#033: Festivals Gone Wrong Pt. I - Wenn die Menge kippt

Shownotes

🎧 Worum geht’s in dieser Folge?

Festival bedeutet für viele Menschen Freiheit, Musik und Ausnahmezustand. Doch manchmal wird genau diese Euphorie gefährlich.

In der ersten Folge unseres Festival-Specials sprechen wir über zwei der bekanntesten Festival-Katastrophen der letzten Jahrzehnte: Roskilde 2000 und Astroworld 2021.

Radio Obscura betrachtet die Ereignisse, spricht über Crowd Crushes und Sicherheitskonzepte. Warum können große Menschenmengen plötzlich lebensgefährlich werden?

Kapitel

(00:00) Opening: Die Welle (01:08) Intro & Begrüßung (09:13) Ausnahmezustand Festival (12:07) Roskilde vor der Katastrophe (17:00) Vor der Orange Stage (19:39) Das Konzert läuft weiter (22:32) Danach (24:43) Was bei Roskilde sichtbar wird (27:37) Zwischentalk (33:04) Travis Scott und die Ästhetik der Eskalation (39:07) Die Stimmung kippt (41:51) "There’s an ambulance in the crowd" (46:45) Die Nacht geht online (51:58) snacks.fm (54:40) Zwei Festivals, dieselbe Gefahr

📚 Quellen & Literatur

• ABC13 Houston (Hg.): Concertgoer says his perspective on ‘rage culture’ has changed following Astroworld Festival, Houston 2021. • Andersen, Morten (Hg.): Roskilde Festival. Through the Years, Roskilde 2005. • Berlingske Tidende (Hg.): Berichterstattung zum Roskilde Festival 2000, Kopenhagen 2000. • Berlonghi, Alexander E. (Hg.): Understanding and Planning for Different Spectator Crowds, Ventura 1995. • Burning Man Project (Hg.): The 10 Principles, San Francisco o. J. • Business Insider (Hg.): Travis Scott pleaded guilty to charges in a 2015 incident at Lollapalooza and a 2017 concert in Arkansas, New York 2021. • CNN (Hg.): Astroworld concertgoers describe crowd surge and panic, Atlanta 2021. • CNN (Hg.): Security staff describe chaotic conditions before Astroworld crowd surge, Atlanta 2021. • FOX 7 Austin (Hg.): ‘We want rage’: 2015 video shows Travis Scott hyping crowd at Lollapalooza, Austin 2021. • Friedman, Jonathan (Hg.): Consuming Music Together. Social and Cultural Dynamics of Live Experience, New York 2013. • Getz, Donald (Hg.): Event Studies. Theory, Research and Policy for Planned Events, London 2012. • GQ (Hg.): Travis Scott on the Show that’s So Crazy, It Caused a Riot, New York 2017. • Helbing, Dirk (Hg.): Crowd Turbulence and Crowd Disasters, Berlin 2006. • Helbing, Dirk / Johansson, Anders / Al-Abideen, Habib Zein (Hg.): Dynamics of Crowd Disasters. An Empirical Study, in: Physical Review E, 2007. • Kaspersen, Line / Roskilde Festival Archive (Hg.): Roskilde Festival History, Roskilde 2010. • Makower, Joel (Hg.): Woodstock. The Oral History, New York 1989. • National Center for Spectator Sports Safety and Security (Hg.): Crowd Management and Venue Safety, Mississippi 2013. • NBC News (Hg.): Astroworld attendees describe failed attempts to stop concert, New York 2021. • New York Times (Hg.): Astroworld Videos Put Focus on What Travis Scott Could See, New York 2021. • Pitchfork (Hg.): Travis Scott Honored in Houston With “Astroworld Day”, New York 2018. • Politiken (Hg.): Berichterstattung zum Roskilde Festival 2000, Kopenhagen 2000. • Reicher, Stephen (Hg.): The Psychology of Crowd Dynamics, Oxford 2001. • Roskilde Festival Archive (Hg.): Festival History and Infrastructure Development, Roskilde o. J. • Roskilde Festival Archive (Hg.): Orange Stage History, Roskilde o. J. • Seattle Times (Hg.): Coverage of the Roskilde Festival Tragedy, Seattle 2000. • Turner, Victor (Hg.): From Ritual to Theatre. The Human Seriousness of Play, New York 1982

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🎙️ Hosts: Svea & Tim

Transkript anzeigen

00:00:03: Ein dumpfer Bass rollt über ein Feld aus Menschen.

00:00:06: Tausende Körper bewegen sich gleichzeitig nach vorne, als hätte jemand an der Menge gezogen.

00:00:11: Hände gehen hoch, irgendwo fliegt ein Schuh durch die Luft, Bierbecher kippen um, jemand schreit vor Euphorie.

00:00:17: Für einen Moment fühlt es sich genauso an wie Festivals sich anfühlen sollen – laut, chaotisch grenzenlos!

00:00:25: Dann fällt vorne jemand hin und niemand merkt es.

00:00:32: Menschen drücken nach, andere versuchen zurückzukommen aber es gibt keinen Platz mehr dafür.

00:00:37: Aus Bewegungen wird Druck, aus einer Menge wird Gewicht.

00:00:41: Zwanzig Jahre voneinander entfernt passieren auf zwei Festivals Dinge die sich erschreckend ähnlich anfühlen.

00:00:48: Aus Kilde – zweitausend Astro World – zwanzig einundzwanzig Zwei vollkommen unterschiedliche Welten.

00:00:55: und trotzdem beginnt beides gleich Mit Musik, mit Euphorie und einer Menschenmenge die irgendwann zu groß wird.

00:01:03: Willkommen bei Radio Obscura!

00:01:36: Schön dass ihr eingeschaltet habt beim Podcast über Creatures, Crime & Mystery.

00:01:43: Warum lachst du jetzt?

00:01:45: Wir erzählen von Ravioli, Zelten und Dixie-Close mal real, mal unerklärlich

00:01:52: vom Ring bis zum Park, von Wacken bis zur Fusion.

00:01:55: Wir fragen, was passiert ist und was davon bleibt?

00:01:58: Ich bin voll.

00:01:59: Tim!

00:02:02: Und ich find's weh.

00:02:03: Heute starten wir mit den Festival-Sommer... ...zweitausendsechsundzwanzig.

00:02:07: Jaaa!

00:02:09: Das könnte genau wie schnell genug darauf reagieren.

00:02:16: Ja, wir haben uns natürlich zur Eröffnung der Festival-Season Dosenbier gekauft.

00:02:24: Das Dosenbeer jeder weiß, welches gemeint ist.

00:02:27: Brust.

00:02:29: Ja, diese Woche beginnt die Festival-Season unter anderem mit Rock am Ring.

00:02:32: Am Wochenende also falls ihr hinfahrt viel Spaß und hört uns gerne auf dem Weg.

00:02:38: und wenn ihr nicht selber ins Steuer greift sondern Beifahrer innen seid schaut gerne mal bei Radio Obskura Podcast alles Kleine zusammen bei Instagram vorbei.

00:02:46: da haben wir natürlich auch zur heutigen Folge wieder Bildmaterial zusammengestellt.

00:02:51: oder auf unserer neuen mini Homepage radioobscurakleinungsamgeschrieben.de.

00:02:58: Da könnt ihr ohne Instagram Account auch die Bilder anschauen oder auch die Folgen hören.

00:03:03: Aber die Info ist nutzlos, weil ja die Folge gerade eh schon hört!

00:03:08: So... Ja wir haben einen Spechel wie ihr schon hört.

00:03:13: Die nächsten vier Wochen nehmen wir euch mit auf Festivals, die nicht ganz so gut verliefen wie die, die ihr hoffentlich besucht.

00:03:21: in diesem Sommer Haben wir mehrere mitgebracht und ein buntes Potpourri an großen und kleinen Geschichten von Festivals.

00:03:32: Gibt es in Swerntown eigentlich Festivals?

00:03:35: Ich meine, also wir sind ja hier im Ruhrgebiet wie wir schon öfter mal erwähnt haben und da gibt's jetzt zum Beispiel neben so klassischen Festivals auch so einen Wochenende auch einmal Eintagesfestivals.

00:03:46: Da gehe ich ja ganz gerne immer hin oder waren mir auch schonmal zusammen.

00:03:49: Ich habe gerade ein Festival-Shirt anmerkt gerade von einem Festival aus Essen.

00:03:55: Aber wir haben natürlich dann auch mit Essen Original, Bochum Totalen und ich glaube Sommer am U in Dortmund.

00:04:02: Auch so große kostenlose Fest.

00:04:04: Ich glaube Bochrum total ist sogar das größte kostenlosen Musikfestival in Europa, wenn ich das richtig im Kopf habe.

00:04:10: Also wir sind ja fast schon verwöhnt... aber wie sieht es ins Werton aus?

00:04:14: Gibt's da auch ein kleines Stadtfest mit Musik nur halt ohne Zelten wahrscheinlich?

00:04:20: Das ist eine gemeine Frage irgendwie.

00:04:22: Ich brauch's nicht erwähnen, das wissen alle.

00:04:26: Dass ich auf dem Dorf groß geworden bin.

00:04:28: Es gibt ein Wanderfestival könnte man so sagen?

00:04:31: Nein es ist eine mehrtägige Wanderveranstaltung.

00:04:35: Schützenfest zählt das?

00:04:36: Ich weiß es nicht!

00:04:37: Das glaube ich, dass das Einzige was richtig nah an Festivals kommt oder Dorfkirmes...

00:04:42: Aber es hat auch nix in der Nähe wenn man da so viel Dorffläche hat.

00:04:46: Wacken ist ja glaub ich auch nur ein kleines Dorf wo zufällig viel wacker war.

00:04:51: Habt ihr was in der nähe?

00:04:54: Nö, im Ruhrgebiet halt.

00:04:56: Aber sonst eigentlich ... nö, nicht das ich möchte.

00:05:01: Aber du hast ja schon vor zwei Wochen bei Tanzwut erzählt, dass du auf der Fusion gerne tanzt?

00:05:07: Weißt du noch was dein erstes Festival war und was war dein schlimmstes Festival oder deine schlimmste oder lustigste oder deine absurdeste Festivalerfahrung?

00:05:15: Das ist auch voll die gemeine Frage!

00:05:18: Ich war bis jetzt nur auf der fusion.

00:05:22: Das war mein einziges richtiges Festival, wenn man es jetzt fernab von jetzt.

00:05:25: Wie Buchen Total oder sowas.

00:05:29: Aber passt eigentlich gut weil das würde ich als die erste und beste und gleichzeitig auch schlimmste Festival-Erfahrung zählen.

00:05:37: Es gab Momente wo ich das so genießen konnte.

00:05:40: überall Lichttanz Musik Workshop Frauen auf riesigen Kanonen war das so Wackelstangen Und haben so Feiertanz gemacht war super.

00:05:50: Aber gleichzeitig so, wenn man dann in den späten Abendstunden, frühen Morgenstunden ... Wenn's dann schon hell wird auf manchen Floors unterwegs ist das schon eher ein bisschen walking dead-mäßig.

00:06:02: Also da gab es schon eins oder zwei Momente wo ich gerne meine Mama angerufen hatte und gesagt hätte, um mich ab?

00:06:08: Ich hab Angst!

00:06:10: Doch aber war für sich ein Erlebnis der Gefühle.

00:06:13: Ich glaub du kannst ein bisschen mehr erzählen von mehr Festivals.

00:06:17: Ja also bevor jetzt aus verschiedenen Jahren irgendwelche Geschichten hier rauskramen.

00:06:24: Ich erinnere mich an eine ganz besondere, das war mein erstes Festival auch.

00:06:28: Das Open Flare ... ... in Echwege damals.

00:06:33: oder war es dann das Jahr da drauf?

00:06:35: Ich bin mir nicht mehr sicher.

00:06:36: eines von beiden.

00:06:37: In den beiden Jahren waren das meine ersten Festivals auf jeden Fall zusammen also vier und fünf.

00:06:41: aber ich weiß nicht im welchen Jahr das passiert ist weil ich war als Pressefuzi sozusagen Einer der Sponsoren, unbezahlte Werbung.

00:06:52: Das Festival war damals Billy Boy die Kondom-Marke.

00:06:55: D.h.,

00:06:56: dieser Backstage-Pass ... Ich hatte diesen Benchen dran.

00:06:59: Ich hatte einen Billy-Boy-Benchen um den Hals, wo dann der Ausweis hing und ich hatte damals ein Bella B Pullover.

00:07:05: Da hat er seine beiden Drumsticks Sexipunk und Pornoboy getauft.

00:07:10: Und hatte dann Police oder Sexipank draufstand.

00:07:14: Und ich hatte diesen Pornoby-Pulli an mit diesem Billy Boy in den Zentrum.

00:07:18: Und habe dann abends, als die Dunerts hinten waren im Backstage.

00:07:21: Die haben sich mit TS Ulmann unterhalten und ich war Riesen-TS Ulmann-Fan, wollte ihm unbedingt kennenlernen.

00:07:26: Unterstanden also zwei Leute rum.

00:07:27: Ich hab sie gefragt ob das okay ist wenn ich den TS Ulman bei den Dunertz weghole?

00:07:32: Wenn man ihn kennenlern möchte... Ich war sehr jung!

00:07:36: Das sind seine Nachbarn aus Hamburg gewesen, die mit den Rodys von den Dunarts unterwegs waren.

00:07:41: Dann gab es ein wunderschönes Foto und damals gab's ja doch nicht so diese Smartphones mit geilen Fotos, sondern wirklich der Foto beratet mit Blitz.

00:07:48: Und dann dann vorstellt es das einen TS Ulmann nach seinem Konzert ich nach irgendwie zwei Tagen Festival beide mit so Billy Boy-Benchen um nachts Pornoboy auf dem Pulli und dann eben so durch nächtig geblitzt werden nachts.

00:08:02: dieses Foto ist eines der beschissensten Fotos von mir aber auch eines meiner liebsten, was mit TS Ulman ist!

00:08:08: Am nächsten Tag durfte ich nicht in den Backstage rein, da hatte ich ein Interview mit Silbermont gehabt Und der Sicherheitsmann, der die Pässe kontrolliert hat, meinte nur mit dem Pulli kann ich nicht rein.

00:08:21: Das wirkt belästigend auf die Künstlerinnen und Künstlern, ob ich dann noch ein Shirt dabei habe?

00:08:28: Wie ist der Zufall so wollte?

00:08:29: Ich hatte einen Kollegen auf einem Festival, den hab' ich da erst kennengelernt aber er brauchte ein weißes Tieche oder überhaupt ein Tieche.

00:08:35: Ich hab ihn eins gegeben, das war zufällig weiß.

00:08:38: Es hat geregnet an dem Tag.

00:08:39: Erst mal wiedergegeben, es ist mir in die Matchfütze gefallen... ...und ich hab's ja dann so in die Bauchtasche gesteckt Ich hab ja so ein T-Shirt vor der Matsch.

00:08:46: Dann zieh das drüber, dann kannst du rein!

00:08:48: Und so saß ich beim Interview mit Silver Mound völlig zermatscht, die mich auch erst mal ausgelacht haben und nur sagten... So wenn ich was aber auch Spaß gehabt habe, so ne, ich darf euch nicht belästigen, hab wieder meinen Pulli gezeigt.

00:09:01: ...und dann hatte ich mein ersten Kuss.

00:09:07: Nein, also der Kuss ist nicht passiert, aber...

00:09:11: In der Erinnerung?

00:09:14: Es gibt Dinge, die außerhalb eines Festivals komplett absurd wirken würden.

00:09:19: Freiwillig tagelang im Regenschlaf und zum Beispiel Bier zum Frühstück trinken kalte Dosenravioli essen Nachts um vier mit fremden Menschen über Musik diskutieren und irgendwann völlig selbstverständlich in einem Campingstuhl sitzen der ursprünglich definitiv jemand anderem gehört hat.

00:09:36: Und trotzdem fahren jedes Jahr hunderttausende Menschen genau deswegen auf Festivals.

00:09:42: Für ein paar Tage funktioniert der Alltag plötzlich anders.

00:09:46: Zeit verschwimmt, Schlaf wird optional und irgendwann interessiert es niemanden mehr ob man seit acht Stunden nass ist oder seit zwei Tagen dieselbe Rose trägt.

00:09:56: Die Idee dahinter ist allerdings deutlich älter als moderne Rockfestivals.

00:10:01: Schon in der Antike ziehen große religiöse Feiern und öffentliche Spiele Menschenmeng an später Jahrmerkte- und Volksfeste.

00:10:09: Die moderne Festivalkultur entsteht dann vor allem in den Sechziger- und Siebzigerjahren.

00:10:14: Monterey Pop, nineteenundsechzig gilt als eines der ersten großen modernen Rockfestivals.

00:10:21: Woodstock wird zwei Jahre später endgültig zu Mythos – eigentlich rechnen die Veranstalter damals mit ungefähr fünfzigtausend Menschen!

00:10:29: Am Ende stehen wahrscheinlich mehr als vierhunderttausende Besucherinnen auf einer Farm im West-Bundesstaat New York.

00:10:36: Straßen brechen zusammen, Zäune verlieren innerhalb weniger Stunden jede Funktion und das Gelände verwandelt sich praktisch in eine improvisierte Kleinstadt.

00:10:47: Viele Dinge die wir heute automatisch mit Festivals verbinden werden dort endgültig sichtbar riesige Campingflächen mehrere Tage Ausnahmezustand massen vor Bühnen improvisierte Infrastruktur aber eben auch die Erkenntnis wie schnell Organisation scheitern kann wenn plötzlich hunderttausende Menschen gleichzeitig denselben Ort nutzen.

00:11:09: Seitdem wurden Festivals immer größer und professioneller.

00:11:13: Allein große deutsche Festivals wie Rock am Ring oder Wacken liegen inzwischen bei rund achtzigtausend bis neunzig tausend Besucherinnen und Besuchern.

00:11:22: Damit entstehen für ein Wochenende temporäre Städte mit eigener medizinischer Versorgung, Sicherheitskonzepten, Strom-, Wasser- und Verkehrsplanungen Und deshalb beschäftigen sich Veranstalter, Sicherheitsbehörden und Forschung seit Jahren intensiv mit Crowd-Management.

00:11:39: Denn ab einer bestimmten Größe entstehen plötzlich Probleme die man bei kleineren Konzerten kaum bemerkt.

00:11:45: Druck breitet sich durch eine Menge weiter aus Bewegungen werden unkontrollierbarer und einzelne Menschen verlieren immer mehr Einfluss darauf wohin sie eigentlich noch bewegen können.

00:11:55: Das Problem dabei ist Man merkt oft erst zu spät wenn dieser Punkt erreicht ist.

00:12:10: Der Sommer zweitausend in Roskilde sieht erst einmal nach einem völlig normalen Festival aus.

00:12:15: Regen, Schlamm, volle Campingflächen, Menschen mit Bier in der Hand und zehntausende Besucherinnen und Besucher die seit Tagen zwischen Bühnen, Zelten und Essensständen unterwegs sind.

00:12:26: Überall läuft Musik, irgendwo trägt jemand ein paar Videos durch den Match und wahrscheinlich diskutieren schon morgens um zehn zwei komplett fremde darüber welche Band am Abend alles zerstören wird.

00:12:36: Das Entscheidende daran ist niemand auf dem Gelände hat an diesem Abend das Gefühl Teil einer Katastrophe zu werden.

00:12:43: Roskilde gilt damals längst als Institution.

00:12:46: Das Festival existiert seit den frühen siebziger Jahren und wächst über Jahrzehnte zu einem der wichtigsten Musikfestivals Europas.

00:12:54: Ende der Neunzigerjahre kommen jedes Jahr Zehntausende Menschen nach Dänemark.

00:12:59: Die Orange Stage wird zum ikonischen Mittelpunkt des Geländes.

00:13:02: In neunzehnundsiebzig kaufen die Organisatoren die markante orangefarbene Bühne vom britischen Unternehmen Revelation Staging.

00:13:10: Die Bühnen war zuvor für die Rolling Stones gebaut worden und mit ihnen auf Tour, bevor sie nach Roskilde kamen.

00:13:17: Mit ihren auffälligen Bögen wird die Orange Stage später zum bekanntesten Symbol des gesamten Festivals.

00:13:24: Im Jahr zweitausend besuchen ungefähr neunzigtausend Menschen das Festival, obwohl die Veranstalter die Besucherzahlen in den Jahren zuvor bereits bewusst begrenzen und teilweise sogar reduzieren.

00:13:35: In den frühen neunziger Jahren wächst Roskilde zeitweise auf rund hundertundzwanzigtausende Menschen an wenn man neben Ticket-Enhabern auch freiwillige Helfer Medien und Künstler mitzählt.

00:13:46: Das Gelände stößt aber zunehmend an seine Grenzen.

00:13:49: Campingflächen werden erweitert, neue Bereiche entstehen westlich der Bahnstrecke Roskilde-Nestvet und Mitte der Neunzigerjahre bekommt das Festival sogar einen eigenen temporären Bahnhaltepunkt um die Anreise der Besuche überhaupt noch bewältigen zu können.

00:14:03: Roskilda entwickelt in dieser Zeit fast eine eigene kleine Parallelwelt.

00:14:07: Seit deiner Jahrhunderts sind mit dem Roskilder Festival Radio sogar ein eigener temporärer Radiosender direkt vom Gelände.

00:14:15: Studierende berichten live vom Festival, sprechen über Wetter, Konzerte oder spontane Programmänderungen und organisieren gleichzeitig den inzwischen legendären Nacktlauf über das Gelände.

00:14:25: Ein völlig absurdes Rennen nackt der Festivalbesucher dass jedes Jahr mediale Aufmerksamkeit bekommt.

00:14:32: Gerade solche Details zeigen ziemlich gut was Roskilde damals bereits geworden ist.

00:14:37: Das Festival funktioniert längst wie eine kleine temporäre Stadt mit eigener Infrastruktur eigenen Ritualen und fast einer eigenen Kultur.

00:14:45: Proskilde ist zu diesem Zeitpunkt längst nicht mehr nur ein klassisches Rock-Festival.

00:14:49: Gerade in den neunziger Jahren verändert sich das Programm spürbar, elektronische Musik bekommt immer mehr Raum zunächst mit kleineren Clubformaten und später mit eigenen Bühnen und Chillout Bereichen auf dem Gelände.

00:15:01: Künstler wie The Brodigy, Fatboy Slim oder die Chemical Brothers stehen inzwischen selbstverständlich neben Rock und Metalbands im Programm.

00:15:09: Das Lineup des Jahres zweitausend wirkt deshalb wie ein ziemlich präziser Schnapschluss dieserzeit Iron Maiden, Oasis, The Cure, Nine Inch Nails, Queens of the Stone Age, Green Day, Pet Shop Boys und Pearl Jam.

00:15:23: Pearl Jam befinden sich damals an einem merkwürdigen Punkt in ihrer Karriere.

00:15:28: Anfang der neunziger Jahre gehören Pearl Jam zusammen mit Nirvana zu den größten Namen der Crunch-Bewegung.

00:15:33: Songs wie Alive, Jeremy oder Black laufen weltweit im Radio die Ben spielt riesige Hallen und Stadien.

00:15:41: Ende der neunsiger Jahre verändert sich die Musikszene allerdings spürbar.

00:15:45: Der massive Crunch Hype ebbt langsam ab, Kurt Cobain ist seit sechs Jahren tot und viele Bands dieser Zeit wirken plötzlich wie Gruppen die mit ihrer eigenen Größe kämpfen.

00:15:55: Pearl Jam versuchen bewusst sich diesem Mechanismus zu entziehen.

00:15:58: Die Band liefert sich öffentliche Konflikte mit Ticketmaster reduziert Interviews und zieht sich phasenweise aus klassischen Promotion Strukturen zurück.

00:16:06: Trotzdem bleiben ihre Konzerte riesige Ereignisse.

00:16:10: Das Publikum in Roskilde wartet an diesem Abend entsprechend nicht einfach nur auf irgendeinen Festival-Akt.

00:16:16: Für viele ist Pearl Jam einer der absoluten Höhepunkte des gesamten Wochenendes.

00:16:20: Gleichzeitig verschlechtert sich das Gelände zunehmend, in den Tagen zuvor regnet es immer wieder.

00:16:27: Der Boden vor der Orange Stage wird matschig und rutschig, Menschen verlieren leichter den Halt und die Bewegungen vor der Bühne werden unkontrollierter.

00:16:35: Noch wirkt dieser Abend wie ein normales großes Festival-Wochenende – laut?

00:16:39: nass, überfüllt aber nicht gefährlich.

00:16:43: Das Festival läuft weiter wie zuvor.

00:16:45: Menschen holen Bier sitzen vor Zelten laufen durch den Matsch oder drängen sich langsam Richtung Bühne.

00:16:51: Die Katastrophe beginnt nicht mit einem sichtbaren Ausnahmezustand.

00:16:54: Sie entsteht mitten in einem Abend der für die meisten Besucher vollkommen normal wirkt.

00:17:01: Am Abend des dreißigsten Juni zweitausend bewegt sich die Menge langsamer Richtung Orange Stage.

00:17:06: Pearl Jam sollen gegen Zweiundzwanzig Uhr spielen.

00:17:09: Für viele Besucherinnen und Besucher ist das einer der wichtigsten Auftritte des gesamten Festivals.

00:17:14: Die Bedingungen vor der Bühne sind zu diesem Zeitpunkt allerdings längst schwierig.

00:17:18: Es regnet seit Tagen immer wieder, der Boden ist aufgeweicht und rutschig.

00:17:22: Vor allem direkt vor der bühne verwandelt sich der Untergrund zunehmend in eine Mischung aus matsch- und festgetretenem Schlamm.

00:17:28: Dazu kommt ein Problem dass auf großen Festivals fast immer entsteht sobald ein besonders populäre Band spielt.

00:17:35: die Bewegungen in der Menge laufen nicht immer gleichmäßig.

00:17:38: Von hinten drängen immer mehr Menschen Richtung Bühne, vorne versuchen andere gleichzeitig ihre Position zu halten.

00:17:44: Einzelne Stolpern rutschen weg oder verlieren kurz das Gleichgewicht.

00:17:48: Noch wirkt das für viele wahrscheinlich nicht ungewöhnlich!

00:17:51: Wer regelmäßig auf Konzerte geht kennt enger – man kennt Druck von hinten, verschwitzte Menschen, Ellenbogen, Gedränge….

00:17:58: Aber irgendwann verändert sich die Situation wie ein schleichender Übergang.

00:18:03: Die Bewegungsfreiheit wird kleiner.

00:18:05: Menschen können ihre Arme kaum noch bewegen.

00:18:07: Schritte passieren nicht mehr freiwillig, sondern weil die Menge sie mitzieht.

00:18:11: Spätere Berichte von Besucherinnen und Besuchern ehlen sich an einem Punkt sehr deutlich.

00:18:16: Viele beschreiben das Gefühl, sich irgendwann nicht mehr eigenständig bewegen zu können.

00:18:20: Menschen geraten in so Rutschen verlieren als Gleichgewicht oder werden von den Bewegungen der Menge mitgezogen.

00:18:25: Gerade der aufgeweichte Boden vor der Bühne verschärft die Situation zusätzlich.

00:18:30: Mehrere Medienberichte und spätere Rekonstruktionen stellen dann außerdem, dass bereits vor dem eigentlichen Zusammenbruch Menschen im Schlamm stürzen und Schwierigkeiten haben wieder aufzustehen.

00:18:40: Gerade das wird bei Crowd Crushes häufig zum eigentlichen Wendepunkt – nicht die Panik aber der Kontrollverlust!

00:18:47: Wenn einzelne Personen fallen entsteht am Boden plötzlich ein Hindernis, das Menschen dahinter oft gar nicht sehen können.

00:18:53: Der Druck aus der Menge bleibt leichter dich bestehen.

00:18:56: Vor der Orange Stage verschlechtert sich die Lage deshalb.

00:18:58: schrittweise Menschen versuchen, über Absperrungen zu klettern oder Sicherheitskräfte auf die Situation aufmerksam zu machen.

00:19:05: Andere winken oder schreien Richtung Bühne.

00:19:07: Gleichzeitig läuft das Konzertgelände außerhalb des vorderen Bereichs zunächst weiter wie zuvor.

00:19:13: Viele Menschen weiter hinten bemerken offenbar noch gar nicht, wie kritisch die Situation von der Bühnen bereits geworden ist.

00:19:18: Von außen sieht ein Crowd-Crush oft nicht sofort wie eine Katastrophe aus.

00:19:23: Die Musik läuft weiter – Menschen bewegen sich noch!

00:19:25: Es gibt keinen einzelnen Moment in dem plötzlich alles eskaliert.

00:19:30: Während Pearl Jam die Bühne betreten, ist die Situation vor der Orange Stage bereits deutlich gefährlicher als viele Menschen in diesem Moment ahnen.

00:19:39: Gegen Zweiundzwanzig Uhr betreeten Pearl Jam diese Bühnen.

00:19:43: Zu diesem Zeitpunkt ist die Situation vor der Stage bereits instabil – trotzdem beginnt das Konzert zunächst wie unzählige andere Festivalshows davor auch.

00:19:52: Weiter hinten wird gesungen, gedrängt und gefeiert.

00:19:55: Menschen sitzen auf Schultern, Becher fliegen durch die Luft und irgendwo versucht wahrscheinlich noch jemand verzweifelt seine Freunde im Gedränge wiederzufinden!

00:20:03: Dreck vor der Bühne entwickelt sich der Abend längst in eine andere Richtung.

00:20:11: Der Boden ist rutschig, Menschen verdienen uns Gleichgewicht, Falle nach vorne oder Werden von den Bewegungen der Menge mitgezogen – gleichzeitig drückt von hinten immer mehr Gewicht nach!

00:20:21: Besucherinnen und Besucher erzählen davon dass Menschen im Schlamm verschwinden und plötzlich merkt man das sie nicht wieder hochkommen.

00:20:28: Trotzdem läuft das Konzert zunächst weiter.

00:20:30: Die Bühner sind hell beleuchtet Musik läuft Tausende Menschen bewegen sich noch immer im Takt der Sans Aber vorne verändert sich die Menge langsam von einem Konzertpublikum zu einer Wand aus Druck.

00:20:42: Irgendwann beginnen erste Menschen hektisch Richtung Bühne zu winken, Sicherheitskräfte ziehen Besucher über die Absperrungen andere Schreien um Hilfe oder Versuchen verzweifelt wieder aus dem vorderen Bereich herauszukommen.

00:20:53: Auch Pearl Jam bemerken schließlich dass etwas nicht stimmt.

00:20:57: In Video-Aufnahmen des Konzertos ist es zu hören wie Eddie Fedder mehrfach versucht die Menge zu beruhigen Everybody take three steps back.

00:21:04: Alle gehen jetzt drei Schritte zurück.

00:21:07: Die Band unterbricht den Auftritt.

00:21:10: Doch hier zeigt sich, wie brutal solche Situationen physikalisch werden können.

00:21:14: Ein Crowd-Crush lässt sich nicht einfach stoppen!

00:21:16: Menschen vorne können sich oft gar nicht mehr frei bewegen – manche stehen bereits so dicht gedrängt, dass sie kaum noch Kontrolle darüber haben, wohin ihr Körper überhaupt kippt.

00:21:25: Während Helfer und Sicherheitskräfte versuchen Verletzter aus der Menge zu ziehen liegen vor der Bühne inzwischen zahlreiche Menschen übereinander im Schlamm.

00:21:32: Später beschreibt Eddie Fedder den Moment als etwas das ihn bis heute verfolgt.

00:21:37: Pearl Jam sagen nach dem Konzert mehrere weitere Auftritte ihrer Tour ab.

00:22:04: Dänemark, Zweiundzwanzig Karl-Johann Gustavsson Schweden, Zwanzig Mats Frederik Thureson Schweden.

00:22:17: zwanzig Anthony James Hurley Australien, Vierundzwanzig Führers Kilde verändert dieser Abend das Festival dauerhaft und auch für Pearl Jam endet dieses Konzert nicht einfach nach dem letzten Song.

00:22:30: Nachdem das Konzern abgebrochen wird verändern sich die Stimmung auf dem Gelände schlagartig.

00:22:38: Wo kurz zuvor noch Musik lief, stehen plötzlich Rettungskräfte, Security-Mitarbeiter und schockierte Besucherinnen und Besucher im Schlamm vor der Orange Stage.

00:22:47: Viele Menschen wissen in diesem Moment noch gar nicht genau was eigentlich passiert ist.

00:22:51: andere beginnen langsam zu begreifen dass dort vorne gerade Menschen gestorben sind.

00:22:57: Pearl Jam verlassen die Bühne sichtbar erschüttert.

00:22:59: wenig später veröffentlichte Band ein Statement indem es heißt our lives will never be the same But we realized that's nothing compared to the pain of families and friends on the victims.

00:23:10: Unser Leben wird nie wieder dasselbe sein, aber wir wissen, das ist nichts im Vergleich zum Schmerz der Familien und Freunde der Opfer.

00:23:18: Besonders belastend ist für Pearl Jam später auch die öffentliche Diskussion darüber wer Verantwortung für die Katastrophe trägt.

00:23:24: Einige Medien stimmen auf.

00:23:25: der Öffentlichkeit stellen die Frage ob aggressive Konzertdynamik oder die Energie der Band eine Rolle gespielt haben könnten.

00:23:32: Pearl Jam selbst weisen diese Vorstellungen zurück!

00:23:35: Gleichzeitig beginnt Dründum Roskilde sehr schnell eine intensive Debatte über Crowd-Management, Sicherheitskonzepte und Festivalplanung.

00:23:42: Denn die Katastrophe zeigt etwas das damals vielen Veranstaltern erst langsam bewusst wird.

00:23:47: Große Menschenmengen funktionieren irgendwann nicht mehr intuitiv.

00:23:51: Aber einer bestimmten Dichte entstehen physikalische Probleme, die sich nicht allein durch Erfahrungen oder Ordnerketten kontrollieren lassen.

00:23:58: Roskildl reagiert nach der Katastrofe mit umfangreichen Veränderungen.

00:24:01: Sicherheitskonzepte werden überarbeitet, Bereiche vor Bühnen neu strukturiert und internationale Expertinnen und Experten für Crowd-Safety stärker eingebunden.

00:24:10: Später entsteht aus diesen Erfahrungen unter anderem die sogenannte Yes Group – ein europäisches Netzwerk für Veranstaltungs- und Besuchersicherheit.

00:24:19: Das Festival selbst existiert weiter.

00:24:21: Bis heute wird deshalb darüber diskutiert wie Festivals nach solchen Katastrophen weiter existieren können Ob ein Ort nach neuen Todesfällen einfach weitermachen darf oder ob genau darin auch eine Form des Erinnerns liegt.

00:24:34: Roskilde entscheidet sich dafür, das Festival fortzuführen und die Katastrophe gleichzeitig sichtbar Teil der eigenen Geschichte werden zu lassen.

00:24:44: Die Orange Stage wird später umgebaut und stärker abgesichert.

00:24:48: Vor den großen Bühnen entstehen zusätzliche Wellenbrecher- und klarer getrennte Zuschauerbereiche damit Druck sich nicht mehr unkontrolliert bis direkt vor die Absperrung aufbauen kann.

00:24:56: – Crowd-Monitoring, Fluchtwege und Kommunikation zwischen Security-, Veranstaltern und Rettungskräften werden deutlich professioneller organisiert.

00:25:05: Gleichzeitig beginnen Drosskilde die Katastrophe öffentlich Teil der eigenen Geschichte werden zu lassen.

00:25:10: Auf dem Festivalgelände entsteht später ein Memorial für den neuen Opfer.

00:25:14: Besucher legen dort bis heute Blumen Briefe oder Festivalsbändchen ab.

00:25:19: Das Festival eröffnet mit einer Schweigeminute und einer gemeinsamen Gedenkzeremonie für die Toten.

00:25:25: Roskilde versucht danach bewusst, nicht einfach zur Tagesordnung überzugehen.

00:25:28: Die Katastrophe verändert auch die Art wie über Menschenmengen auf Konzerten gesprochen wird.

00:25:34: Denn lange werden solche Ereignisse oft vorschnell als Massenpanik beschrieben.

00:25:39: Das klingt zunächst plausibel – Menschen geraten in Panik, drücken, schreien, rennen und dadurch sterben andere!

00:25:46: Die Realität sieht bei vielen Crowdquasches allerdings deutlich komplizierter aus.

00:25:50: Gerade Roskilde wird später häufig als Beispiel dafür genannt, dass solche Katastrophen oft weniger mit irrationaler Panik zu tun haben als mit Physik.

00:25:59: Ab einer bestimmten Dichte beginnt sich Druck durch eine Menschenmenge weiterzugeben.

00:26:03: Menschen bewegen sich dann nicht mehr vollständig eigenständig sondern werden von den Bewegungen anderer mitgeschoben.

00:26:09: Der Crowdforscher Dirk Helbing beschreibt solche Situationen später als eine Art Crowd-Turbulance also tubulente unkontrollierbare Bewegung innerhalb dichter Menschenmeng.

00:26:19: Das Gefährliche daran ist, viele Betroffene merken zunächst gar nicht wie kritisch die Situation bereits geworden ist.

00:26:26: Von außen wirkt die Menge weiter stabil.

00:26:28: Deshalb unterschätzen Außenstehende häufig, wie schnell ein Crowdquash lebensgefährlich werden kann.

00:26:34: Hinzu kommt ein weiterer Punkt – Menschen sterben bei solchen Katastrophen meist nicht weil sie niedergetrampelt werden.

00:26:39: Viele Opfer ersticken im Stehen!

00:26:42: Der Druck auf den Brustkorb und Lunge wird irgendwann so groß dass normales Atmen kaum noch möglich ist.

00:26:48: Deshalb helfen klassische Reflexer oft nicht mehr.

00:26:51: Man kann sich einfach rauslaufen, wenn tausende andere gleichzeitig gegen dieselbe Richtung drücken.

00:26:56: Roskilde wird dadurch zu einem Wendepunkt für moderne Festivalsicherheit.

00:27:00: Viele Maßnahmen die heute auf großen Festivals selbstverständlich wirken, Wellenbrecher vor Bühnen, kontrollierte Zuschauerbereiche, bessere Fluchtwege oder präzisere Crowd-Beobachtungen werden nach Katastrophen wie Roskilda deutlich ernster genommen.

00:27:13: Trotzdem verschwindet das Problem nicht!

00:27:16: Denn große Menschenmengen erzeugen bis heute dieselben Risiken wie vor vormundzwanzig Jahren.

00:27:21: Viele Muster von Roskilde tauchen später erneut auf, bei Fußballspielen, religiösen Großveranstaltungen und auch modernem Musikfestivals.

00:27:30: Zum Beispiel, zwei Tausend einundzwantig in Houston, Texas!

00:27:39: Hast du so einen Crowdcrush schon mal mitbekommen?

00:27:41: Was du mal in so einer Menge konntest du sich nicht mehr bewegen, wurde es einfach mitgeschoben...

00:27:45: Ich würde das nicht vergleichen wollen, also das hätte ich mein erstes Gedanke bereits.

00:27:49: Das deutsche Problem des Moshpits auf jedem Konzert.

00:27:53: Egal was es für ein Schaure ist, gibt's einen scheiß Moshpit.

00:27:56: Da hab ich zumindest schon mal das Gefühl gehabt wie das ist in so vielen Menschen irgendwie diesen Raum, den man sonst eigentlich für jede Person in so einem sozialen Raum hat durchbrechen und wenn man sich einmal so urnah ist und auch von Menschen die man nicht kennt geschubst wird.

00:28:09: aber da ist natürlich nichts zu vergleichen mit so einer... Mit dem Crowd Crush.

00:28:13: Ich stell's mir richtig schlimm vor hast du das schon mal erlebt?

00:28:16: Ähnlichso dass jetzt Katastrophe ändet.

00:28:20: Aber dieses Gefühl, man wird quasi so ein bisschen zwischen den Schultern eingeklemmt und dann einfach mit geschoben.

00:28:28: Also blöd gesagt haben wir ja hier in der Uni schon damit auch U-Bahn.

00:28:31: Wenn da früher wenn man stand zur Stoßzeit muss auf einer Bahn kann es nicht mal dein Arm, kannst du ihn nicht einmal festhalten?

00:28:38: Muss ich auch nicht festhalten oder auch im Stadion natürlich auf dem Weg zum Stadionen und dann wenn man dann auch mal auf einem Ausserzspiel ist und irgendwie die Masse gerät.

00:28:48: Aber bei Konzerten hatte ich das noch nie.

00:28:50: Ich hatte es immer in Mengen, die sich aber geschlossen bewegt hat.

00:28:53: Es war nie so dass vorne nochmal ein Ende, also dass vorne eine Bühne war und ein Ende war, sondern es ging immer weiter nach vorne.

00:28:58: Du wirst dann trotzdem durch die Enge mitgeschleppt.

00:29:02: Du denkst doch, ich würde gerne hier raus?

00:29:03: Aber ich kann nicht raus weil der einzige Weg ist nach vorn.

00:29:05: Da werde ich ja eh hingetragen.

00:29:07: Das heißt, also schlimm hatte ich's noch nicht... Ich bin eigentlich voll da.

00:29:12: Ich habe meine armen Beine, spüre ja alles aber ich kann sie halt einfach nicht bewegen.

00:29:15: Dieses Gefühl ist schon richtig ekelhaft und das hat man schon mal irgendwo gehabt.

00:29:19: Aber natürlich dann in deutlich kleinerer Form.

00:29:21: Ja,

00:29:22: ich finde es auch krass irgendwie natürlich wenn man selbst ein Panik gerät.

00:29:27: Da versucht man sich vielleicht auch selbst zu retten.

00:29:30: Aber wie schnell man abstumpft für die gequälteten Gesichter von anderen Menschen so?

00:29:42: Ich hatte auch beim Vorbereiten mir gedacht, wenn du dann versuchst nach oben, dass das ein Crowd-Surf ist.

00:29:51: Aber wenn du deine Arbeit nicht bewegen kannst, dann kannst du halt nur rufen.

00:29:55: aber wenn alle irgendwie mitsingen, dass der Lieblingsband vorne du stehst und noch ziemlich weit vor der Bühne weiß wie nah das vor den Boxen ist oder wie die Boxer so ausgerichtet sind hört dich überhaupt jemand um Hilfe schreien Was mich nur wundert, oder wenn du merkst dass jemand hinfällt bei vielen Bands heutzutage.

00:30:13: Wenn ich zu Konzerten bin da wird das ja auch die weiß nicht schon drauf hin ohne dass was passiert ist.

00:30:17: Sagen dann wenn ihr seht dass jemand hierhin fällt hilft ihn auf.

00:30:19: oder was heißt ich?

00:30:21: Einerseits kannst sie wahrscheinlich in so einer Masse Crowd auch gar nicht aufheben wenn alle so eng gedinselt sind.

00:30:30: Da weiß ich kann man da etwas machen.

00:30:32: Dann kann man seinen Bein anheben.

00:30:34: oder muss man dann irgendwann?

00:30:35: also stelle immer vor Du wirst geschoben und du merkest Da liegt einer, du kannst nichts tun außer denen das zu zertrampeln.

00:30:41: Das muss da richtig ekelhaft sein!

00:30:43: So extrem halt noch nicht erlebt ne?

00:30:45: Also die Situation dass zum Beispiel jemand hingefallen ist oder jemandem was runtergefallen ist habe ich auf kleineren Konzerten in einem gedrängnis schon erlebt.

00:30:53: so dann gab es zum glück immer Zufällig irgendwie eine groß Person die irgendwie gesehen wurde wie sie sich dann oder wie den Raum aufgemacht hat.

00:31:02: das geht ja dann schon Aber man macht es, also bringt sich natürlich selber auch ein bisschen in Gefahr.

00:31:08: Also das finde ich jetzt halt schon nichts zu unterschätzen auch.

00:31:10: Ja, also eigentlich muss man ein bisschen umsichtiger sein und sich verstehe dass ich mag ja manchmal auch steinige Musik.

00:31:18: Felsmusik?

00:31:19: Stimmt genau felsige Musik oder war da schon auf ein paar Konzerten... Ah!

00:31:24: Das ist schon eine andere Stimmung, sondern dann ist es halt irgendwie, wenn ich Leute verliere dann auch den Blick Also ein bisschen deplatziert in der Thematik, weil da kann man nicht nur einzelne Personen oder einzelnen Personen die Schuld vergeben.

00:31:36: Aber an so einer Stimme geht das dann schon manchmal verloren.

00:31:38: Dass die Leute irgendwie noch eine Auge für die Leute neben sich haben ist natürlich auch aufregend und cool und voller Extase aber es ist halt immer noch viel zu kleiner Raum für so viele Menschen eigentlich.

00:31:49: In normalen Verhältnissen.

00:31:50: Deswegen habe ich auch nie ein Problem bei Konzerten so ein bisschen seitlich am Rand zu stehen.

00:31:55: Ich kann dir immer nochmal kurz rein und mich da durchschleunern lassen wenn ihr Bock habt Aber so vorne an der Bühne stehen, am nächsten Tag hab ich nacken Schmerzen und Hörsturz.

00:32:03: Ich konnte irgendwie das Kind der Sängerin sehen oder den Sängers sehen ... Du kannst ja nicht mal ein Bierchen holen ne?

00:32:09: Nee!

00:32:09: Ich bin halt wieder so, ich stehe am Rand und trink mir so'n Bierchen... Oder es kann sogar noch wie letztens bei einem Konzert Der Mann mit dem Bierrucksack vorbeikommen und seht dann für zu viel zuviel Geld nochmal mit der Pumpe da das Bier auffüllt.

00:32:21: Also ich bin so rumstehend und Kopfnicken

00:32:24: Der Mann mit dem Bier rucksack, das ist mir dann nie passiert.

00:32:26: Echt?

00:32:26: Da gibt es ja auch im Stadion manchmal aber bei Konzerten... Also selbst Open Air wo es keine Sitz rein gibt, da lief plötzlich der Mann mit den Bier Rucksack an uns vorbei.

00:32:35: Das war nicht sehr schön.

00:32:36: Den haben wir dann einfach gesagt hier macht unsere Klasse halt halb voll oder so.

00:32:39: was hab ich gesagt?

00:32:39: ihr macht einfach noch mal voll erst ein Zwangi ... bevor wir wieder rausgehen, war vor zwei Jahren bei Nina Tschuba.

00:32:45: Das ist ein Großartikel, dass du als ich alleine zum Bierstand gehst.

00:32:49: Weil alle der Anwesenden trinken ja dann nur so eine Cola-Fantasprite.

00:32:53: Das waren auch wirklich nur Kinder und ich im August stehe ich wieder bei NinaTschuba... Und auch da kann ich bestimmt wieder alleine Bier kaufen gehen!

00:33:01: Ich denke, er trinkt die Körner weg.

00:33:04: Wenn Roskilde im Jahr zweitausend wie ein klassisches europäisches Festival wirkt, nass riesig, unübersichtlich aber im Kern schon sehr analoge.

00:33:14: Dann ist Astro World in den vergangenen Jahren fast das Gegenteil davon.

00:33:20: Astro-World ist kein Festival, das einfach nur einen Headliner hat!

00:33:25: Astro world ist um eine Person herum gebaut.

00:33:28: Travis Scott Geboren wird er in deinem Jahr und neunzehnzig als Jack Bermond Webster der zweite in Houston, Texas Erwechsel an der Stadt auf die musikalisch eine eigene Identität Southern Rap, Chopped und Scrooge.

00:33:43: Houston als Hip-Hop-Ort mit sehr eigener Klangfarbe.

00:33:48: Als Gott später international erfolgreich wird verkauft er sich deshalb nicht nur als Rapper sondern auch als Houston-Figur.

00:33:55: Astroworld wird Teil dieser Erzählung.

00:33:58: Der Name kommt nicht zufällig Six Flex.

00:34:01: Astrowworld ist ein Freizeitpark in Houston.

00:34:05: Eröffnet aus den Jahren bestätigt.

00:34:09: Für viele Menschen aus der Stadt war dieser Ort ein Stück Kindheit.

00:34:13: Travis Scott greift diesen Namen später erst für sein Album Astro World auf, das es im Jahr ist und dann für ein Festival, das im selben Jahr zum ersten Mal stattfindet.

00:34:24: Die erste Ausgabe des Astro-World-Festivals bringt in den letzten Jahren rund vierzig Tausend Fans nach Houston – die Stadt Erzgod anschließend sogar mit einem eigenen Astro world day!

00:34:35: Bürgermeister Sylvester Turner würdigt ihn damals als kulturellen Botschafter der Stadt.

00:34:41: In dieser Anfangsphase ist Astro World also nicht nur ein Musikfestival, es ist auch ein Heimkehrnarrativ!

00:34:47: Ein Künstler, der den Namen eines verschwundenen Vergnügungsparks nimmt und daraus ein neues Spektakel für Houston baut.

00:34:55: Das ist wichtig weil die Erwartungshaltung dadurch eine andere ist als bei normalen Festivals.

00:35:02: Wer zu Astro-World fährt, fährt nicht nur zu mehreren Konzerten.

00:35:05: Viele Fans fahren zu Travis Scott's Welt und diese Welt hat eine eigene Sprache.

00:35:11: Bei Travis Scott geht es nicht um Songs sondern um Energie Körperlichkeit und Kontrollverlust.

00:35:17: Seine Fans sprechen von Rage.

00:35:19: Das meint nicht einfach Wut im klassischen Sinn.

00:35:22: Es beschreibt eher ein Zustand völliger Eiskalation vor der Bühne Springen, Schreien, Moschen, Drücken Teil eines Moments sein, der sich größer anfühlt als ein normales Konzert.

00:35:34: Ein Besucher AJ Marcus, der laut ABC-Thirteen Houston mehrere Travis Scott Konzerte besucht und Astro World jedes Jahr seit Beginn mitgemacht hat beschreibt diese Kultur später so.

00:35:53: Ich würde sagen das wird stark beworben besonders durch seine Musik und das fördert viele Moschpitz.

00:35:59: Der Houston Chronical Musikkritiker Joey Guerrera, der ebenfalls bei Astro World für Ort ist, ordnet diese Rage-Kultur in demselben Bericht noch deutlicher ein.

00:36:11: I think through a lot of these fans when they talk about Rage Culture.

00:36:14: it's positive thing for them.

00:36:16: Ich glaube für viele dieser Fans is Rage Kultur etwas Positives.

00:36:20: Guerrero sagt außerdem diese Kulturellebe von chaotischer Energie.

00:36:25: Genau an dieser Stelle wird es schwierig Denn für viele Fans gehört diese Energie zum Erlebnis.

00:36:31: Sie ist nicht automatisch als Gefahr gemeint, sie isst Versprechen Identität Gemeinschaftskot.

00:36:37: Wer sich auf ein Travis Scott-Konzert freut erwartet kein ruhiges Konzert bei dem alle mit Abstand nebeneinander stehen und freundlich nicken!

00:36:45: Man erwartet Druckbewegung Kontrollverlust.

00:36:48: Das macht Astro World zu einem besonderen Fall noch bevor am fünften November twenty onezig irgendetwas passiert denn dieser Ästhetik ist nicht neu.

00:36:57: Schon vor Astro World gibt es bei Travis Scott Konzerte, bei denen Grenzen überschritten werden.

00:37:02: In den letzten Jahren wird er nach einem Auftritt beim Lula Palusa in Chicago festgenommen.

00:37:09: Berichten zufolge hatte er Fans aufgefordert, Sicherheitsbarrieren zu überwinden und Richtung Bühne

00:37:15: zu kommen.

00:37:16: In dem Jahr im Jahr war es für einen Konzert in Arkansas erneut festgenommen.

00:37:21: Dort lautet der Vorwurf unter anderem, er be-fans dazu ermutigt, Sicherheitsprotokolle zu umgehen und zu Bühne zu drängen.

00:37:29: Später erkennt er sich in Arkansas wegen Disorderly Conduct also ordnungswidrigen Verhaltens schuldig und zahlt eine Geldstrafe.

00:37:38: Auch dazu gibt es dokumentierte Bilder und Mitschnitte.

00:37:41: In einem Video vom Lula Palusa, ist laut Fox Seven Austin zu hören wie Scott ins Publikum ruft We Want Rage.

00:37:50: Das bedeutet nicht, dass eine Katastrophe wie Astro World dadurch zwangsläufig wird.

00:37:55: So einfach ist es nicht!

00:37:56: Zwischen Konzertenergie, künstlerischer Inszenierung, Sicherheitsplanung, Publikumserwartungen und Veranstaltungsverantwortung liegen viele Ebenen.

00:38:06: Aber diese Vorgeschichte gehört zum Fall.

00:38:09: Astro-Worlds' Jahrzehntes Jahrzehn entsteht nicht im luftleeren Raum.

00:38:13: Es entsteht in einer Fan-Kultur, wenn der Chaos nicht nur hingenommen sondern teilweise als Teil des Erlebnisses gefeiert wird.

00:38:21: Es entstehen um einen Künstler dessen Shows seit Jahren mit körperlicher Eskalation verbunden sind und es entsteht als Großevent in Houston mit ungefähr fünfzigtausend Menschen am ersten Abend organisiert unter anderem von Live Nation und begleitet von riesiger mediale Aufmerksamkeit.

00:38:40: Apple Music überträgt Travis Scott Auftritte live.

00:38:44: Auf dem Gelände stehen Bühnen, Kameras, Lichttürme, Sicherheitskräfte, Merchandise-Stände und Zehntausende Menschen die für einen Moment gekommen sind der größer wirken soll als ein normaler Festivalauftritt.

00:38:57: Die Erwartung ist nicht.

00:38:58: Wir hören Musik!

00:39:00: Die Erwaltung ist Wie erleben etwas Und diese Erwartungen wird an diesem Abend gefährlich.

00:39:08: Der fünfte November, zwanzig beginnt in Houston nicht wieder Auftakt einer späteren Katastrophe.

00:39:15: Er beginnt wie ein Groß-Event.

00:39:17: Menschen stehen stundenlang für Merchandise an, posten Videos auf TikTok und Instagram, laufen mit Astro World Shirts über das Gelände oder filmen sich vor den Bühnen.

00:39:27: Überall hängen Kameras, Bildschirme und Sponsorenflächen.

00:39:32: Apple Music bereitet den Livestream vor.

00:39:35: AstroWorld wirkt an diesem Tag weniger wie ein klassisches Festival, als für eine riesige mediale Inszenierung.

00:39:42: Und trotzdem gibt es schon Frühwarnzeichen!

00:39:46: Bereits vor dem eigentlichen Einlass entstehen dichte Menschenmengen vor den Sicherheitskontrollen.

00:39:52: In Videos die später weltweit geteilt werden ist zu sehen wie Besucher Absperrungen durchbrechen und auf das Gelände rennen.

00:40:00: Teilweise werden Metallbarrieren umgestoßen.

00:40:03: Sicherheitskräfte versuchen Menschen zurückzuhalten, verlieren aber stellenweise sichtbar die Kontrolle.

00:40:09: Die Bilder erinnern eher an eine Sturm auf das Gelände als ein geregeltem Festival-Einlass.

00:40:15: Später beschreibt ein Sicherheitsmitarbeiter gegenüber CNN die Situation als overwhelming – also überwältigend!

00:40:23: Auch Reporter und Besucher berichten später, dass sich die Stimmung auf dem Gelände ungewöhnlich aggressiv angefühlt habe….

00:40:30: Der Journalist Jury Guerrera vom Houston Chronicle sagt später gegenüber ABC-Thirteen, die Energie felt different this year.

00:40:39: Die Energie hat sich dieses Jahr anders angefühlt.

00:40:42: Das Problem dabei ist nicht einfach nur zu viele Menschen.

00:40:46: Große Festivals funktionieren normalerweise genau mit solchen Menschenmengen.

00:40:51: Das problem entsteht dort wo mehrere Dinge gleichzeitig zusammenkommen Enorme Erwartungshaltung, aggressive Dynamik vor Bühnen, unübersichtliche Kommunikation und Zehntausende Menschen die sich auf denselben Bereich zu bewegen.

00:41:07: Vor allem vor der Hauptbühne wird es im Verlauf des Tages immer voller!

00:41:12: Viele Besucherinnen und Besucher wollen möglichst weit nach vorne – lange bevor Travis Scott überhaupt auftritt.

00:41:19: Einige bleiben stundenlang im selben Bereich stehen um ihre Plätze nicht zu verlieren.

00:41:24: Damit verdichtet sich die Menge bereits Stunden vor Konzertbeginn.

00:41:28: Und anders als bei Roskilde im Jahr zweitausend wird all das permanent dokumentiert.

00:41:34: Menschen filmen die vollen Zugänge, drängenden Massen und die ersten Sicherheitsprobleme.

00:41:39: Die Katastrophe von Astro World beginnt deshalb nicht erst während des Konzerten.

00:41:44: Sie beginnt in gewisser Weise schon vorher – und das Internet schaut aber live zu!

00:41:52: Als Travis Scott am Abend des fünften November, die Bühne betritt ist der Bereich vor der Hauptsage bereits massiv verdichtet.

00:42:00: Viele Menschen stehen dort schon seit Stunden.

00:42:03: Einige Besucherinnen und Besucher berichten später dass sie schon vor Konzertbeginn kaum noch Platz hatten sich zu bewegen oder den Bereich verlassen.

00:42:13: Dann beginnt die Show!

00:42:14: Und innerhalb weniger Minuten verändert sich die Dynamik vor der Bühnen vollständig.

00:42:19: Später beschreiben zahlreiche Besucher den Beginn der Crowd-Search fast identisch.

00:42:25: Die Menge bewegt sich plötzlich gleichzeitig nach vorne, nicht schrittweise wie eine Welle.

00:42:31: Menschen verlehen das Gleichgewicht werden gegen andere gedrückt oder können ihre Arme nicht mehr frei bewegen.

00:42:37: Einige berichten später sie hätten schon früh gemerkt dass etwas falsch läuft.

00:42:41: die Konzertbesucherin Madeleine Askins sagt später gegenüber CNN Ich konnte nicht atmen, ich kam nicht raus.

00:42:52: Andere erzählen davon, wie Menschen um sie herum plötzlich bewusstlos werden.

00:42:57: Der Begriff Crowd Crush birgt dabei fast harmlos für das was viele Betroffene später schildern Denn zahlreiche Menschen beschreiben nicht einfach ein aggressives Konzert.

00:43:06: Sie beschreiben das Gefühl in einer Menschenmenge festzustecken die sich nicht mehr kontrollieren lässt.

00:43:12: Während vorne immer mehr Menschen zusammenbrechen, läuft die Show zunächst weiter.

00:43:17: Das macht Asteroid später weltweit so verstörend.

00:43:22: Denn anders als bei Roskilde existieren diesmal unzählige Videos von eigenen Panikmomenten bewusstlosen Besuchern oder Rettungsversuchen.

00:43:31: auf mehreren Aufnahmen ist zu sehen wie Rettungspfaltzeuge versuchen sich durch die Menge zu bewegen.

00:43:37: gleichzeitig läuft auf der Bühne weiterhin die Show.

00:43:40: In einem Video ruft ein Zuschauer hörbar, there's an ambulance in the crowd.

00:43:45: Da ist ein Krankenwagen in der Menge!

00:43:47: Der Satz verbreitet sich später weltweit im Internet.

00:43:51: Gegen einundzwanzig Uhr dreißig bemerkt auch Scott den Krankenwagen.

00:43:56: What the fuck is that?

00:43:57: If everybody good put a middle finger up to this guy.

00:44:00: Was zur Hölle ist das?

00:44:02: Wenn es allen gut geht regt den Mittelfinger in die Höhe.

00:44:05: Auch andere Szenen gehen viral.

00:44:07: Eine Konzertbesucherin klettert auf eine Kameraplattform und versucht den Kameramann darauf aufmerksam zu machen, dass Menschen sterben.

00:44:15: Später schildert sie gegenüber NBC News – There's People Dying.

00:44:20: I Try To Tell Them.

00:44:21: Da sterben Menschen.

00:44:22: ich habe versucht ihnen das zu sagen.

00:44:24: Viele dieser Videos wirken heute fast surreal.

00:44:28: Menschen scheinen um Hilfe Rettungskräfte versuchen Wiederbelebungen Und wenige Meter weiter läuft ein Festivalauftritt mit Lichtshow und Musik.

00:44:37: Später wird genau darüber intensiv diskutiert.

00:44:40: Was konnte Travis Scott auf der Bühne tatsächlich sehen?

00:44:44: Und ab welchem Punkt hätte das Konzert endgültig gestoppt werden müssen?

00:44:48: Gegen einundzwanzig Uhr vierunddreißig beginnt Scott zu performen, einen Mann versucht einen Kameramann im Media Tower auf die Lage aufmerksam zu machen und wird ignoriert.

00:44:58: Mit einer Frau besteigt er den Turm.

00:45:05: Menschen sterben verdammt noch mal.

00:45:07: Ich will jemanden das Leben retten, dass es jemand ist Kind!

00:45:10: Der Kameramann verweist sie des Turmes und filmt weiter.

00:45:14: Während eines späteren Songs beginnt im westlichen Teil des Publikums die Menge Stop the Show zu rufen.

00:45:20: Etwa zeitgleich sieht man Menschen auf einem improvisierten Krankenwagen, einem umgebauten Golfwagen tanzen.

00:45:26: Auch wenn das Gedränge kurz abklingt entsteht erneutes Gedringe als Drake zu Scott auf die Bühne tritt.

00:45:41: Ich liebe euch, kommt gut nach Hause.

00:45:42: Gute

00:45:43: Nacht.".

00:45:43: Fest steht.

00:45:44: die Feuerwehr Houston erklärt für Astro World ein sogenanntes Mass-Casuality Incident also eine Lage mit zahlreichen Verletzten oder Toten.

00:45:53: Zehn Menschen sterben in Folge des Crowd Crushs.

00:46:02: Madison Dubiski, die Jahre alt.

00:46:05: Radolfo Peña, der Jahre alt ist.

00:46:08: Dennis Bague, den Jahre alt sind.

00:46:11: Barty Schahani, den Jahren alt sind und Ezra Blondt, neun Jahre alt sein.

00:46:17: Alle sieben kommen aus Texas.

00:46:20: Jacob Yurinik, den Jahr alt sind, Franco Pettino, dem Jahre alten sind.

00:46:24: Kommen wir noch aus Illinois.

00:46:26: Alex Acosta, das Jahre alt kam aus Washington.

00:46:30: Die Todesursachen werden später überwiegend als Kompressionsasphyxie angegeben.

00:46:35: Erstiegungen durch massiven Druck auf den Körper.

00:46:38: twenty-fünf Menschen kommen ins Krankenhaus,

00:46:41: mehr

00:46:42: als dreihundert Menschen werden leicht verletzt.

00:46:46: Aus Gilde zweitausend wird am nächsten Tag zur Nachricht

00:46:49: AstroWorlds二tausendundzwanzig

00:46:52: wird dagegen schon während der Katastrophe selbst zum globalen Ereignis.

00:46:57: Noch während Menschen auf dem Gelände um Hilfe schreien, landen Videos auf TikTok, Instagram, Twitter und Reddit.

00:47:04: Manche Clips zeigen die dichten Menschenmengen vor der Bühne.

00:47:07: Andere zeigen Wiederbelebungsversuche oder Besucherinnen und Besucher, die verzweifelt versuchen aus der Menge herauszukommen.

00:47:14: Dadurch verändert sich auch die Wahrnehmung solcher Katastrophen.

00:47:18: Wer aus Kilde existieren später Fernsehbilder, Zeitlungsberichte.

00:47:24: Bei Astro World entsteht dagegen fast eine digitale Echtzeitdokumentation.

00:47:29: Millionen Menschen sehen die Katastrophe nicht erst danach, sie sehen sie während sie passiert.

00:47:35: Apple Music streamt Travis Scott-Auftritt live.

00:47:39: Gleichzeitig verbreiten sich auf Social Media immer mehr Videos aus dem Publikum.

00:47:44: Teilweise laufen diese beiden Perspektiven sogar parallel nebeneinander Professionelle Festivalbilder auf der Bühne und direkt daneben Handyvideos von Menschen, die keine Luft mehr bekommen.

00:47:56: Das Internet beginnt deshalb praktisch sofort darüber zu diskutieren wer Verantwortung trägt.

00:48:01: Travis Scott Live Nation Sicherheitsfirmen das Publikum Die Festivalplanung.

00:48:08: Plötzlich analysieren Millionen Menschen dieselben Sekunden Bildmaterial.

00:48:12: Was konnte man auf der Bühne sehen?

00:48:15: Wann hätte die Show beendet werden müssen?

00:48:17: Warum lief die Musik weiter?

00:48:20: Besonders viral werden Videos, in denen Travis Scott trotz sichtbarer Probleme weiterspielt oder Zuschauer im Publikum scheinbar bewusstlose Menschen bemerken.

00:48:30: Viele diese Ausschnitte werden später millionenfach angesehen.

00:48:34: Gleichzeitig waren Journalistinnen, Juristen und Crowdsafety Experten allerdings auch davor, einfache Schuldzuweisung aus einzelnen Handyvideos abzuleiten!

00:48:44: Denn Social Media zeigt zwar unglaublich viele Perspektiven, aber nicht automatisch die vollständige Situation.

00:48:52: Trotzdem vereinert Astro World die öffentliche Diskussion über Festivals massiv.

00:48:57: Zum ersten Mal erleben viele Menschen eine Crowdcrush-Katastrophe beinahe live im Internet.

00:49:04: Das macht Astro world kulturell vielleicht noch größer als viele frühere Festivalkatastrophen Weil sich diese Bilder nicht erst Tage später ins kollektive Gedächtnis brennen, sondern praktisch sofort.

00:49:17: In den Monaten danach folgen Hunderte Klagen gegen Veranstalter und Beteiligte.

00:49:22: Travis Scott zieht sich zeitweise aus der Öffentlichkeit zurück.

00:49:26: Geplante Auftritte und Kooperationen werden abgesagt oder verschoben.

00:49:30: Gleichzeitig beginnt erneut eine Diskussion die nach Roskilde eigentlich längst geführt worden ist.

00:49:37: Wie groß darf ein Festival werden?

00:49:39: Unter welchem Punkt verwandelt sich Euphorie in Gefahr?

00:49:46: Zwei Festivals, zwei recht ähnliche Geschichten und fast über zwanzig Jahre auseinander.

00:49:55: Aber um euch nicht die Festivalsstimmung zu vermiesen haben wir heute mal ein bisschen was anderes am Ende unserer Folge.

00:50:05: aber ich habe am Anfang kurz von meinen Erfahrungen aus im Open Flair erzählt Und ich hab da mir jetzt noch eine Geschichte eingefallen.

00:50:15: Nämlich neben Silbermond haben wir dann ein Jahr später ... Ein Interview mit Revolverheld gehabt, kennst du die Sphere?

00:50:21: Ja klar!

00:50:22: Sehr gut... Ich weiß nicht, ich hab weiß den Namen des Sängers gerade nicht mehr Johannes heißt.

00:50:26: er glaube, Johannes Stratel kann das sein und der hatte sich dann aus dem Backstage so einen Snickers von bezahlter Werbung mitgebracht und hat es auf die Couch gelegt wo die Interviews stattfanden.

00:50:36: Oh nein!

00:50:37: Und mein Kollege hat sich halt drauf gesetzt.

00:50:39: Es hat sich am Ende nur noch der Ich glaub, der Gitarrist mit uns unterhalten.

00:50:42: Der Sänger hat keinen Wort mehr mit uns gewechselt.

00:50:45: Wahrscheinlich gab er aber mehrere Interviews parallel.

00:50:48: Vielleicht hat er sich auch einfach statt auf die zwei Typen auf das Mädel konzentriert?

00:50:52: Ich weiß es nicht!

00:50:54: Aber ja... ich stelle's immer so hin um mich besser darzustellen dass der Sänger von Revolver halt nicht mehr mit mir reden wollte weil mein Freund dich auf sein Snickers gesetzt hat.

00:51:07: So viel zum Thema Snacks bei Festivals.

00:51:09: Was wäre jetzt ein guter Übergang zu Snacks außer einen Snickers am Arsch von Johannes Strate?

00:51:16: Nein, also ernst.

00:51:18: Ein netter Typ möchte ich nicht schlecht reden.

00:51:21: Wahrscheinlich war es nur Zufall dass er danach mit anderen gesprochen hat, so liebe Revolverheld-Fans.

00:51:26: Es ist mal eine dramatisch verklärte Situation gewesen.

00:51:29: Trotzdem war das eine perfekte Überleitung zum Thema Snacks die heute anders sind.

00:51:34: normalerweise sagen wir euch da ja nochmal fünf interessante oder spannende Fakten zum Fall oder zur Folge quasi so ein kleiner Funfact-Zusammenfassungs.

00:51:45: Was nehmen wir mit?

00:51:46: Heute machen wir das mal nach zwei schweren Fällen, machen die Snacks FM Festival Edition mit fünf einfachso festival Fakte, den wir ganz interessant fanden!

00:51:58: Erstens Metal Fans können auf Wacken Blutspenden.

00:52:02: Das Wackeng Open Air Festival arbeitet tatsächlich mit Blutsprenderaktionen zusammen.

00:52:08: Über den offiziellen Wacken Open Air Blutspende Pass können Festival-Fans bei teilnehmenden Blutspendendiensten Stempel sammeln und offiziell zum VOA Blood Donner werden.

00:52:19: Was erst mal wie ein schlechter Metal Gag klingt, hilft am Ende tatsächlich dabei, Blutreserven aufzufüllen.

00:52:26: Zweitens Burning Man hinterlässt offiziel keine Spuren.

00:52:31: Beim Burning Man in Nevada entsteht jedes Jahr eine komplette temporäre Stadt mitten in der Würste Mit Straßennahmen, Camps, Kunstinstallationen und Zeitweise mehr als siebzig tausend Menschen.

00:52:42: Und danach verschwindet fast alles wieder!

00:52:45: Eines der offiziellen zehn Prinzipien von Burning Man heißt Leaving No Trace.

00:52:50: Auf der offiziellen Burning Man Seite wird es so beschrieben Our community respects the environment.

00:52:56: We are committed to leaving no physical trace of our activities wherever we gather.

00:53:01: Unsere Gemeinschaft respektiert die Umwelt.

00:53:03: Wir verpflichten uns, keine physischen Spuren unserer Aktivitäten zu hinterlassen, wo immer wir zusammenkommen – was nach manch deutschem Festivalcampingplatz ungefähr so realistisch klingt wie Weltfrieden!

00:53:25: Menschen reisen also freiwillig in ein Schlammfeld mit zehntausenden Betrunkenen, schlafen drei Tage kaum und entscheiden dann spontan.

00:53:33: Genau hier wollen wir den Rest unseres Lebens beginnen!

00:53:36: Und ehrlicherweise passt das wahrscheinlich perfekt zu Festivalkultur.

00:53:41: Viertens – auf Roskilde gibt es einen offiziellen Nacktlauf.

00:53:45: Seit den neunziger Jahren organisiert das Roskilder Festivalradio den sogenannten Nögenlöb.

00:53:51: Einen Nacktleuf über das Festivalgelände.

00:53:53: Die Gewinner bekommen teilweise sogar Festival-Tickets fürs nächste Jahr.

00:53:57: Und ehrlicherweise beschreibt vermutlich nichts Festivalkultur besser als die Entscheidung, lass uns nackt durch den Schlammeren vielleicht gewinnen wir was!

00:54:22: Dazu erscheint Trailer, Bücher und aufwendig gestaltete Bühnenwelten.

00:54:27: Und teilweise sogar eine eigene Fantasy-Karte.

00:54:31: Im Grunde wirkt Tomorrowland dadurch manchmal weniger wie ein Festival... ...und mehr wie ein Fantasiefilm mit EDM.

00:54:40: Zwischen Roskilde & Astro World liegen einundzwanzig Jahre.

00:54:44: Zwei vollkommen unterschiedliche Musikwelten!

00:54:47: Und trotzdem endet beides gleich Mit Menschen die morgens einfach nur auf ein Festival wollten.

00:54:53: Viele Sicherheitskonzepte auf modernen Festivals existieren heute, überhaupt erst wegen Ereignissen-Virus-Kilde.

00:55:00: Und trotzdem zeigen Fälle wie AstroWorld das große Menschenmengen bis heute unterschätzt werden.

00:55:06: Nächste Woche besuchen wir mit euch das Woodstock Festival von und neunzehnhundertneinundneunzig.

00:55:10: Bis dahin heißt es wie immer...

00:55:13: Das war Radio Obscura!

00:55:15: Wenn euch diese Folge gefallen hat dann bleibt auf dem Zeltplatz folgt uns und lasst gerne eine Bewertung da.

00:55:22: Wir hören uns bis dahin.

00:55:23: Bleibt den Ravioli treu,

00:55:25: bleibt bei euch,

00:55:25: bleibt im Dunkeln

00:55:27: und Radio aus!

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