringen.
00:03:09: Aber dann die längste Tanzen sind wahrscheinlich so wo ich dann doch mal im Studium damals noch Als ich noch jung war und knackig und frisch, es waren dann auf irgendwelchen Partys aber auch nur so zwei drei Stunden.
00:03:22: Also ich hab nie jetzt... also ich war nie auf irgendwie so Schlagermove oder Love Parade oder sowas wo man keine Ahnung wie lange man da tanzt während diese Paraden da laufen.
00:03:32: Und bei Festivals hat man ja auch mal eine Pause zwischendurch dass man dann mal kurz zum Zelt geht sich hinlegt.
00:03:39: Ich glaub so länger als zwei drei stunden war's eigentlich nie mit der Tanzwut verfallen.
00:03:45: Ich habe aber Tanzwut mal live gesehen.
00:03:47: Also nicht die Band-Tanzwut, die gibt es ja auch.
00:03:51: Die haben wir auf so einem Mittelaltermarkt gespielt.
00:03:53: Aber das hat auch extrem geschüttet an dem Tag.
00:03:55: Das war ein Mittelalter Weihnachtsmarkt in Dortmund.
00:03:58: D.h.,
00:03:58: da standen dann diese drei Tanzwudleutsche hier auf der Bühne und davor dann auch noch mal drei im Regen.
00:04:03: Es war ein bisschen traurig.
00:04:04: Das hat nicht viel mit Tanzen zu tun gehabt.
00:04:07: Dann nehmt er... Hast du mal lange getanzt?
00:04:10: Ja, doch.
00:04:10: Ich würde sagen, es gibt schon nichts, in denen ich viel getanze.
00:04:14: Aber ich tanze auch sehr gerne auf Konzerten.
00:04:16: Obwohl viele meiner Freundinnen, die das mit erlebt haben, vielleicht hinterfragen würden, ob man das als Tanzen bezeichnen kann?
00:04:22: Ich gebe mir Mühe, sagen wir so.
00:04:24: Aber auf der Fusion letztes Jahr habe ich sehr lange getanzt und jetzt auch sehr, sehr viele Möglichkeiten gehabt zu tanzen.
00:04:29: Und das war mein erstes Festival.
00:04:32: Also immer wenn ich an langes Tanzen denke und auch in Vorbereitung auf diese Folge muss sich ... an so einige Tage in der Fusion denken.
00:04:40: Das ist ja eigentlich auch, ich weiß jetzt nicht wie unsere Zuhörer bewandert sind aber ich finde vor allem eine Technus-Szene ist das immer sehr... Ich finde es hat schon fast was von einem Aerobikkurs.
00:04:51: Ich fand's sehr toll!
00:04:54: Da war ich mal auf einer Elektroparty und da war dann in so nem kleinen Floor, in soem Käfig quasi, ein DJ drin.
00:05:02: Und man sieht richtig, wie du sagst so Aerobikkurse.
00:05:05: alle stehen quasi so in der Reihe und Gliedung gucken halt zum DJ und bewegen, dann stand da so ein ganz am Ende des Raumes.
00:05:10: Habt ihr kurz geguckt?
00:05:12: Das ist schon... Sie voraus sind schon krass aus.
00:05:14: Okay ich gehe
00:05:14: wieder rückwärts aus dem Raum heraus und geh vielleicht einfach nach Hause.
00:05:19: Aber du kommst daraus im Osten.
00:05:21: also eigentlich muss man auch dann hacken können auch oder?
00:05:24: Hacken?
00:05:25: Ja, könntest du nicht hacken?
00:05:26: Dann hacken!
00:05:29: Ach wie witzig das ist so eine Tanzform die man irgendwie im Techno.
00:05:35: Also ich finde das Ärger unter der Folge keine Ahnung wo genau man wie hacken wir anwendet, aber dass er so eine Art...
00:05:42: Ich konnte mal schaffeln.
00:05:44: Das war cool!
00:05:47: Und
00:05:47: wisst ihr sich auch Krocher?
00:05:50: Also sehr so aus Spaß irgendwie.
00:05:52: oder dass man mal den Moonwalk versucht Aber Techno-Szenar bin ich ja komplett raus.
00:05:57: Wir waren halt in einer normalen Band-Szene in Leipzig mit Felsmusik, wie wir bebildeten Leute sagen Rock Musik.
00:06:06: Es gab damals den Verein die Band Community
00:06:08: E.V.,
00:06:09: und da gab es dann auch einmal im Jahr ein Contest, dass wir eben von der Band-Community so einen Treffen in der Moritz-Bastei.
00:06:15: Da muss halt jede Band mal kurz ... Wir saßen alle in einem Raum und auf der Bühne wurde moderiert und dann sollten halt alle Bands sich mal ganz kurz vorstellen.
00:06:23: Dann haben wir dann gesagt ja wie sind so und so und machen halt Rockmusik?
00:06:25: Und die anderen waren Ja wie sind So und So und machen Hip Hop!
00:06:28: Da waren die Namen der Bänden nicht mehr.
00:06:29: Was waren da so?
00:06:30: drei Dutz?
00:06:30: Die saßen dann und sagten, ja hallo wir sind Sohn.
00:06:32: Wir machen richtig Holtentechno.
00:06:35: Supergeil!
00:06:35: Also ich mache keinen Techno, das haben die aus Spaß gesagt aber es drückt so viel ausschließlich.
00:06:40: Und im Sächsischen ist er... also man sagt ja nicht richtig hart und man sagt Ja Richard.
00:06:45: Deswegen mag ich den Namen Richard.
00:06:47: So viel dazu.
00:06:49: Jetzt mal Richard Volke hier.
00:06:50: oder hast du noch eine andere
00:06:51: Frage?
00:06:52: Nein, nein, das reicht mir gar
00:06:53: nicht.
00:06:53: Dann kannst jetzt mal Richard vorlegen.
00:06:59: Straßburg zu Beginn des sechzehn Jahrhunderts ist keine abgelegene Stadt, sondern ein Zentrum.
00:07:05: Als freie Reichsstadt gehört sie formal zum heiligen grümischen Reich, organisiert ihr Leben aber weitgehend selbst.
00:07:11: Der Rat entscheidet über Handel-, Preise-, Versorgung- und Rechtsprechungen.
00:07:16: Die Lage am Rhein macht die Stadt zu einem Umschlagplatz für Waren und Nachrichten zwischen Süddeutschland, Frankreich und den niederländischen Gebieten Um fifteenhundert leben hier schätzungsweise zwischen zwanzigtausend und fünfundzwanzig tausend Menschen.
00:07:31: Das bedeutet kurze Wege, volle Straßen, enge Häuser und eine Gesellschaft in der sich alles schnell herum spricht.
00:07:40: Diese Nähe schafft Abhängigkeit – wer hier lebt ist darauf angewiesen dass Märkte funktionieren das Getreide verfügbar ist und das Preise berechenbar bleiben.
00:07:50: Genau das gerät ins Wanken!
00:07:52: Für die Jahre vor fifteenhundertachzehn sind steigende Getreidepreise und Versorgungsprobleme belegt.
00:07:59: Schlechte Ernten wirken sich unmittelbar auf den Alltag aus.
00:08:03: Wer ohnehin wenig besitzt, spürt solche Schwankungen zuerst.
00:08:08: In städtischen Aufzeichnungen finden sich Hinweise auf Armut, auf Menschen die Unterstützung benötigen Und eine Lage, die sich nicht stabilisieren lässt.
00:08:17: Dazu kommt ein medizinisches Weltbild, das vieles erklärt aber wenig verhindert.
00:08:23: Krankheiten gehören zum Alltag und sie treten ohne klare Vorwarnung auf.
00:08:28: Die gängige Vorstellung orientiert sich an der Humoralpatologie Der Körper funktioniert solange seine Säfte im Gleichgewicht sind.
00:08:37: Hitze, Nahrung und Luft oder äußere Einflüsse können dieses Gleichgewichts stören.
00:08:43: Daraus entstehen nicht nur körperliche Symptome, sondern auch Veränderungen im Verhalten.
00:08:49: Diese Denkweise liefert einen Rahmen aber keine Kontrolle.
00:08:53: Sie beschreibt was passiert ohne verlässlich eingreifen zu können.
00:08:57: Gleichzeitig beginnt sich die religiöse Ordnung zu verschieben.
00:09:01: Fünfzehnhundertsebzehn veröffentlicht Martin Luther seine Thesen gegen den Ablasshandel und stößt damit ein Prozess an der in den folgenden Jahren weite Teile Europas verändern wird.
00:09:12: Straßburg entwickelt sich später selbst zu einem wichtigen Ort der Reformation.
00:09:16: Doch schon um fünfzehntundachzehn werden erste Spannungen sichtbar.
00:09:21: Fragen nach Schuld, Sünde und göttliche Ordnung gewinnen an Gewicht.
00:09:25: Ereignisse werden nicht nur als Zufall verstanden sondern als mögliche Zeichen für eine gestörte Welt.
00:09:32: Was sich daraus ergibt ist keine einzelne Krise sondern eine Überlagerung Wirtschaftliche Unsicherheit, körperliche Verwundbarkeit und eine religiöse Deutung die nach Ursachen sucht.
00:09:43: In dieser Umgebung entsteht ein Bedürfnis nach Erklärung.
00:09:47: Wenn etwas geschieht das aus dem Rahmen fällt muss es eingeordnet werden und zwar schnell nicht als abstraktes Phänomen sondern als etwas dass eine Ursache hat und einen Platz im Weltbild findet.
00:09:59: Die Quellen aus dieser Zeit sind dabei auffallend zurückhaltend.
00:10:04: Chroniken und städtische Aufzeichnungen arbeiten nicht mit dramatischen Bildern, sondern mit knappen Feststellungen.
00:10:11: Die beschreiben Zustände, Entscheidungen, Entwicklungen – vielleicht wirken diese Quellen gerade deshalb so stark!
00:10:17: Sie zeigen wie eine Stadt denkt und reagiert ohne das Geschehen auszuschmücken.
00:10:24: Im Juli des Jahres fünfthundert achtzehn tauchten in Straßburger Quellen erstmals ein Verhalten auf, der sich nicht einordnen lässt.
00:10:32: Kroniken und spätere Zusammenstellungen berichten davon, dass eine Frau auf einer Straße der Stadt zu tanzen beginnt.
00:10:40: Kein Fest keine Musik kein Anlass sie bewegt sich einfach weiter.
00:10:45: die Berichte bleiben dabei auffallend nüchtern.
00:10:48: es wird nicht beschrieben was sie denkt oder fühlt.
00:10:51: Es wird nur festgehalten das sie tanzt und nicht aufhört.
00:10:55: Genau darin liegt die Irritation.
00:10:59: Tanzen gehört zum Alltag, aber es ist gebunden an bestimmte Situationen.
00:11:04: Menschen tanzen bei Festen, Procession oder religiösen Feiern.
00:11:09: Körperliche Bewegung besitzt in der spätmittelalterlichen Welt eine sichtbare soziale und religiose Funktion.
00:11:16: Gerade deshalb wirkt dieses Verhalten so verstörend – die Bewegung löst sich von jedem bekannten Anlass.
00:11:23: Hier fehlt der Rahmen vollständig.
00:11:25: Die Bewegung beginnt ohne erkennbare Einleitung und setzt sich fort, als gäbe es keinen Punkt an dem sie enden müsste.
00:11:32: Mit der Zeit wird aus einer Beobachtungen ein Problem.
00:11:36: Die Quellen sprechen davon dass die Frau über Stunden hinweg tanzt bis zur Erschöpfung und am nächsten Tag wieder erscheint.
00:11:45: Diese Wiederholung verändert die Wahrnehmung.
00:11:48: Ein einzelner Ausbruch ließe sich noch als ungewöhnlich abtun.
00:11:52: Eine Handlung, die sich über mehrere Tage hinweg fortsetzt, entzieht sich diese Einordnung.
00:11:59: Spätere Darstellungen sprechen von vier, fünf oder sechs Tagen nahezu ununterbrochener Bewegung.
00:12:06: Diese Zahlen sind nicht einheitlich überliefert aber sie zeigen wie das Ereignis bereits kurz darauf als etwas Dauerhaftes verstanden wird.
00:12:16: Die Umgebung reagiert zunächst nicht mit Eingriffen sondern mit Aufmerksamkeit.
00:12:21: Menschen bleiben stehen, Beobachten sprechen darüber.
00:12:26: In einer Stadt dieser Größe verbreitet sich eine solche Nachricht schnell.
00:12:30: Zwischen markständen und engen Häuser rein bleibt der Blick immer wieder an derselben Bewegung hängen.
00:12:37: Die Frau wird nicht isoliert sondern zum sichtbaren Mittelpunkt eines Geschehens das niemand erklären kann.
00:12:44: Ein Körper der sich nicht beruhigt widerspricht dem was man über Maß- und Gleichgewicht weiß.
00:12:50: In vielen späteren Darstellungen wird diese erste Tänzerin als Frau Trofea bezeichnet.
00:12:57: Der Name ist heute so präsent, dass er wie ein gesicherter Bestandteil der Geschichte wirkt.
00:13:02: In den zeitnaheren Quellen erscheint er jedoch nicht – dort bleibt die Frau anonym!
00:13:07: Der Name gehört zu einer späteren Phase der Überlieferung in der aus einem beobachteten Ereignis eine erzielbare Geschichte wird.
00:13:16: Eine Figur mit Namen lässt sich leichter erinnern als eine Ohne.
00:13:19: Was in den frühen Berichten bleibt, ist diese Lehrstelle.
00:13:23: Keine Erklärung, kein Motiv keine Stimme der Betroffenen nur die Feststellung dass jemand beginnt zu tanzen und nicht aufhört.
00:13:33: Noch ist ein einzelner Körper eine Bewegung noch lässt sich das Geschehen als Ausnahme lesen doch diese Ausnahme bleibt nicht stehen.
00:13:44: aus der einzelnen Bewegungen wird innerhalb weniger Tage einen Zustand der sich nicht mehr eingrenzen lässt.
00:13:50: In den frühen Berichten ist davon die Rede, dass sich weitere Menschen anschließen.
00:13:56: Die Formulierungen bleiben dabei auffallend schlicht.
00:13:59: Es wird nicht erklärt warum sie es tut.
00:14:01: Es wird nur festgehalten das sie es tun.
00:14:04: In einer der überlieferten Beschreibung heißt es sinngemäß, dass viele anders ebenfalls zu tanzen begannen.
00:14:11: Mehr Nicht!
00:14:12: Kein dramatischer Einstieg kein Auslöser kein Ereignis das die Bewegungen erklärt.
00:14:18: Die Beobachtung steht einfach im Raum.
00:14:21: Aus einer Person werden mehrere.
00:14:23: Innerhalb weniger Tage sprechen die Berichte von mehreren Dutzend Betroffenen.
00:14:29: Diese Angabe findet sich in den Zusammenstellungen, die sich auf städtische Aufzeichnungen und Chroniken gestützen wie sie etwa bei John Waller ausgewertet werden.
00:14:39: Die Entwicklung ist damit greifbar.
00:14:41: das Verhalten bleibt nicht lokal sondern breitet sich aus.
00:14:45: Menschen, die zunächst Zuschauer sind beginnen selbst zu tanzen.
00:14:50: Mit der wachsenden Zahl verändert sich das Bild im Stadtraum.
00:14:54: Die Quellen beschreiben keinen gemeinsamen Tanz Keine Reigen keine Formen, die man kennt.
00:15:00: Es handelt sich nicht um ein Fest sondern um eine Vielzahl von Einzelbewegungen, die gleichzeitig stattfinden.
00:15:07: Die Menschen tanzen nicht miteinander Sondern nebeneinander.
00:15:11: Das ist ein wichtiger Unterschied weil er zeigt dass hier keine soziale Ordnung reproduziert wird sondern etwas entsteht, das sich dieser Ordnung entzieht.
00:15:21: Die körperlichen Folgen werden in den Berichten deutlicher benannt als die Ursachen.
00:15:27: Es ist die Rede von Erschöpfung und Zusammenbrüchen von Menschen, die nicht mehr aufhören können obwohl ihr Körper längst an seine Grenzen kommt.
00:15:36: Mit der Zeit muss der Stadtraum selbst verändert.
00:15:38: gewirkt haben erschöpfte Körper auf offenen Plätzen Menschen die Taumeln stürzen oder nur noch mechanisch weiterlaufen.
00:15:47: In den Beschreibungen fehlt jede Dramatisierung.
00:15:50: Vielleicht wirken die Berichte gerade deshalb so verstörend?
00:15:53: Es wird nicht geschildert, wie es sich anfühlt – es wird nur festgehalten, dass es geschieht!
00:15:59: An dieser Stelle setzt die spätere Überlieferung ein und verändert das Bild.
00:16:03: Besonders bekannt ist die Angabe «Die Tanzwut habe sie zeitweise bis zu fünfzehn Todesfälle am Tag gefordert».
00:16:11: Diese Zahl wird häufig zitiert und hat als Bild eines tödlichen Massenereignisses geprägt.
00:16:17: Sie stammt jedoch nicht aus einer eindeutig belegbaren Straßburger Quelle von XVIII.
00:16:23: In den Zeiten näheren Berichten findet sich keine solche tägliche Statistik, dort ist von zusammenbrüchen die Rede – von Menschen, die sterben könnten aber ohne die konkrete Zahl!
00:16:35: Die fünfzehn pro Tag gehören zu späteren Verdichtungen der Geschichte.
00:16:41: Damit verschiebt sich auch der Fokus.
00:16:43: Die Frage ist nicht mehr ob einzelne Menschen tanzen Sondern warum es immer mehr werden?
00:16:50: Die Bewegung wird sichtbar, wiederholt sich und gewinnt dadurch eine eigene Stabilität.
00:16:56: Wer zusieht steht nicht mehr außerhalb sondern bewegt sich in einem Umfeld in dem dieses Verhalten bereits stattfindet.
00:17:04: In diesem Moment kippt die Situation Aus einer Beobachtungen wird ein Zustand aus einem Einzelfall ein Problem das die Stadt nicht mehr ignorieren kann.
00:17:15: Mit der Ausbreitung des Tanzes erreicht das Geschehen einen Punkt, an dem die Stadt reagieren muss.
00:17:20: Was zuvor als ungewöhnliches Verhalten einzelner Personen wahrgenommen werden konnte wird zu einer sichtbaren Störung des öffentlichen Lebens.
00:17:30: Menschen brechen auf offener Straße zusammen Gruppen versammeln sich und das geschehen lässt sich nicht mehr übersehen.
00:17:37: Der Rat greift ein.
00:17:39: Die ersten Maßnahmen orientieren sich an der medizinischen Logik der Zeit.
00:17:43: Ärzte werden hinzugezogen und ihre Einschätzung folgt dem damals verbreiteten humoral-pathologischen Modell.
00:17:50: In den überlieferten Zusammenfassungen wird Ihre Diagnose als ein überhitztes Blut beschrieben, einen Zustand der durch Bewegung weiter angeheizt aber auch wieder abgebaut werden könne.
00:18:02: Die Schlussfolgerung wird aus heutiger Perspektive widersprüchlich ist innerhalb dieses Denkmodells jedoch konsequent Wer tanzt soll weitertanzen um das Ungleichgewicht im Körper auszugleichen.
00:18:15: Auf dieser Grundlage trifft der Rat eine Entscheidung, die sich konkret fassen lässt.
00:18:20: Es werden Maßnahmen organisiert, die das Tanzen nicht unterbinden und strukturieren sollen.
00:18:26: In den Berichten ist davon die Rede dass Plätze bereitgestellt werden auf denen sich die Betroffenen bewegen können.
00:18:33: Gleichzeitig werden Musiker engagiert um einen Rhythmus vorzugeben und Personen eingesetzt, die den Ablauf begleiten.
00:18:40: Die Stadt schafft damit ein Rahmen in dem das Verhalten nicht verschwindet sondern gezielt fortgeführt wird.
00:18:47: Diese Entscheidung ist kein Randdetail, sondern ein zentraler Punkt der Überlieferung.
00:18:53: Die zeigt, dass das Geschehen nicht als reine Störung verstanden wird, sondern als Zustand, der sich innerhalb der bestehenden Ordnung behandeln lässt.
00:19:03: Tanzen mit ihr nicht als Symptom eines unkontrollierbaren Ereignisses begriffen – sondern als Teil einer Therapie!
00:19:11: Die Stadt reagiert nicht mit Verbot, sondern mit Organisation.
00:19:16: Die Wirkung dieser Maßnahmen bleibt nicht eindeutig.
00:19:19: Die Quellen beschreiben weiterhin Menschen, die tanzen zusammenbrechen und nicht zur Ruhe kommen.
00:19:25: Musiker geben ein Rhythmus vor, während gleichzeitig Menschen vor Erschöpfung kollabieren.
00:19:31: Eine unmittelbare Entspannung der Lage lässt sich daraus nicht ableiten.
00:19:36: Vielmehr entsteht der Eindruck dass sich das Verhalten unter diesen Bedingungen weiter fortsetzt.
00:19:41: Die Vorstellung durch gesteigerte Bewegung ein Gleichgewicht wiederherzustellen führt nicht dazu, dass das Phänomen verschwindet.
00:19:49: Im weiteren Verlauf zeigt sich jedoch, dass die medizinische Strategie keine eindeutige Wirkung entfaltet.
00:19:56: Trotz organisierter Tanzplätze trotz Musik und trotz der Vorstellung Bewegungen können das Problem lösen.
00:20:02: Tanzen Menschen weiter brechen zusammen und kehren erneut auf die Straße zurück.
00:20:08: Genau an diesem Punkt beginnt die ursprüngliche Erklärung brüchig zu werden.
00:20:12: Die Stadt reagiert dabei nicht chaotisch, sondern innerhalb der ihr zur Verfügung stehenden Modelle.
00:20:18: Zunächst wird das Tanzen als körperliches Problem verstanden, dass durch Fortsetzung der Bewegungen gelöst werden soll.
00:20:26: Doch je länger das Geschehen anhält desto stärker verschiebt sich die Deutung.
00:20:30: Der Fokus wandert langsam vom Körper und hin zu einer religiösen Erklärungs-Ebene.
00:20:37: Nicht mehr nur das Blut scheint aus dem Gleichgewicht geraten zu sein, sondern die Ordnung in der dieser Körper steht.
00:20:43: Was in den Quellen sichtbar wird ist weniger eine einzelne falsche Entscheidung als eine Reihe von Versuchen ein schwer erklärbares Verhalten einzuordnen und zu kontrollieren.
00:20:55: Jede dieser Maßnahmen folgt einer Logik, die innerhalb ihrer Zeit plausibel ist.
00:21:00: Gleichzeitig zeigt sich dass keine dieser Logiken in der Lage ist eindeutig zu beenden.
00:21:10: Mit dem fortbestehendes Tanzes verändert sich nicht sofort das Verhalten der Betroffenen, sondern zunächst der Blick auf sie.
00:21:17: Die Bewegung hört nicht auf, obwohl die Stadt Plätze organisiert, Musiker engagiert und versucht es geschehen medizinisch zu kontrollieren.
00:21:26: Menschen tanzen weiter, brechen zusammen und kehren erneut auf die Straßen zurück.
00:21:31: Der Zustand stabilisiert sich nicht, erhält an.
00:21:35: Langsam reicht die ursprüngliche Erklärung nicht mehr aus.
00:21:38: Das Tanzen wird nicht länger nur als körperliches Ungleichgewicht verstanden, es bekommt eine andere Bedeutungsebene.
00:21:46: In den Überlieferungen taucht nun der Bezug zum Heiligen Vitus auf einer Figur, die im spätmittelalterlichen Volksglauben mit bestimmten Krankheitsbildern verbunden ist – insbesondere mit unkontrollierten Bewegungen und Krämpfen.
00:22:02: Der Begriff Pfeiztanz ist zu diesem Zeitpunkt bereits bekannt und beschreibt solche Zustände.
00:22:08: Wichtig ist dabei der historische Begriff um ein nicht automatisch dasselbe wie das, was in der modernen Medizin später als neurologischer Erkrankung beschrieben wird – etwa die Korea Seidenham.
00:22:21: Pfeitztanz wird über Jahrhunderten weg für unterschiedliche Formen unkontrollierter Bewegungen verwendet mal medizinisch, mal religiös, mal sehr allgemein.
00:22:33: Der Begriff beschreibt deshalb weniger eine klar definierte Diagnose als eine Art Sammelbezeichnung für auffällige körperliche Zustände die Menschen sich anders kaum erklären konnten.
00:22:46: Mit dieser Verschiebung ändert sich auch das konkrete Handeln der Stadt.
00:22:50: Die zuvor eingesetzten Mittel werden nicht einfach ergänzt sondern teilweise zurückgenommen.
00:22:56: Musik, die zunächst gezielt eingesetzt wurde um den Tanz zu strukturieren wird nun eingeschränkt und untersagt.
00:23:04: Der öffentliche Raum verliert damit seine Funktion als Ort der Behandlung.
00:23:09: Stattessen gewöhnen religiöse Praktiken an Bedeutung.
00:23:13: In den Berichten taucht nun erneut der Bezug zur Sankt Vitus auf.
00:23:17: Gruppen von Betroffenen werden schließlich aus der Stadt herausgeführt und zu einem der heiligen Vitus geweihten Orte gebracht unter anderem in die Nähe eines Schreins bei Saverne.
00:23:27: Dort sollen Gebete, Rituale und der Kontakt mit einem geweiten Ort das bewirken was zuvor durch körperliche Bewegungen erreicht werden sollte.
00:23:36: Das Problem wird nun nicht mehr primär als medizinischer Zustand verstanden sondern als religiös bedeutbares Phänomen.
00:23:44: Diese Veränderung ist kein Detail sondern eine klare Zäsur.
00:23:50: Die Stadt wechselt nicht nur ihr Mittel, sondern ihre Erklärungsmodell.
00:23:54: Zunächst wird der Körper behandelt, dann wird die Bedeutung dieses Körpers neu interpretiert.
00:24:01: Das Problem liegt nicht mehr im Blut, sondern in einer Ordnung, die außerhalb des Körper gedacht wird.
00:24:07: In den Quellen laufen damit Entwicklungen gleichzeitig ab Einerseits der Versuch ein sichtbares Verhalten zu kontrollieren Andererseits die Suche nach einem Modell das dieses Verhalten überhaupt verständlich macht.
00:24:20: Als die erste Erklärung nicht trägt, wird sie ersetzt.
00:24:24: Die Bewegungen selbst verändert sich in dieser Phase kaum.
00:24:28: Menschen tanzen weiterhin, brechen zusammen und stehen wieder auf.
00:24:32: Was sich verändert ist der Rahmen, in dem dieses Verhalten gelesen wird – aus einem körperlichen Zustand mit ein religiöses Phänomen.
00:24:40: Und mit dieser Verschiebung ändern sich auch die Orte an denen man eingreift und die Mittel, die man für wirksam hält.
00:24:48: Was in Straßburg passiert, wirkt einzigartig!
00:24:51: Eine Stadt, Menschen die tanzen, die nicht aufhören können.
00:24:55: Entscheidungen, die ins Leere laufen.
00:24:58: Aber genau dieses Muster Ein Verhalten das sich ausbreitet ohne dass jemand es steuert taucht auch in anderen Zeiten wieder auf.
00:25:06: Tim bifft einen Blick darauf.
00:25:11: Wenn man das Geschehen von Straßburg aus der Distanz betrachtet fällt ein Punkt sofort auf Die Bewegung beginnt nicht als Gruppe.
00:25:20: Es gibt keinen gemeinsamen Start, keine Verabredungen, keinen Anlass der mehrere Menschen gleichzeitig betrifft.
00:25:26: Und trotzdem entsteht innerhalb kurzer Zeit ein Verhalten das viele erfasst.
00:25:31: Genau dieser Übergang ist der Schlüssel und erst historisch kein Einzelfall.
00:25:36: Ein besonders gut dokumentiertes Beispiel liegt mehrere Jahrhunderte später und mehrere tausend Kilometer entfernt in einem Internat im damaligen Tanganjika, dem heutigen Tanzania.
00:25:49: ein Ereignis das als Lachepademie bekannt wird.
00:25:53: Ausgangspunkt ist eine Schule in Kasascha nahe dem Victoriasee.
00:25:57: drei Schülerinnen beginnen zu lachen.
00:26:00: es wirkt zunächst wie eine normale Situation vielleicht ausgelöst durch Stress vielleicht durch eine konkrete Situation im Unterricht.
00:26:06: doch das lachen hört nicht auf Es dauert an, breitet sich aus erfasst weitere Schülerinnen.
00:26:12: Innerhalb weniger Tage sind Dutzende betroffen.
00:26:16: Die Berichte sind ungewöhnlich präzise.
00:26:18: Insgesamt werden etwa ninety-fünf von einhundertundfünftig Schülerin betroffen!
00:26:22: Die Symptome sind nicht nur Lachen sondern auch Weinen, Schreien Unruhe und körperliche Erschöpfung.
00:26:28: Die Episoden dauern Minuten manchmal Stunden in einzelnen Fällen sogar Tage.
00:26:33: die Schule wird schließlich geschlossen.
00:26:35: doch damit endet das Geschehen nicht.
00:26:38: Die betroffenen Schülerinnen kehren in ihre Heimatdörfer zurück und dort setzt sich das Muster fort.
00:26:43: Weitere Schulen werden betroffen, ganze Gemeinschaften reagieren.
00:26:47: Insgesamt sind im Verlauf mehrere hundert nach manchen Schätzungen über tausend Menschen involviert.
00:26:53: Die Ereignisse ziehen sich über Monate teilweise über mehr als ein Jahr.
00:26:58: Was hier dokumentiert ist, lässt sich nicht durch eine klassische Infektion erklären.
00:27:02: Es gibt kein Erreger keine nachweisbare physische Ursache die sich von Person zu Person überträgt.
00:27:08: Stattdessen greifen Forscher auf ein Konzept zurück das heute als Maßpsychogenik Illness oder Massenpsychogene Erkrankung bezeichnet wird.
00:27:18: Gemeint es damit einen Zustand in dem sich Symptome innerhalb einer Gruppe ausbreiten ohne dass eine organische Ursachen nachweisbar ist?
00:27:25: Die Übertragung erfolgt nicht über den Körper im klassischen Sinn, sondern über Wahrnehmung, Erwartungen und soziale Nähe.
00:27:32: Ein weiteres Beispiel stammt aus den Vereinigten Staaten – genauer gesagt aus Leroy in Bundesstaat New York.
00:27:38: Im Jahr zehnt es sich um die Neurologische Störungen.
00:27:47: Die Fälle häufen sich, Medien berichten darüber.
00:27:51: Zahl der Betroffenen steigt zeitweise auf überein Dutzend!
00:27:54: Auch hier wird zunächst nach einer physischen Ursache gesucht.
00:27:56: Umweltgifte, Infektion, neurologische Erkrankungen.
00:28:00: Keine dieser Hypothesen lässt sich eindeutig bestätigen.
00:28:03: Schließlich wird das Phänomen als funktionelle neurologische Störung im Rahmen eines massenpsychogenen Geschehens eingeordnet.
00:28:10: Diese Fälle unterscheiden sich in ihrer Erscheinungsform deutlich von Straßburg.
00:28:15: Es wird nicht getanzt sondern gelacht gezuckt oder geschrien und doch zeigen sie eine vergleichbare Struktur.
00:28:21: Am Anfang steht ein einzelnes Verhalten oder eine kleine Gruppe, dieses Verhalten wird sichtbar beobachtet wahrgenommen.
00:28:28: In einem zweiten Schritt wird es reproduziert zunächst unbewusst dann in wachsender Zahl und irgendwann entsteht der Eindruck das etwas im Umlauf ist dass sich von Person zu Person weiter trägt.
00:28:39: Der entscheidende Faktor ist dabei die soziale Umgebung.
00:28:42: solche Phänomene treten fast immer in Gruppen auf die eng miteinander verbunden sind Schulen Klöster Dorfgemeinschaft.
00:28:49: Nähe bedeutet nicht nur physische Distanz, sondern auch geteilte Erwartungen, gemeinsame Belastungen und ähnliche Lebensumstände.
00:28:57: In Tanganjika ist es ein Internat in dem Schülerinnen unter Leistungsdruck stehen.
00:29:02: In Loroy ist es eine Schule, in der Jugendlicher auf engsten Raum zusammenleben.
00:29:06: In Strasburg ist es die Stadt, wo wirtschaftliche Unsicherheit, Krankheit und religiöse Spannungen den Alltag prägen.
00:29:12: Ein weiterer Punkt ist die Deutung.
00:29:14: In modernen Fällen greifen Betroffene und Umfeld zunächst auf medizinische Erklärungen zurück.
00:29:19: In früheren Jahrhunderten stehen andere Modelle zur Verfügung.
00:29:23: In Strasbourg wird das Verhalten zunächst körperlich erklärt, dann religiös – in beiden Fällen wird das was geschieht in einem Rahmen eingeordnet der verständlich erscheint.
00:29:32: Diese Einordnung beeinflusst wiederum wie sich das Ver halten weiterentwickelt.
00:29:37: Die Forschung zeigt dass solche Phänomene besonders dann auftreten wenn mehrere Faktoren zusammenkommen Stress Unsicherheit, ein klar sichtbares Ausgangsverhalten und eine soziale Struktur die es erlaubt dieses Verhalten zu beobachten und zu übernehmen.
00:29:51: Dabei handelt das sich nicht um bewussten Nachahmung im Sinne einer Entscheidung.
00:29:55: Die Betroffenen erleben ihre Symptome als real- und nicht steuerbar.
00:29:59: Genau das macht diese Ereignisse so schwer greifbar.
00:30:02: Für Straßburg bedeutet dass Es braucht keinen einzelnen Auslöser der alle gleichzeitig betrifft.
00:30:07: Es reicht, dass Einverhalten sichtbar wird und auf einen Boden trifft, der dafür empfänglich ist Die Enge, die Unsicherheit, die vorhandenen Deutungsmuster.
00:30:17: Aus einem einzelnen Körper wird so kein isoliertes Ereignis sondern ein Signal das sich weiter trägt.
00:30:22: Solche Phänomene lassen sich deshalb kaum durch einzelne Maßnahmen stoppen.
00:30:26: Wir hängen nicht nur am Körper, sondern an der Umgebung in der dieser Körper steht An der Gruppe und den Erwartungen an dem Druck der ohnehin schon da ist.
00:30:34: Wenn sich daran nichts ändert bleibt auch das Verhalten bestehen.
00:30:40: Was ich aus den Quellen herausarbeiten lässt ist erstaunlich klar Und gleichzeitig voller Lücken.
00:30:46: Beides gehört zusammen.
00:30:48: Sicher ist zunächst der Rahmen.
00:30:50: Im Jahr XVIII kommt es in Straßburg zu einem Ereignis, bei dem Menschen über einen längeren Zeitraum hinweg tanzen ohne dass sich dieses Verhalten in bekannte Form einordnen lässt.
00:31:02: Das ist kein späterer Mythos sondern durch mehrere voneinander unabhängige Überlieferungen gestützt.
00:31:08: Chroniken medizinische Texte und städtische Reaktionen greifen das selbe Geschehen auf.
00:31:15: Ebenso klar ist, dass die Stadt darauf reagiert.
00:31:18: Der Rat greift ein, organisiert Maßnahmen ändert diese Maßnahmen wieder.
00:31:23: Das Eignis bleibt nicht unbeachtet sondern wird als Problem wahrgenommen das behandelt werden muss.
00:31:30: Auch die Bewegung selbst ist nichts strittig.
00:31:32: Es handelt sich nicht um ein einzelnes Missverständnis oder eine Fehlinterpretation Sondern um einen Verhalten das über Tage hinweg sichtbar ist und von mehreren Menschen gezeigt wird.
00:31:45: Dass sich dieses Verhalten ausbreitet und dass die Stadt darauf reagiert, gehört zu den stabilsten Elementen der Überlieferung.
00:31:53: Weniger klar wird es sobald es ins Detail geht.
00:31:57: Die genaue Zahl der Betroffenen lässt sich nicht sicher bestimmen.
00:32:01: Frühere Berichte sprechen von Dutzenden Spätere Darstellungen steigern diese Zahl auf Hunderte.
00:32:08: Ähnlich fällt es sich mit den Todeszahlen.
00:32:11: Die oft zitierte Angabe von bis zu fünfzehn Todesfällen pro Tag ist Teil einer späteren Erzähltradition und lässt sich aus den zeitnaheren Quellen nicht belegen.
00:32:22: Dort ist von Zusammenbrüchen die Rede, von möglichem Tod durch Erschöpfung aber ohne feste Zahlen.
00:32:29: auch die Dauer bleibt unscharf.
00:32:31: Es ist klar dass das Geschehen sich über mehrere Tage erstreckt und sich im Laufe des Sommers entwickelt.
00:32:38: Exakt.
00:32:39: Zeitangaben variieren jedoch je nachdem, welche Quelle man heranzieht und aus welcher Zeit sie stammt.
00:32:45: Was als mehrere Tage beginnt wird in späteren Darstellungen zu Wochen oder zu einem längeren andauernden Zustand ausgeweitet.
00:32:54: Ein ähnliches Problem zeigt sich beim Beginn.
00:32:57: Die Vorstellung einer einzelnen Frau als Ausgangspunkt gehört zur gängigen Erzählung ist aber in dieser Form nicht eindeutig in den frühesten Quellen verankert.
00:33:07: Der Name Frau Trofea taucht erst in späteren Überlieferungen auf.
00:33:12: Die ursprünglichen Berichte sprechen von einer Frau, ohne sie näher zu identifizieren.
00:33:18: Auch hier wird aus einer knappen Beobachtung im Laufe der Zeit eine konkrete Geschichte.
00:33:24: Damit entsteht ein Bild das aus zwei Ebenen besteht.
00:33:28: Auf der einen Seite steht ein reales Ereignis dass in mehreren Quellen belegt ist Menschen tanzen, die statt reagiert.
00:33:36: Das Geschehen breitet sich aus.
00:33:38: Auf der anderen Seite steht die Art wie dieses Ereignis erzählt wird.
00:33:43: Zahlen werden ergänzt Abläufe konkretisiert Figuren benannt.
00:33:49: Diese zweite Ebene macht die Geschichte greifbarer aber sie entfernt sich gleichzeitig von dem was sich sicher belegen lässt.
00:33:57: Was bleibt ist kein vollständiges Bild sondern ein Rahmen mit klaren Konturen und offenen Stellen.
00:34:04: Das Ereignis ist real.
00:34:06: Die Geschichte, die daraus geworden ist, ist es nur teilweise.
00:34:12: Aus dem was sich in den Quellen nur knapp andeutet entsteht im Laufe der Zeit eine Geschichte, wie sehr viel klarer wirkt als sie es ursprünglich war.
00:34:21: Die Tanzwut von Straßburg wird zu einem Bild das sich leicht erzählen lässt.
00:34:27: Tanzen bis zum Tod ist die Formel, die da raus wird.
00:34:31: Sie ist eingängig verständlich und sofort greifbar.
00:34:35: In dieser Form wird das Ereignis auch visuell.
00:34:38: Man sieht eine Straße, Körper in Bewegung, verschwitzte Gesichter Menschen die kaum noch stehen können und sich trotzdem weiter bewegen.
00:34:48: Vielleicht hört man schreihe hektische Stimmen oder das rhythmische Auftreten von Schuhen auf Stein.
00:34:54: Es braucht keine komplizierte Erklärungen weil das Bild für sich funktioniert.
00:34:59: Gerade darin liegt seine Stärke.
00:35:02: Es ist extrem, es ist körperlich und es widerspricht allem was man als kontrolliertes Verhalten kennt.
00:35:09: Diese Zuspitzung folgt einer klaren Logik Komplexe Ereignisse werden reduziert Unsicherheiten verschwinden Zahlen werden präziser als sie es ursprünglich waren.
00:35:20: Aus Dutzenden werden Hunderte aus möglichen Todesfällen werden Feste angaben.
00:35:26: Die Geschichte gewinnt an Schärfe verliert aber ein Differenz.
00:35:31: Sie wird erzählbar weil sie eindeutig wirkt.
00:35:34: Wenn man sich dem einmal hingibt, funktioniert es sofort!
00:35:38: Eine Stadt?
00:35:39: Ein Sommer ein Zustand der sich ausbreitet als würde er eine eigene Kraft entwickeln.
00:35:45: Körper die sich bewegen als gehörten sie nicht mehr ganz zu denen die sie tragen.
00:35:51: Der Gedanke liegt nahe dass ihr etwas von außen wirkt Etwas das ich nicht kontrollieren lässt und was von Mensch zu Mensch übergeht.
00:35:59: Genau an dieser Stelle muss man wieder einen Schritt zurückgehen Denn das, was diese Geschichte so wirkungsvoll macht ist nicht das, dass sich sicher belegen lässt.
00:36:09: Die Quellen liefern kein geschlossenes Narrativ sondern einzelne Beobachtungen.
00:36:15: Erst in den späteren Erzählungen wird daraus eine zusammenhängende Geschichte mit klaren Bildern und festen Aussagen.
00:36:23: Die Legende funktioniert, weil sich das Unklare beseitigt.
00:36:27: sie ersetzt offene Stellen durch Gewissheit und macht aus einem schweren greifbaren Ereignis Eine klare Erzählung.
00:36:35: Das Ergebnis ist ein Bild, das sich einprägt – auch dann wenn es die historischen Details nur noch teilweise abbildet?
00:36:44: Am Ende bleibt weniger eine einzelne Erklärung als ein Muster, dass sich durch verschiedene Zeiten und Orte zieht.
00:36:51: Das was in Straßburg geschieht wirkt zunächst einzigartig!
00:36:55: Eine Stadt, einen Sommer Menschen, die tanzen nicht mehr aufhören können.
00:37:00: Doch ähnliche Berichte finden sich bereits früher.
00:37:04: Schon hier wird entlang des Rheins unter anderem in Aachen und Köln von Gruppen berichtet, die plötzlich zu Tanzen beginnen und sich über längere Zeiträume hinweg erschöpfen.
00:37:16: In der Forschung setzt sich für solche Erscheinungen später der Begriff Kuriumanii durch – von Griechisch Korea für Tanz- und Mania für Zustand oder Raserei.
00:37:27: Gemeint ist damit kein einzelnes Krankheitsbild, sondern eine Reihe von Berichten die über Jahrhunderte hinweg ähnliche Verhaltensmuster festhalten.
00:37:37: Straßburg-Fünfzehnundachzehn ist nicht der einzige Fall aber der am besten dokumentierte und am häufigsten erzählte.
00:37:45: gerade deshalb bleibt das Ergebnis bis heute so präsent.
00:37:50: in straßburg wird sichtbar was passiert wenn Kontrolle über den eigenen Körper verloren geht.
00:37:56: Menschen bewegen sich weiter, obwohl der Körper erschöpft ist, obwohl die Umgebung reagiert und obwohl Maßnahmen ergriffen werden.
00:38:05: Dieser Kontrollverlust ist kein abstrakter Gedanke sondern etwas das im öffentlichen Raum sichtbar wird.
00:38:12: Damit verbindet sich ein zweiter Punkt Verhalten bleibt nicht isoliert.
00:38:16: Es entsteht nicht nur in einem einzelnen Körper sondern kann sich in einer Gruppe ausbreiten.
00:38:22: Die Beispiele aus Straßburg und aus anderen Zeiten zeigen, dass Menschen nicht unabhängig voneinander reagieren.
00:38:29: Wahrnehmung, Erwartungen und Umgebungen spielen eine Rolle – ein Verhalten das einmal sichtbar wird kann sich wiederholen und verstärken ohne dass es dafür eine bewusste Entscheidung gibt.
00:38:42: Zwischen diesen beiden Ebenen verläuft eine Grenze die sich nicht klar ziehen lässt.
00:38:47: Der Körper reagiert, aber diese Reaktion steht nicht losgelöst von der Züche oder vom sozialen Umfeld.
00:38:55: Das was als körperliches Symptom erscheint ist eingebettet in eine Situation die von Unsicherheit Druck und Deutung geprägt ist.
00:39:04: In Straßburg treffen diese Faktoren aufeinander und machen ein Verhalten sichtbar dass sich weder vollständig medizinisch noch vollständlich religiös erklären lässt.
00:39:14: Vielleicht beschäftigt uns das Ereignis genau deshalb bis heute.
00:39:18: Es lässt sich nicht auf eine einzige Ursache reduzieren, es bleibt ein Beispiel dafür wie komplex menschliches Verhalten wird wenn mehrere Ebenen gleichzeitig wirken.
00:39:29: Die Geschichte ist deshalb nicht nur ein Episode der frühen Neuzeit sondern ein Hinweis darauf die Menschen auf Belastung reagieren können.
00:39:43: Sie folgt Mustern, die sich aus Körper, Wahrnehmung und Umgebung zusammensetzen.
00:39:48: Vielleicht bleibt Straßburg deshalb bis heute so schwer greifbar?
00:39:52: Weil die Bewegung irgendwann endet!
00:39:54: Die Frage nach ihrem Ursprung aber nie ganz verschwindet.
00:40:04: Also wie ich das jetzt verstanden habe in der Geschichte... Ehrlich gesagt bin ich mir noch nicht ganz einig ob es wirklich ein körperliches Phänomen gewesen sein soll.
00:40:12: Wer weiß denn, Veranstaltungen, wie zum Beispiel eine Art Protest im Flash-Mob.
00:40:21: Und die haben das nur nicht in die Überlieferung genommen, weil es einen politischen Hintergrund hatte.
00:40:26: Das ist ja ein Verschwörungstheorien, ehrlich gesagt!
00:40:30: Aber es ergibt doch keinen Sinn.
00:40:31: Also warum beschreibt man's als Tanzen?
00:40:34: Also wird's was an mehren Zappeln oder Hacken oder was wirklich tanzen so?
00:40:40: Wir können wohl hier so'n mittelalterlichem Stadt, irgendwie so jemand an dir vorbei moonwalkt und stuffet.
00:40:48: Machen wir dann mal die Verschwörung auf.
00:40:50: Also es ist natürlich eindeutig, dass das die Metal-Szene war damals.
00:40:55: Ich dachte, wenn wir jetzt hier einfach random in der Stadt rum moschen, muss die Stadt ja irgendwann eingreifen.
00:41:01: Deswegen dann ein Strassebuch wie du gesagt hast, irgendwas im Festival organisiert und sagt so okay hier pass auf diesen Bands!
00:41:09: Und da ist der Moschspit.
00:41:11: Da könnt ihr jetzt tanzen bis ihr fertig seid.
00:41:13: Dann haben sie einfach so richtig hart abgeraft und abgemettelt oder was auch immer... Und so, wo ist Rock am Ring entstanden?
00:41:19: Oder was auch spannend wäre.
00:41:20: Vielleicht ist das auch ein Fall von ... zum Beispiel, ich glaub, Kokain war ja früher auch als medizinisches Mittel für Hausfrauen auch irgendwie n Ding.
00:41:31: War es Kokain oder...
00:41:32: Na Cola war das noch
00:41:33: mit drin, ne?
00:41:33: Ja aber es gab auch irgendwie, dass hieß irgendwas mit Hausfrauenshauber oder so.
00:41:39: Also weiß nicht mehr vielleicht aus der Heroin auf jeden Fall irgendeine starke Droge.
00:41:43: Ja, vielleicht war's irgendwie auch sowas.
00:41:44: Irgendwas an irgendeiner Tablette gelutscht, und dann wurde es halt irgendwie nicht in Zusammenhang gesetzt.
00:41:50: Alle hatten vom Schlafengehen noch mal ein Glas Cola und sind dann so ... Zuckerschock!
00:41:56: Oder
00:41:57: Centerschocks?
00:41:59: Wer weiß... Also klingt für mich alles bloßibler als dass es wirklich eine Krankheit gibt der uns zum Tanzen bringt.
00:42:06: Ja also ich glaube das ist einfach nur, damit man's bildlich hat, dass wir uns tanzen, denn die haben wahrscheinlich wirklich einfach nur bisschen ... Gezappelt, das hat natürlich niemand gesehen.
00:42:17: Ihr könnt euch vorstellen...
00:42:19: Aber warum sollten die dann auch wieder zurück zu diesem Platz kommen?
00:42:22: Das verstehe ich nicht.
00:42:24: Irgendwann geht Frau Trofea da hin und so jetzt.
00:42:29: Abends ist ihr erschöpft in der Hause und morgen geht sie wieder hin und fängt an.
00:42:32: Und irgendwann machen die Leute... Also es kann doch nicht anstecken sein, wenn sie denken was macht sie
00:42:37: da?!
00:42:38: Ich probiere das jetzt auch mal aus!
00:42:41: Ist es so geil dass Sie mich
00:42:42: überhaupt nicht haben können?
00:42:44: voll cool und ich versteh' auch nicht.
00:42:47: Ich find das auch stärker, dass du dieses Geräusch verwendest um den Tanz darzustellen weil die Zuhörer endlich ja nicht sehen.
00:42:54: Nein, ich meine, wer kennt doch diese aufplastbaren Wackelmännchen wie diesen Ärmen?
00:42:58: Diese gebraucht wagen Leben immer stehen.
00:43:01: Also diese... Wie heißen die denn?
00:43:03: Wackelamm-Lasfiguren?
00:43:08: Ich kann bei Instagram zwei Leute ein Bild davon mit reinstellen.
00:43:14: Ja, so stehen wir irgendwie vor.
00:43:15: Das hat einfach wackelt und ja oder ist halt doch ... wenn die Medizin nicht so fit waren?
00:43:22: Ich war dann zu der Zeit irgendwas im Trinkwasser was ich das drin juckt, dass du dich nicht kratzen kannst.
00:43:29: Deswegen versuchst du dich halt zu schütteln, dass vielleicht deine Niere ein bisschen herschwingt und da kratzt wo es innen juckt.
00:43:38: Ich weiß nicht.
00:43:38: also wahrscheinlich bewegt sich gar nix in einem außer Mageninhalt.
00:43:42: Ich hab noch nie in einen Menschen reingeguckt, doch habe ich.
00:43:46: Das lass ich jetzt einfach stehen!
00:43:47: In deinen Körperwelten... Da sieht man ja ungefähr wie man von ihnen, also nicht nur ungefähr.
00:43:54: Man sieht jetzt ziemlich exakt wie man plastiniert aussieht.
00:43:59: Das ist wahrscheinlich gar nicht so viel Platz, dass man sich da irgendeines Dach kratzt.
00:44:03: Kann das aber im Sinne des irgendwas Indy-Dirren anfängt zu kratzen?
00:44:07: Ich hoffe nicht, weil es wäre glaube ich das Schlimmste was passieren kann.
00:44:10: Juckt in deinem
00:44:12: Magen?
00:44:12: Ja, im Magen juckt das jetzt.
00:44:14: Also dann kannst du ja vielleicht durchdrinken oder sowas.
00:44:17: nehmen wir mal... Nehmen wir doch mal deinen Blinddarm kratzt oder so was weil man Masken darf.
00:44:22: Die Bildungsauftragte.
00:44:26: Wir können ja nicht hier fässer aufmachen und dann nicht erklären kann es innen kratzen.
00:44:33: Es gibt Yukreis bei Leber- und Geilengangserkrankungen aber wo juckt's dann?
00:44:39: Wie kratzt du denn deinen Leber im Bierchen?
00:44:46: Oder durch Tänzen.
00:44:48: Ich glaube, hier steht nicht unbedingt das in der Leberjuke.
00:44:52: Jukreiz ist die Lokalisation insbesondere an den Hand-Innenflächen und Fußohlen.
00:44:57: Ja mein Gott!
00:44:58: Das heißt so wie wenn jetzt irgendwie hast Krankheit F und deswegen grüner Augen oder sowas.
00:45:06: Und es dann halt jukreitz durch eine Leberkrankheit
00:45:08: kommen könnte.
00:45:14: Was hilft bei Juckreis im Magen?
00:45:17: Ein guter Snack!
00:45:39: Zweitens.
00:45:40: Die aufzitierte Zahl von bis zu fünfzehn Toten pro Tag bei der Tanzwut ist historisch nicht belegt.
00:45:47: Sie stammt aus späteren Überlieferungen und hat das Bild des Ereignisses stark geprägt.
00:45:53: Zeitnahquellen sprechen von Erschöpfung und Zusammenbrüchen, nennen aber keine festen Zahlen.
00:46:00: Drittens – Der Strasburger Stadtrat ließ Musiker engagieren um die Tanzwute zu behandeln.
00:46:06: Nach damaliger medizinischer Vorstellung sollte Bewegung ein Ungleichgewicht im Körper ausgleichen.
00:46:12: Die Maßnahme stabilisierte das Geschehen jedoch nicht.
00:46:15: Viertens, später werden Betroffene zu einem Schrein des heiligen Vitus gebracht um sie zu heilen.
00:46:22: Mit diesem Schritt wechselt die Deutung von einer medizinischen zu einer religiösen Erklärung.
00:46:28: Der sogenannte Fightstanz war bereits als Krankheitsbild bekannt.
00:46:32: Fünftens Straßburg-Fünftelhundertachzehn ist nicht der einzige Fall dieser Art.
00:46:37: Bereits thirteenhundertvierundsiebzig berichten Kroniken entlang des Rheins von Menschen, die plötzlich zu Tanzen beginnen und nicht mehr aufhören.
00:46:45: Straßbourg wird später nur der bekannteste Fall einer ganzen Reihe solcher Ereignisse.
00:47:04: sondern verliert sich allmählich aus dem Blick.
00:47:07: Zurück bleibt keine klare Erklärung, sondern ein Rahmen von Beobachtungen, Deutungen und Lücken.
00:47:14: Menschen haben getanzt, die Stadt hat reagiert – alles was daraus geworden ist wurde später erzählt, ergänzt und geordnet.
00:47:22: Was ich in diesem Sommer gezeigt habe, ist nicht vollständig greifbar aber es ist auch nicht verschwunden.
00:47:29: Es bleibt als Bild und als Hinweis darauf, wie wenig selbstverständlich die Kontrolle über den eigenen Körper manchmal ist.
00:47:38: Das war Radio Obscura!
00:47:41: Wenn euch diese Folge gefallen hat dann bleibt auf Frequenz.
00:47:44: folgt uns und lasst gerne eine Bewertung da.
00:47:46: Wir
00:47:47: hören uns bis dahin.
00:47:48: Bleibt im Strasburger Night Fever
00:47:51: Bleibt bei Euch
00:47:52: Bleibt in Dunkeln
00:47:53: Und Radio aus.
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