#035: Festivals Gone Wrong Pt. III - Friede, Freude, Katastrophe
Shownotes
🎧 Worum geht’s in dieser Folge?
1989 ziehen rund 150 Menschen mit einem Lautsprecherwagen über den Kurfürstendamm. Die Loveparade entsteht als politische Demonstration und entwickelt sich innerhalb weniger Jahre zu einem internationalen Massenphänomen. Berlin wird zur Hauptstadt der Technokultur, die Parade wächst auf Millionenpublikum an und prägt das Bild einer ganzen Generation.
Doch mit dem Erfolg beginnen neue Konflikte. Sponsoren, Kommerzialisierung und die Fuckparade spalten die Szene. Nach dem Ende der Berliner Ära zieht die Loveparade ins Ruhrgebiet.
Am 24. Juli 2010 endet ihre Geschichte in Duisburg. Radio Obscura spricht über Techno, Subkulturen, die Kommerzialisierung von Jugendkultur, Crowd Management und darüber, wie eine Veranstaltung mit Millionen Besuchern zu einer der schwersten Katastrophen der deutschen Veranstaltungsgeschichte werden konnte.
Kapitel
(00:00:00) Opening: Friede, Freude, Eierkuchen (00:01:15) Intro & Begrüßung (00:10:30) Vom Ku’damm zur Siegessäule (00:16:24) Die Fuckparade (00:24:34) Der Abschied von Berlin (00:30:07) Kulturhauptstadt, Kulturkampf (00:33:37) Der 24. Juli (00:37:07) Die Katastrophe (00:41:18) Wer trägt die Verantwortung? (00:51:55) Das Ende der Loveparade (01:00:50) snacks.fm – Loveparade Edition (01:02:40) Das Vermächtnis
📚 Quellen & Literatur
• Bundesverfassungsgericht (Hg.): Beschluss zur Loveparade als Versammlung, Karlsruhe 2001. • Bundesverwaltungsgericht (Hg.): Entscheidungen zum Demonstrationscharakter der Fuckparade, Leipzig 2007. • Bundeszentrale für politische Bildung (Hg.): Die Geschichte von Techno und der Loveparade, Bonn 2022. • Electronic Beats (Hg.): The Oral History of Berlin's Fuckparade, Berlin 2017. • Erken, Rebecca: "Die lebt ja noch!", Der Spiegel, 20.07.2015. • Expertenkommission des Landes Nordrhein-Westfalen (Hg.): Abschlussbericht zur Verbesserung der Aufklärung komplexer Schadensereignisse am Beispiel der Loveparade 2010, Düsseldorf 2022. • Friedrich, Anne: "Die Rampe hat uns wohl das Leben gerettet", Kölner Stadt-Anzeiger, 24.07.2025. • Gerlach, Jürgen (Hg.): Fachliche Aufbereitung von Ursachen der tragischen Ereignisse bei der Loveparade Duisburg 2010, Wuppertal 2013. • Goethe-Institut (Hg.): Techno Land Glossary – Love Parade, München o. J. • Helbing, Dirk / Mukerji, Pratik (Hg.): Crowd Disasters as Systemic Failures. Analysis of the Love Parade Disaster, Zürich 2012. • Landgericht Duisburg (Hg.): Beschluss zur Einstellung des Loveparade-Verfahrens vom 4. Mai 2020, Duisburg 2020. • Rapp, Tobias (Hg.): Lost and Sound. Berlin, Techno und der Easyjetset, Frankfurt am Main 2009. • Rave The Planet gGmbH (Hg.): Parade History. From Love Parade to Rave The Planet, Berlin o. J. • Stiftung Duisburg 24.7.2010 (Hg.): Dokumentationen und Informationen für Betroffene, Duisburg laufend. • The Berliner (Hg.): Loveparade. A History of Berlin's Legendary Techno Demo in Pictures, Berlin 2024. • WDR: Loveparade - Chronologie der Ereignisse, 23.07.2017.
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🎙️ Hosts: Svea & Tim
Sample "Techno-Oma": ProSieben
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00:00:01: Jahrelang konnte ich keine Menschenmengen mehr ausstehen, wieder auf Konzerten noch auf Weihnachtsmerkten.
00:00:07: Nicht einmal in vollem U-Bahn!
00:00:10: Es reicht manchmal schon wenn zu viele Leute gleichzeitig in dieselbe Richtung gehen.
00:00:15: Dann ist dieses Gefühl wieder da.
00:00:17: An die Love Parade erinnere ich mich nur noch in Bruchstücken Daran dass wir viel zu früh losgefahren sind und trotzdem ewig unterwegs waren daran das es heiß war Und daran, dass irgendwann niemand mehr wusste warum es nicht weiter ging.
00:00:33: Die Musik habe ich kaum gehört.
00:00:35: Ich habe die meiste Zeit auf die Rücken vor mir geschaut und irgendwann habe ich gemerkt das ich mich nicht mehr frei bewegen konnte.
00:00:43: Nicht schlimm noch nicht.
00:00:45: jedenfalls hab' ich das damals gedacht.
00:00:47: Wenn man alte Aufnahmen der ersten Love Parade sieht wirken sie fast wie das Gegenteil von allem was später passiert ist Ein paar Menschen auf dem Kurfürstendamm Ein Lautsprecherwagen.
00:00:59: Ein Motto, das freundlich, harmlos und vielleicht auch ein bisschen naiv klingt.
00:01:04: Friede, Freude, Eierkuchen.
00:01:07: Niemand konnte damals wissen wohin diese Geschichte einmal führen würde.
00:01:11: Willkommen bei Radio Obscura!
00:01:43: Schön, dass ihr eingeschaltet habt beim Podcast über Creatures Crime & Mystery.
00:01:48: Wir erzählen von Ravioli, Zelten- und Dixiklos mal real Mal überfüllt
00:01:53: Vom Ring bis zum Park Von Wacken bis zur Fusion.
00:01:56: Wir fragen, was passiert ist und was davon bleibt.
00:01:59: Ich bin Tim!
00:02:00: Und ich bin Svea... ...und heute tauchen wir in die Techno-Szene ein.
00:02:04: Spannende Bilder zu dieser Folge findet ihr natürlich wieder auf unserem Instagram unter Radio Obscura Podcast alles klein und zusammen geschrieben und auf unserer Homepage radioobscura.de.
00:02:16: Heute haben wir es schon geschafft zum dritten Teil unseres Specials – ich bin schon ganz aufgeregt – unsere dritte Folge zum Festival wie ihr's schon im Intro gehört habt über The Love Parade.
00:02:25: Ich persönlich, ab zu der Zeit wo ich Love Parade angefangen habe und auch wo diese Katastrophe passiert ist von der wir heute erzählen werden.
00:02:32: Damals natürlich nicht so viel mitbekommen weil ich entweder noch nicht geboren war oder noch zu klein aber du hast in dieser Zeit ja schon ziemlich aktiv gelebt.
00:02:41: Aktiv?
00:02:42: Aktiv!
00:02:43: Ziemlich.
00:02:43: Ich
00:02:43: war die ganze Zeit auf der Couch.
00:02:46: Ja ich weiß nicht was du gemacht hast.
00:02:48: Aber ich hab mich gefragt kannst du dich noch daran erinnern als das erste Mal von der Love Parades gehört hast?
00:02:54: also war es eher von dem Friedefreude-Eierkuchen-Vibe oder eher katastrophenmäßig?
00:02:59: Genau dazwischen, eigentlich.
00:03:01: Ich hab vorhin noch mal kurz die Motty-Motanten-Mottos...
00:03:06: ...
00:03:08: der ganzen Love Parades durchgeschaut weil ich noch wusste es gab mal irgendwie One World, one Future und ich dachte das wäre so zweitausend aber das war in deundneunzig und es war dann immer, ich glaub was RTL zwei oder wie war.
00:03:21: Da wurden die Eltern immer live übertragen, da hast du dann aber die Moderatoren überall stehen gehabt und dann von halt die Busse vorbei hat man mal ein bisschen berichtet.
00:03:28: Das konnte man so den ganzen Tag dann eben gucken auf den Sendern.
00:03:30: Und dann war es natürlich auch noch einmal in der Bravo damals jetzt meine Schwester quasi abonniert bekommen und ich durfte sie dann als Zweiter auch mehr anschauen.
00:03:39: Und da war's immer einfach nur so diese ganzen Outfits, da werden wir bestimmt auch ein paar Bilder davon haben.
00:03:43: Es war ja wirklich von sehr wenig bis kaum Kleidung bis hin zu sehr aufwendigen Kostümen.
00:03:48: das war sehr interessant immer so anzugucken.
00:03:50: Die Musik war halt nie Mainz, aber man hat es schon wahrgenommen als Riesenereignis mit Fernseh- und Antrimund dran.
00:03:57: Das war schon sehr bekannt.
00:04:00: Dann ging's ja ins Ruhrgebiet – das wirst du gleich nochmal alles in Ruhe erzählen, gehe ich mal davon aus.
00:04:04: Und die einzige Stadt wo es nicht stattgefunden hat war Bochum.
00:04:09: Da ist nämlich ausgefallen, wir haben abgesagt.
00:04:11: Sonst wäre ich vielleicht auch mal hingegangen weil es dann quasi vor der Haustür gewesen wäre.
00:04:15: ob die Stadt hat es dann nicht gemacht.
00:04:17: Entsprechend habe ich dann auch erst so Jahrzehnte so erst wahrgenommen bei der Katastrophe, dass es dann im Ruhrgebiet so richtig angekommen ist.
00:04:23: Weil's mich einfach gar nicht mehr so interessiert hatte diese Neuauflage.
00:04:27: aber weil eben Ruhr-Zwanzigzehn war dieses Kulturhauptstadtjahr.
00:04:29: Ich hab im Museum gearbeitet.
00:04:30: zu dieser Zeit hat man natürlich noch viele von diesem Zeug mitbekommen.
00:04:34: entsprechend wurde aus den lustigen bunten lauten auch ein bisschen träckigen und da gibt es dann auch viele Bilder von der Straße des siebzehnten Juni in Berlin wie die so aussahen nach Sonderlaufparade.
00:04:44: Das wurde dann eben zu einer Katastrophe, die auch viel Auswirkungen auf den Alltag hatte.
00:04:49: Was jetzt ungerecht klingt gegen über den Menschen, der da war und für dieses viel mehr Auswirkung hat.
00:04:54: aber ich habe es natürlich nicht so wahrgenommen weil weder Freunde von mir da waren noch ich selber.
00:04:57: Aber man hat natürlich gemerkt wie Veranstaltungen anders waren.
00:05:00: danach an der Uni zum Beispiel das Sommerfest und sowas Die ganzen neuen Bestimmungen für Sicherheit Brandschutzabstand Es kam alles dann danach.
00:05:09: Jetzt ist mal die Party- und Feierlandschaft für uns Studis damals sehr stark verändert.
00:05:15: Das war ganz interessant zu sehen danach.
00:05:17: Ach Kass, also man hat richtig aktiv dann sofort eine Veränderung gespielt.
00:05:21: Das hätte ich jetzt gar nicht... Also ich meine, ich kenne die ganzen Bestimmungen ja jetzt nur wie sie einfach existieren.
00:05:26: Wir hatten früher in der Uni Bochum, wo wir studiert haben.
00:05:31: Da gab es dann früher so Parties wie G.C.
00:05:34: Mania and I Be United die einfach so in den Hörseelen drin waren.
00:05:38: Das heißt du tanzt da, wo du am Tag vorher noch die Vorlesungen hattest?
00:05:42: Der DJ stand vorne am Rednerpult sozusagen oder Seminarräume wurden alle Tische rausgeräumt.
00:05:46: von der Tanzfläche in den Inhöfen und dadurch dass die Uni jetzt auch saniert wird oder abgerissen wird zur Hälfte oder alle, die im Bochum studiert haben oder an der Uni mal waren, die klassischen Klapperplatten, das kennt ja auch jeder... Die wurden dann eben noch mal so kritisch gegengecheckt.
00:06:01: und das Campus fest früher, da war einfach jeder Faschhaft kriegt so einen Stand.
00:06:05: Du kannst dann auf dem Campus überall stehen.
00:06:08: Und später wird er so, du musst halt mindestens ein Meter fünftig von der Wand weg sein, von der wand weg zu sein.
00:06:12: Du darfst das nicht machen, die Partys durften nicht mehr stattfinden.
00:06:15: Es gab dann eine Zuschauerbeschränkungen.
00:06:18: Böse gesagt kam Corona in der Uni auch ganz entgegen, dass man dann irgendwann die ganzen Party-Sachen oder Sommerfest... Also ein bisschen so ganz verschwinden lassen konnte.
00:06:28: und dann eben schiebt auf die Tragfähigkeit des Parkhauses.
00:06:31: Die ganze Bochmer Uni ist quasi auf dem Dachrein des Parkhauses gebaut, wenn man so will.
00:06:35: Das war ja damals die große Neuerung der Campus-Universität in der Autostadt.
00:06:40: Eine Opel kam nach Bochum, die Uni kam nach Wochum und das Ruhrpark heißt das Einkaufszentrum.
00:06:48: Es war eine Struktur Trias kaufen, Autos wissen und deswegen war es ganz toll dass man Ein Riesenparkhaus hatte für die ganzen Studenten, die mit ihrem neuen Opel zur Arbeit fahren.
00:07:00: unbezahlte Werbung übrigens.
00:07:03: Und das ist jetzt alles baufällig oder so?
00:07:06: Sponsored
00:07:06: von der Ruhe-Unibog
00:07:07: und... Alles hat alles voller Asbest genau, ne?
00:07:10: Ja deswegen also ich glaube so die Sachen dass man danach Sicherheitssachen ernster genommen hat macht ja Sinn.
00:07:16: aber wenn du eben so mit Anfang Mitte zwanzig so coole Partys gewohnt bist und dann ändert sich das schon ein bisschen schade.
00:07:23: Aber Bevor jetzt jemand auf den Klapperplatten der Ruhe in die Bochum in den Boden stürzt, dann lieber ein bisschen weniger Party auf dem Campus.
00:07:32: Man kann ja auch mal anders feiern gehen.
00:07:34: Wo liebbar noch noch fahren nachts...
00:07:38: Was verarbeitest du hier heute alles?
00:07:42: So manchen Fußweg von Querenburg bis in die Innenstadt nachts und deine Eltern hören richtig harte Techno.
00:07:53: Nee, weite gar nicht.
00:07:54: Also das war wirklich nülle Thema irgendwie bei uns auch irgendwie... ...nicht in meiner Jugend oder so.
00:08:00: Das kam jetzt eben die letzten paar Jahre wieder, dass Leute super geredet haben.
00:08:04: Bei uns auf dem Dorf kam es erst sehr spät an.
00:08:06: Jetzt halt dann irgendwie in der Stadt mehr ne?
00:08:08: Aber ich glaube, selbst wenn ich zu dem Zeitpunkt älter gewesen wäre, wär's auch nicht meine Bubble gewesen.
00:08:14: Du warst auch nie auf einer Love Parade oder so wahrscheinlich, ne?
00:08:17: Ne!
00:08:17: Also ich hab sie verfolgt wie gesagt bei RTL-Zwei und Zwei-Tausendzehn.
00:08:21: weil da habe ich Ich meine, ich hab da grad in Essen gewohnt als das war.
00:08:26: Weil ich mich noch genauer erinnern kann wie... Ich weiß gar nicht ob sich die ... ob ich die Jahrzehnte sogar dann auch im Fernsehen irgendwie an hatte?
00:08:32: Als es alles war.
00:08:33: Ob's hier übertragen wurde oder ob der grad Fußball-WM war.
00:08:37: also das war auf jeden Fall eine WM zu der Zeit in Südafrika.
00:08:40: Ich saß auf jeden fall im Wohnzimmer und irgendwas lief am Fernsehen Und mein Handy klingelt und meiner Mutter ruft an und ich dachte ruf mich denn meine Mutter einfach so an.
00:08:48: Das macht sie ja sonst eigentlich nicht wenn wir uns nicht zum Reden schaubredet haben?
00:08:52: Und hat sich gefragt, ob es mir gut geht und wo ich bin.
00:08:54: Er hat dann erst geschaltet.
00:08:56: Ach so?
00:08:57: Nee ne?
00:08:57: Also nett dass du daran denkst um dir Sorgen machst aber das ist halt gar nicht meine Musik.
00:09:01: deswegen keine Sorge!
00:09:02: Ich bin nicht betroffen.
00:09:05: Es war nicht so also... Das ist meine einzige nahe Verbindung zur Love Parade.
00:09:10: Meine Mutter dachte ich sei Dorte.
00:09:14: Aber kurz noch, das haben wir noch gar nicht erwähnt in den bisherigen Folgen wo wir gerade bei Festivals sind und Musik.
00:09:20: Wenn ihr uns auf Instagram folgt was natürlich nicht alle tun was okay ist aber ihr verpasst natürlich unser tolles Obscura-Festival unser effektives Festival Und wenn ja jetzt grade die Love Parade Folge hört dann haben wir im Grunde das Haupt Lineup schon komplett durch.
00:09:35: Das heißt, das sind alle Bands die wir in unseren Folgen irgendwie mal erwähnt haben.
00:09:39: Sind schon raus aber es kommen jetzt nach der Lovebird-Folge.
00:09:42: also wenn ihr's heute hört ist Dienstag.
00:09:44: dann kommt ab Mittwoch dann zwei neue
00:09:46: Stages
00:09:47: dazu die ihr noch nicht gesehen habt bei Instagram und da kommen ein paar unserer persönlichen Bands sozusagen mit drauf die wir einfach zusammengestellt haben wo wir dachten das könnte auch eine lustige Bühne sein nämlich einmal das Sveatown Party Zelt und Tims Pfannkuchen Stage.
00:10:03: Das heißt, wir werden euch noch ein bisschen weiter zuballern mit lustigen Bands von unserem Festivalplakat bis zum siebenundzwanzigsten Juni.
00:10:12: Wir haben noch zwei Wochen, zwei Folgen heute und die nächste zum Thema Festivals.
00:10:17: Und dann würde ich sagen...
00:10:18: Aber los, Oma!
00:10:19: Das ist normal, das ist die Generation!
00:10:21: Geht lieber mal arbeiten!
00:10:22: Natürlich etwas vernünftiges, ja?
00:10:25: Arbeit
00:10:25: warum?!
00:10:25: Wir sind jung, wir haben noch den ganzen Leben zum Arbeiten!
00:10:27: Technus unsere Welt!
00:10:31: Am ersten Juli, neunzehnundachzig findet in West-Berlin eine Demonstration statt die zunächst kaum jemand für historisch halten würde.
00:10:40: Rothundertfünfzig Menschen versammeln sich auf dem Kurfürstendamm.
00:10:43: Sie laufen nicht vor einer Partei und auch nicht gegen ein konkretes Gesetz.
00:10:50: Stattdessen bringen sie etwas auf die Straße das damals noch weitgehend im Verborgenen existiert Die junge Technoszene Berlins.
00:10:59: Angemeldet ist dieser Umzug als politische Demonstration.
00:11:02: Das Motto lautet Friede, Freude, Eierkuchen.
00:11:06: Das klingt erst mal harmlos – fast albern!
00:11:09: Einer der Initiaturen Matthias Röhing besser bekannt als Dr.
00:11:13: Motte meint es aber ernster als der Satz vermuten lässt.
00:11:16: Friede steht für Abrüstung.
00:11:19: Freude für Musik als Verständigung und Eier-Kuchen für gerechte Nahrungsmittelverteilungen.
00:11:24: Man kann das naiv finden, vielleicht ist es auch ein bisschen.
00:11:28: Aber es passt zu dieser ersten Love Parade.
00:11:31: Sie wirkt nicht wie ein fertiges Konzept – eher wie eine Idee die jemand einfach auf die Straße gesetzt hat.
00:11:38: Hinter der Idee steht neben Dr.
00:11:40: Motte noch die Künstlerin Daniel de Pithiotto.
00:11:43: Sie gehören zu einer Szene, die damals noch weit entfernt ist vom Mainstream.
00:11:48: Es geht um Musik und Tanz, um Gemeinschaft aber auch darum sichtbar zu werden!
00:11:54: Für ein paar Stunden gehört die Straße nicht den Autos, nicht dem Verkehr, nicht in Einkaufsfassaden des Kudams sondern den Menschen, die dort tanzen.
00:12:03: Ein paar Monate später fällt die Berliner Mauer.
00:12:06: für Berlin verändert sich dadurch fast alles Nicht nur politisch auch räumlich.
00:12:12: Plötzlich gibt es Orte, die vorher nicht zugänglich waren oder niemandem so richtig zugehörenschein.
00:12:19: Alte Industrieflächen, leere Gebäude, Keller, Bunker und Zwischenräume werden zu Partys, Clubs- und Treffpunkten.
00:12:27: In dieser Stadt entsteht eine Nachtkultur die nicht lange fragt ob etwas erlaubt ist sondern erst mal ausprobiert was möglich ist.
00:12:36: Techno kommt dabei nicht ursprünglich aus Berlin.
00:12:39: Wichtige Wurzeln liegen in Detroit bei Künstlern wie Juan Adkins Derek May und Kevin Sonnesen.
00:12:46: Doch Berlin wird nach dem Mauerfall zu einem Ort, an dem diese Musik eine besondere Form findet.
00:12:52: Ost und West begegnen sich auf Tanzflächen.
00:12:55: Viele Räume sind roh, laut, improvisiert – genau dort passt die Love Parade hinein!
00:13:01: Was nachts in Clubs passiert, wandert am Tag auf die Straße... ...und es bleibt nicht bei diesen hundertfünfzig Menschen….
00:13:08: ...Ninzehntneunzig kommen schon etwa zweitausend Teilnehmende.
00:13:12: Ninzehnteinundneinzig sind es rund sechstausend.
00:13:19: Die Zahlen steigen so schnell, dass aus dem kleinen Umzug innerhalb weniger Jahre ein fester Termin in Berliner Sommer wird.
00:13:28: Am Anfang hat die Love Parade noch etwas Unfertiges.
00:13:31: Die Wagen sind schlicht!
00:13:33: Viele kennen die DJs, Clubs oder Kollektive, die mitfahren.
00:13:37: Es gibt keine Eintrittskarten, keine abgeschlossenen Festivalbereiche und keine große Bühne vor der alle stehen.
00:13:44: Man kommt dazu, läuft mit, bleibt stehen, tanzt weiter, verliert seine Leute und findet sie später vielleicht irgendwo wieder.
00:13:52: Das macht den Reiz aus!
00:13:55: Mitte der neunzenundneunziger Jahre ist daraus längst mehr geworden als eine kleine Szeneveranstaltung.
00:14:01: Techno wird sichtbarer – die Love Parade wird zum Bild dafür.
00:14:05: Magazine schreiben darüber, Fernsehteams kommen nach Berlin.
00:14:09: Junge Menschen aus anderen Ländern reisen an weil sie diese Stadt erleben wollen von der plötzlich alle erzählen.
00:14:16: Berlin steht für Leerstand Aufbruch, Nachtleben und für eine Freiheit die vielleicht auch deshalb so stark wirkt weil sie noch nicht fertig sortiert ist.
00:14:25: Irgendwann reicht der Kurfürstendamm nicht mehr aus.
00:14:28: Die Menschenmengen werden zu groß die Strecke zu eng.
00:14:31: In den letzten Jahren hat sich die Parade auf der Straße des siebzehnten Juni und rund um die Siegesäule.
00:14:39: Dort ist mehr Platz, dort kann sie weiter wachsen – und das tut sie auch!
00:14:43: In den vergangenen Jahren ist erstmals von mehr als einer Million Besucherinnen und Besuchern die Rede.
00:14:51: In dem vergangenene Jahr nennen die Veranstalter rund eineinhalb Millionen Menschen.
00:14:57: Solche Zahlen muss man bei Großveranstaltungen vorsichtig behandeln.
00:15:01: Sie sind schwer zu überprüfen und oft auch Teil der Erzählungen, die ein Event über sich selbst verbreitet.
00:15:07: Sicher ist aber Ende der neunzehntneunziger Jahre gehört Die Love Parade zu den größten Musikveranstaltungen Europas!
00:15:16: Die Bilder aus dieser Zeit sind bis heute sofort erkennbar Wagenkolonnen auf der Straße des siebzenten Juni Menschen auf Laternen, Mamern & Ampeln Fahnen Sonnenbrillen Triller Pfeifen Und überall Musik.
00:15:31: Für viele wird die Love Parade zum Symbol eines neuen Berlins.
00:15:35: Für andere beginnt genau in diesem Moment eine Entwicklung, die Sie kritisch sehen – denn je größer die Veranstaltung wird, desto mehr verändert sie sich auch.
00:15:45: Die Organisationen werden aufwendiger.
00:15:48: Die Kosten steigen und immer mehr Menschen entdecken die Love-Parade, die mit der ursprünglichen Technoszene eigentlich wenig zu tun haben.
00:15:55: Die meisten Besucher bekommen davon kaum etwas mit!
00:16:11: Die Fuck
00:16:25: Parade beginnt nicht einfach als wütender Seitenhieb auf die Love Parade.
00:16:30: Sie entsteht aus einem ziemlich konkreten Verlust.
00:16:33: Ende內hundertsechsundneunzig wird in Berlin Mitte der Bunker geschlossen, einer der Orte an denen die härtere Seite der Technoszene zu Hause ist.
00:16:42: Der Bunkern liegt in der Albrechtstraße nicht weit vom späteren Regierungsviertel entfernt und erst kein hübscher Club im heutigen Sinn – erst roh, dunkel, laut.
00:16:51: ein alter Hochbunker mit einer Ästhetik, die perfekt zur Hardcore, Gabber- und härteren elektronischen Sounds passt!
00:16:58: Für viele aus dieser Szene ist ja nicht einfach ein Veranstaltungsort.
00:17:01: Er ist einer der wenigen Räume, in denen ihre Musik überhaupt stattfinden kann.
00:17:06: Einer der späteren Mitinitiatorinnen der Fact Parade Christian Müller besser bekannt als «Solldog-Fürhundert» beschreibt diesen Moment später als Auslöser.
00:17:15: Die Idee sei nach der Schließung des Bunkers endet entstanden.
00:17:20: Der Verlust dieses Raumes habe den Anstoß gegeben!
00:17:23: Plötzlich geht es also nicht mehr nur um Musikgeschmack.
00:17:26: Es geht um die Frage, wer in einer Stadt noch Platz bekommt?
00:17:29: Zu dieser Zeit gehören damals neben SolDoc-Fürhundert auch Martin Klim, Alias Trauma XP und Cut X aus dem Umfeld von Gabernächen.
00:17:38: Im März, aber im März ist die Idee in der Gegenparade konkreter auf.
00:17:43: Nicht irgendwo in einem Konferenzraum sondern im Umfeld der Berliner Untergrundklubs.
00:17:48: Soldok-Fürhundert organisiert im Eimer einen besetzten Kulturzentrum in der Rosenthaler Straße, eine Gabba Party.
00:17:55: Dort sprechen Trauma XP und CutX unter dem Eindruck der Bunkerschließung von einer Gegendemonstration zur Love Parade.
00:18:04: Der Konflikt sitzt tief – Trauma XP formuliert ihn Jahre später sehr direkt!
00:18:08: Man sei von der Love ParADE zu den Schmuddelkindern der Technos-Hener degradiert worden und aus Sicht der Sponsoren nicht mehr erwünscht gewesen….
00:18:17: Genau dieser Satz ist wichtig, weil er zeigt worum es der Fug Parade am Anfang geht.
00:18:21: Die Beteiligten fühlen sich nicht nur musikalisch an den Rand getränkt – sie haben das Gefühl dass eine Veranstaltung die behauptet die Techno-Szene zu repräsentieren bestimmte Teile dieser Szene aussortiert sobald sie nicht mehr zum sauberen Bild für Medien, Sponsoren und Stadtmarketing passen.
00:18:37: Die erste Parade findet am zwölften Juli nineteenhundert siebenundneunzig statt noch unter dem Namen Hate Parade.
00:18:44: Sie läuft parallel zur Love Parade, startet am Bunker und führt zum Alexanderplatz.
00:18:49: Angemeldet wird sie von Trauma XP.
00:18:52: Xoldog-Fierhundert hilft organisatorisch – CatX legt auf einem russischen Ural auf!
00:18:58: Das ist kein Detail für Nerds sondern erzählt schon sehr viel über den Charakter dieser Gegenveranstaltung.
00:19:03: Während die Love Parades immer größer professioneller und massentauglicher wird wirkt die Hate Parade wie ein bewusster, rauer Gegenentwurf.
00:19:12: Auch musikalisch ist sie an der Ansage.
00:19:14: Auf den Wagen laufen Hardcore, Gaba, Breakbeat, Noise, Industrial, Drum & Bass und andere härtere oder weniger massentaugliche elektronische Stile.
00:19:24: Neben den Initiatoren sind Namen aus der Szene dabei etwa Christoph Fringeli von Brexit's Records, Panacea, Problem Child von Position Chrome oder ECA DoA aus dem Umfeld von Digital Hardcore Recordings.
00:19:37: Das ist keine Musik die möglichst glatt in einer Fernsehübertragung passt.
00:19:42: Die ist schneller, härter und sperriger.
00:19:45: Genau das ist Teil der Botschaft!
00:19:47: Der Name Hate Parade führt allerdings schnell zu Missverständnissen.
00:19:52: Einige Medien lesen ihn als Parade des Hasses.
00:19:55: Außerdem wird er begriffen in dem Zusammenhang mit den angekündigten Chaos-Tagen von Punks verwendet.
00:20:01: Deshalb wird aus der Hate ParADE die Fuck Parade.
00:20:05: Der neue Name ist immer noch provokant aber eindeutiger.
00:20:09: Er meint Fuck The Love Parade.
00:20:13: Nicht im Sinn von, wir hassen Techno.
00:20:15: Sondern im Sinne von.
00:20:16: Wir akzeptieren nicht was aus dieser Parade geworden ist.
00:20:20: Die Kritik richtet sich dabei gegen mehrere Entwicklungen gleichzeitig Erstens gegen die Kommerzialisierung der Love Parade Zweitens gegen Verdrängung bestimmter Technostile.
00:20:29: Drittens gegen die Schließungen von Clubs und Freiräumen Und viertens gegen eine Stadtentwicklung die Subkultur zwar gerne als Image nutzt ihr aber zugleich die Räume entzieht.
00:20:39: Damit wird die Fact Parade zu mehr als einer musikalischen Gegenveranstaltung.
00:20:43: Sie ist ein Protest gegen eine bestimmte Art, Stadt und Kultur zu vermarkten.
00:20:47: In den offiziellen Follerungen der Fact Parades Jahrzehnteinundzwanzig tauchen deshalb Sätze auf wie Keine Zensur durch Kommerz, Love Parade raus aus dem Tiergarten, Leben statt Hauptstadt.
00:20:57: waren und keine Party ist illegal.
00:21:00: Das klingt auf den ersten Blick plakativ aber dahinter steckt ein sehr konkreter Streit um Orte Geld Sichtbarkeit und Deutungshoheit.
00:21:08: Diese Kritik fällt nicht aus dem Nichts.
00:21:10: Die Love Parade ist Ende der Neunzigerjahre längst nicht mehr nur ein Umzug von Clubs und DJ's, sie ist ein riesiges Medienereignis.
00:21:17: Fernsehsender übertragen live, Marken nutzen die Aufmerksamkeit, Wagen- und Werbeflächen werden für Sponsoren interessant.
00:21:24: In Darstellungen zur Love ParADE werden als Sponsorinnen und Medienpartner unter anderem Coca Cola, RTL II, Langnäsel, Camel, Ford, Clairoll, TD One, MTV und Viva genannt.
00:21:35: Dazu kommt die Kritik, dass manche Wagen nicht mehr primär von Clubs und Szene-Kollektiven geprägt werden.
00:21:41: Sondern von Agenturen, Werbeflächen und möglichst massenkompatibler Außenwirkungen.
00:21:46: Für The Fact Parade ist genau das der Bruch!
00:21:49: Die Love Parade verkauft sich weiterhin als Demonstration einer Kultur aber aus Sicht ihrer Kritiker ist sie längst Teil des Marktes geworden gegen den Sie einmal zumindest indirekt stand.
00:22:06: politischer.
00:22:07: Besonders interessant wird die Geschichte ab dem Jahr.
00:22:11: In diesem Jahr meldet Die Fug Parade eine Veranstaltung an, die in den Gerichtsunterlagen als fünf Jahre Hate Parade bezeichnet wird – wobei sich dieser Titel auf die Ursprünge der Parade vor der Umbenennung bezieht.
00:22:22: Geplant ist ein Sternmarch zum Alexanderplatz mit vierzig bis fünftig Lautsprecherwagen und etwa zehntausend erwarteten Teilnehmern.
00:22:30: Die Berliner Behörden erkennen die Veranstaltungen zunächst nicht als Versammlung an.
00:22:34: Ihre Begründung Für Außenstehende wirke das Ganze eher wie Musik, Tanz und Unterhaltung.
00:22:39: Damit steht die Fug Parade vor genau dem Problem, dass kurz zuvor auch die Love Parade trifft!
00:22:44: Die entscheidende Frage lautet – ist es noch eine Demonstration oder nur eine Party?
00:22:49: Der Unterschied liegt im politischen Gehalt.
00:22:52: Die Fug-Parade verweist auf Flugblätter, Banner, Internetauftritte und politische Veranstaltungen im Vorfeld.
00:22:58: Es geht um die Verdrängung von Subkulturen aus bestimmten Stadtteilen, um geschlossene Clubs, um aufgelöste Partys und um Die Love Parade als kommerzialisierte Pseudodemo.
00:23:08: Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet sieben Schließlich dass die Fug Parade zwei tausend Eins wie eine Versammlung zu behandeln gewesen wäre.
00:23:14: das Urteil ist spannend weil es Musik nicht automatisch unpolitisch macht.
00:23:20: das Gericht sagt im Kern Eine Veranstaltung kann Musik, Tanz und Unterhaltung enthalten.
00:23:25: Und trotzdem eine Versammlung sein, solange diese Elemente nicht erkennbar alles andere überlagern.
00:23:29: Entscheidend ist das Gesamtbild.
00:23:31: Bei der Fact Parade sprechen die Handtitel, Banner politischen Forderungen, die Internetseite und eine Podiumsdiskussion dafür dass es um öffentlichen Meinungsbildung geht.
00:23:40: Damit entsteht die Ironie, die bis heute an dieser Geschichte hängen bleibt.
00:23:44: Die Love Parade beginnt als Demonstration und verliert diesen Status bei Musik- und Eventcharakter überwiegen.
00:23:50: Die Fug Parade entsteht als Protest gegen diese Entwicklung und bekommt später juristisch bestätigt, dass sie als politische Versammlung zu behandeln ist.
00:23:57: Für die Technoszene ist das mehr als eine Fußnote.
00:24:00: Die Fog Parade zeigt, dass der Streit um die Love Parade nicht bloß ein Streit zwischen.
00:24:04: früher war alles besser und jetzt ist es eben größer wahr?
00:24:08: Es ging um die Frage wer eine Kultur repräsentiert wenn sie erfolgreich wird?
00:24:12: Die großen Bilder der Love Parades zeigen Millionen Menschen Trucks Kameras und Sponsoren Blobs die schließen, Stile, die nicht mehr ins Bild passen.
00:24:22: Leute, die sich fragen ob ihre Stadt sie noch will sobald ihre Kultur nicht verwertbar genug aussieht.
00:24:27: und damit für dieser kleine laute unbequeme Gegenentwurf direkt zurück zur Love Parade.
00:24:35: Als die Love Parades in Drei zum letzten mal durch Berlin zieht, begleist zunächst wie ein Abschied.
00:24:41: Auf den Bildern sieht alles vertraut aus.
00:24:44: Die Wagen rollen über die Straße des siebzehnten Juni Die Musik trönt zwischen den Siegesäulen und Brandenburger Tor.
00:24:51: Hunderttausende Menschen feiern wie in den Jahren zuvor, doch hinter den Kulissen gerät die Veranstaltung zunehmend unter Druck.
00:25:01: Der Verlust des Demonstrationsstatus hat spürbare Folgen.
00:25:05: Kosten, die früher anders behandelt wurden, landen nun bei den Veranstaltern.
00:25:09: Gleichzeitig ist die Love Parade längst so groß geworden um allein von Idealismus- und Szenebegeisterung getragen zu werden.
00:25:18: Sicherheit, Reinigung, Infrastruktur, Genehmigungen und Logistik verschlingen enorme Summen.
00:25:25: Hinzu kommt ein Problem das viele erfolgreiche Großveranstaltungen irgendwann trifft.
00:25:31: Der eigene Erfolg wird zur Belastung.
00:25:33: Die Besucherzahlen bewegen sich weiterhin in einer Größenordnung die Stadt Behörden- und Veranstalter jedes Jahr vor neue Herausforderungen stellt.
00:25:42: Nach jeder Parade müssen Straßen gereinigt, grünflächend in Stand gesetzt und Sicherheitskonzepte überprüft werden.
00:25:49: Die politischen Diskussionen werden härter.
00:25:52: Während die einen die Love Parade als kulturelles Aushängeschild Berlins sehen, sprechen andere vor allem über Kosten, Schäden oder organisatorischem Aufwand.
00:26:02: Vierfält die Veranstaltung erstmals aus.
00:26:05: Die Veranstalter erklären dass die Finanzierung nicht gesichert sei.
00:26:09: Sponsoren fehlen, die wirtschaftlichen Risiken sind zu groß geworden und die organisatorischen Voraussetzungen können nicht erfüllt werden.
00:26:17: Auch im Jahr war das Ende einer Ära.
00:26:24: Über anderthalb-Jahrzehnte war die Love Parade eng mit Berlin verbunden.
00:26:28: Bei den neunzenundneinziger Jahren an Berlindachte dachte oft auch an Techno, an die Straße des siebzehn Juni.
00:26:38: Doch die Geschichte ist noch nicht vorbei.
00:26:45: Der Unternehmer Rainer Schalla übernimmt mit seiner Firma Lopavent, die Markenrechte und kündigt einen Neustart an.
00:26:53: Schala ist zu diesem Zeitpunkt vor allem als Geschäftsführer der Fitnesskette McFitt bekannt.
00:26:59: Er verfügt über finanzielle Mittel- und organisatorische Strukturen, die eine Veranstaltung dieser Größenordnung inzwischen benötigt.
00:27:08: Die Parade findet noch einmal in Berlin statt und zieht nach Angaben der Veranstalter mehr als eine Million Menschen an.
00:27:16: Gleichzeitig wird deutlich, dass sich etwas verändert hat!
00:27:20: Die Love Parade ist nun endgültig kein Berliner Szeneprojekt mehr.
00:27:24: Sie ist eine professionelle Großveranstaltung geworden die wie eine Marke geführt wird.
00:27:29: Kurz darauf fällt eine Entscheidung.
00:27:31: dich viele überrascht.
00:27:34: Für viele Berliner wirkt das zunächst kaum vorstellbar.
00:27:40: Die Veranstaltung scheint untrennbar mit der Stadt verbunden zu sein, doch aus Sicht der neuen Betreiber ergibt der Schritt Sinn.
00:27:48: Im Ruhrgebiet läuft zu dieser Zeit die Vorbereitung auf das Kulturhauptstadtjahr Ruhe-Urk.
00:27:54: Die Region sucht nach Veranstaltungen mit internationaler Strahlkraft.
00:27:58: Städte im Revier hoffen Aufmerksamkeit Besucher und wirtschaftliche Impulse.
00:28:04: Die Love Parade scheint perfekt zu passen.
00:28:07: Statt dauerhaft an einem Ort stattzufinden, soll sie künftig durch verschiedene Ruhrgebietstädte wandern.
00:28:13: Sie findet in Essen statt.
00:28:16: Nach Angaben der Veranstalter kommen mehr als eine Million Besucherinnen und Besucher.
00:28:20: Die Veranstaltung gilt organisatorisch als Erfolg und bestätigt die Idee dass die Love Parades auch außerhalb Berlins funktionieren kann.
00:28:32: Wieder reisen hunderttausende Menschen an.
00:28:34: Die Parade zieht durch die Stadt, die Medien berichten ausführlich und die Love Parade bleibt eines der größten Musikevents Europas.
00:28:44: Hier zeigt sich ein Unterschied zu Berlin.
00:28:46: Berlin hatte über viele Jahre Erfahrung mit der Veranstaltung gesammelt.
00:28:51: Behörden, Veranstalter, Polizei- und Rettungsdienste kannten die Abläufe.
00:28:56: Im Ruhrgebiet beginnt dieser Prozess in jeder Stadt erneut.
00:29:00: Jede Kommune bringt andere Flächen, andere Verkehrswege und andere Sicherheitsanforderungen mit.
00:29:07: Wie wichtig dieser Unterschied ist wird es im Jahr twohundneun deutlich.
00:29:11: Eigentlich soll die Love Parade in Bochum stattfinden.
00:29:14: Die Stadt ist fest in das Rotationsmodell eingeplant.
00:29:18: Nach umfangreichen Prüfung kommen die Verantwortlichen jedoch zu dem Schluss dass die erwarteten Besucherströme nicht sicher bewältigt werden können.
00:29:27: Die Verkehrsführung gilt als problematisch und die Sicherheitsanforderungen lassen sich nach Einschätzung der Stadt nicht erfüllen.
00:29:38: Im Jahr Zwei-Tausendneun wird die Love Parade in Bochum abgesagt.
00:29:43: Die Entscheidung sorgt für Enttäuschung, gleichzeitig zeigt sie wie groß die Herausforderungen inzwischen geworden sind.
00:29:50: Zu diesem Zeitpunkt ahnt allerdings kaum jemand welche Bedeutung diese Absage später erhalten wird Denn die Love parade braucht weiterhin einen Austragungsort Und schon bald richtet sich der Blick auf eine andere Stadt im Ruhrgebiet, Duisburg.
00:30:07: Als Bochum Anfangsweitein neun die Love Parade absagt steht die Veranstaltung erneut vor einem Problem.
00:30:14: Zum zweiten Mal innerhalb weniger Jahre ist unklar wie es weitergehen soll.
00:30:20: Die Love Parades hat Berlin damals bereits verlassen.
00:30:23: Das neue Konzept sieht vor jedes Jahr in einer anderen Stadt des Ruhrgebiets stattzufinden.
00:30:29: Essen hat funktioniert Dortmund hat funktioniert.
00:30:33: Nun fällt Bruch um aus.
00:30:35: Eigentlich wäre das ein guter Moment gewesen, die ganze Idee noch einmal zu überdenken.
00:30:41: Stattdessen beginnt die Suche nach einer Alternative und die kommt mit Duisburg schneller als viele erwarten.
00:30:49: Die Stadt tat damals eine halbe Million Einwohner.
00:30:52: Wie viele Orte im Ruhrgebiet befindet sie sich mitten in dem Strukturwandel?
00:30:57: Zeichen schließen Industriearbeitsplätze verschwinden Und gleichzeitig sucht die Region nach einer neuen Identität.
00:31:04: Im Jahr Jahrzehnte soll dabei ein besonderes Jahr werden.
00:31:07: In Ruhe im Jahrzehn wird erstmals nicht eine einzelne Stadt, sondern ein gesamter Ballungsraum zur europäischen Kulturhauptstadt ernannt.
00:31:16: Über Monate hinweg sind Ausstellungen Konzerte Festivals und Großveranstaltungen geplant.
00:31:22: Das Rührgebiet möchte zeigen dass es mehr ist als Fördertürme Stahlwerke und alte Klischees.
00:31:29: Die Love Parade scheint dafür wie gemacht.
00:31:32: Kaum eine andere Veranstaltung erreicht so viele Menschen, kaum eine andere veranstaltung erzeugt so viele Bilder für Fernsehen, Zeitung und internationale Medien.
00:31:43: Für die Verantwortlichen bietet sich die Chance das Ruhrgebiet modern jung-und weltoffen zu präsentieren.
00:31:50: Im Sommer des Jahrhunderts fällschließlich die Entscheidung.
00:31:53: Die Loveparade soll in Duisburg stattfinden.
00:31:57: Die Veranstaltung ist gerettet.
00:32:00: Das Kulturhauptstadtjahr bekommt eines seiner größten Ereignisse, die Organisatoren können weiterplanen – doch die Entscheidung sorgt nicht überall für Begeisterung.
00:32:10: Denn worum hat die Veranstaltungen wenige Monate zuvor nicht ohne Grund abgesagt?
00:32:15: Dort waren die Verantwortlichen nach eigenen Prüfungen zum Schluss gekommen dass die erwarteten Besucherzahlen nicht sicher bewältigt werden könnten.
00:32:25: Duisburg kommt zur einer anderen Bewertung.
00:32:28: Die Stadt hält die Durchführung für möglich, damit beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.
00:32:34: Zwischen der Entscheidungen für Duisburg und der Veranstaltung liegen nur wenige Monate.
00:32:39: Konzepte müssen erstellt, Genehmigungen geprüft, Flächen vorbereitet und Abläufe geplant werden.
00:32:45: Veranstalter, Stadtverwaltungen, Polizei, Feuerwehr und zahlreiche weitere Stellen arbeiten an den Vorbereitungen.
00:32:54: Nach außen wirkt die Stimmung optimistisch.
00:32:57: In den Medien wird vor allem darüber gesprochen, wie viele Menschen erwartet werden.
00:33:02: Die Erinnerungen an diese riesigen Bilder aus Berlin Essen und Dortmund sind noch präsent.
00:33:08: Viele Besucher planen ihre Anreise lange im Voraus.
00:33:11: Für die meisten Menschen ist die Love Parade immer noch das was sie seit Jahren gewesen ist Ein riesiges Straßenfest Eine Party ein Sommertag mit Musik.
00:33:22: Mit dieser Erwartung eisen am vierundzwanzigsten Juli Hunderttausende Menschen nach Duisburg.
00:33:29: Niemand ant an diesem Morgen, dass die Love Parade nur wenige Stunden später für immer Geschichte sein wird.
00:33:37: Am Samstag, dem Vierundzwanzigsten
00:33:39: Juli-Zwz.,
00:33:41: wirkt zunächst alles wie ein ganz normaler Love Parades Tag.
00:33:45: Schon am frühen Morgen machen sich Menschen aus ganz Deutschland auf den Weg nach Duiskburg.
00:33:50: Einige sitzen in überfüllten Regionalzügen andere fahren mit Freunden im Auto.
00:33:56: Viele haben sich seit Wochen auf diesen Tag gefreut.
00:33:59: Für manche ist es die erste Love Parade, andere waren schon in Berlin Essen oder Dortmund dabei.
00:34:05: Die Erwartungen sind überall ähnlich Musik, Freunde Sommer Ein Tag an dem man einfach feiern kann.
00:34:13: Während die Besucher unterwegs sind laufen auf dem ehemaligen Güterbahnhof die letzten Vorbereitung.
00:34:19: Techniker prüfen Anlagen Mitarbeiter kontrollieren Absperrungen und auf dem Gelände beziehen die Trucks ihre Position.
00:34:27: Es wirkt alles bereit.
00:34:29: Gegen Mittag fühlen sich die Straßen rund um den Duisburger Hauptbahnhof zunehmend.
00:34:35: Immer mehr Menschen strömen in dieselbe Richtung, viele folgen einfach der Menge.
00:34:40: andere orientieren sich an den Schildern oder fragen Passanten nach dem Weg.
00:34:45: Die meisten denken zu diesem Zeitpunkt nicht über Sicherheitskonzepte nach.
00:34:48: Sie wollen zu Love Parade Mehr Nicht.
00:34:51: Der Weg führt viele Besucher über die Karl-Lehrstraße in Richtung Veranstaltungsgelände.
00:34:57: Dort bewegen sich Menschen zunächst langsam, aber stetig vorwärts.
00:35:01: Wer regelmäßig auf Festivals oder Konzerten unterwegs ist, kennt solche Situationen.
00:35:06: Man wartet ein wenig, kommt wieder ein Stück weiter und irgendwann öffnet sich die Menge wider.
00:35:12: Anfangs wirkt es auch hier so – doch je mehr Menschen eintreffen, desto langsamer wird die Bewegung.
00:35:18: Aus Gehen wird warten Aus Minuten werden längere Minuten.
00:35:23: Immer häufiger bleiben Gruppen stehen, bevor ihnen nichts mehr vorangeht.
00:35:28: Trotzdem bleibt die Stimmung zunächst ruhig.
00:35:31: Viele unterhalten sich mit Freunden Manche trinken etwas andere machen Fotos oder telefonieren.
00:35:37: Die Musik vom Gelände ist bereits zu hören.
00:35:40: Das Ziel scheint nicht mehr weit entfernt.
00:35:43: Das macht die Situation trügerisch, weil die Trucks hören kann.
00:35:47: Wer weiß als die Veranstaltung nur wenige hundert Meter entfernt beginnt denkt nicht daran umzudrehen.
00:35:52: Man wartet.
00:35:54: irgendwann wird es schon weitergehen.
00:35:56: Am frühen Nachmittag kommen immer mehr Menschen dazu.
00:36:00: Die Abstände zwischen den Besuchern werden kleiner.
00:36:03: wer sich bewegen möchte muss inzwischen darauf achten niemanden anzurämpeln.
00:36:08: Einige versuchen seitlich auszuweichen Andere suchen eine Lücke in der Menge.
00:36:13: Doch die meisten bleiben einfach dort, wo sie sind.
00:36:17: Schritt für Schritt verdichtet sich der Bereich von dem Veranstaltungsgelände.
00:36:21: Für viele fühlt sich das noch immer nicht außergewöhnlich an.
00:36:25: Große Veranstaltung bedeuten Getränke – das gehört dazu!
00:36:28: Die wenigsten Menschen sehen einen Grund zur Sorge.
00:36:31: Wir sehen nur die Leute direkt vor sich und hören die Musik.
00:36:35: Sie warten darauf endlich weitergehen zu können.
00:36:38: Einige beginnen inzwischen auf Zäune, Treppen oder erhöhte Stellen zu klettern um zu erkennen wie weit es noch bis zum Gelände ist.
00:36:46: Andere schicken Nachrichten an Freunde die bereits angekommen sind oder irgendwo in der Menge feststecken.
00:36:52: Niemand hat den vollständigen Überblick.
00:36:55: Jeder erlebt nur seinen kleinen Ausschnitt dieses Tages.
00:36:58: Für die meisten Besucher ist die Situation zu diesem Zeitpunkt vor allem eines Anstrengend nicht bedrohlich.
00:37:05: Noch Nicht Viele Menschen, die an diesem Nachmittag zur Love Parade wollen sehen nur die Rücken vor sich und die Menschen hinter ihnen sehen dasselbe.
00:37:16: Gegen fünfzehn Uhr beginnt sich auf der Rampe zum Veranstaltungsgelände ein Rückstau zu bilden.
00:37:22: Immer mehr Besucher erreichen den Bereich von dem ehemaligen Güterbahnhof.
00:37:26: Gleichzeitig gelingt es nicht die Menschen wie geplant auf dem Gelände zu verteilen.
00:37:31: Um etwa fünfzehnhundreißig bittet der Veranstalter die Polizei um Unterstützung.
00:37:37: Wenig später werden Polizeiketten eingerichtet.
00:37:40: Besucherströme werden gestoppt, umgeleitet und erneut freigegeben.
00:37:45: Für die meisten Menschen vor Ort sind diese Entscheidungen unsichtbar.
00:37:49: Sie spüren nur dass die Bewegung immer wieder zum Erliegen kommt.
00:37:53: Im Tunnel wird gesungen.
00:37:54: Die damals siebzehnjährige Besucherin Jessica Plönes erinnert sich später daran das viele Menschen Seven Nation Army anstimmten.
00:38:03: Es klang nach Vorfreude Nach Festivill nach einem Sommertag, der gerade erst beginnt.
00:38:09: Nur wenige ahnen das sich die Situation bereits zuspitzt Aber etwa sechzehn oder fünfzehn werden die Sperren im Tunnel schrittweise aufgegeben.
00:38:19: Menschen strömen nun gleichzeitig aus mehreren Richtungen auf die Rampe.
00:38:24: Dort treffen Besucher aufeinander Die hinein wollen und andere die das Gelände bereits wieder verlassen möchten.
00:38:31: Die Menge wird dichter.
00:38:33: Immer mehr Menschen versuchen, einen Ausweg zu finden.
00:38:36: Einige klettern auf Lichtmasten andere ziehen sich an Bauzäuen hoch oder steigen auf ein Container am Rand des Zugangsbereichs.
00:38:46: Die schmale Treppe neben der Rampe wird für viele zu einem scheinbaren Fluchtweg.
00:38:51: Er oben steht hat wenigstens Luft.
00:38:53: Wer unten steht sieht vor allem Menschen.
00:38:56: Später wird Anna Friedrich, Redakteurin des Kölner Stadtanzeigers erzählen dass sie kurz vor dem Tunnel über einem seitlichen Zugang auf eine andere Rampe geleitet worden sei.
00:39:07: Jahre später sagt sie über diesen Moment die Rampe hat uns wohl das Leben gerettet.
00:39:12: Für tausende andere gibt es diesen Ausweg nicht.
00:39:16: Gegen siebzehn Uhr erreicht die Situation ihren schlimmsten Punkt.
00:39:20: Im Bereich der Treppe und am unteren Teil der Rampe gehen Menschen zu Boden.
00:39:24: Andere stürzen nach Wieder andere versuchen verzweifelt, Verletzte hochzuziehen oder Platz zu schaffen.
00:39:32: Das Tragische ist dass viele Besucher noch immer nicht verstehen was wenige Meter entfernt geschieht.
00:39:38: Während einige bereits im Luft dringen hören anderen doch Musik vom Gelände und während erste Widerbelebungsmaßnahmen beginnen warten andere weiterhin darauf endlich hineinzukommen.
00:39:49: die Katastrophe hat keinen einzelnen Knall kein Einsturz.
00:39:54: Sie entsteht mitten in einer Menschenmenge, in der die meisten nur ihren eigenen kleinen Ausschnitt wahrnehmen können.
00:40:01: Besucher bilden Hilfsketten.
00:40:03: Verletzte werden über Absperrungen gehoben.
00:40:06: Rettungskräfte versuchen sich durch die Menge zu arbeiten.
00:40:10: Als sie damals siebzehnjährige Jessica Plönes später wieder zu sich kommt, so berichtet er Spiegel hört sie einen Sanitäter sagen «die lebt ja noch».
00:40:19: Auf ihr liegt eine Frau, die die Situation kurz zuvor noch in Worte gefasst hatte.
00:40:24: Ich habe solche Angst, wir werden sterben.
00:40:27: Die Frau überlebt die Katastrophe nicht.
00:40:31: Gegen achtzehn Uhr informiert die Polizei erstmals öffentlich über Tote und Verletzte.
00:40:37: Am Ende sterben einundzwanzig Menschen.
00:40:40: Mehr als sechshundertfünfzig weitere werden verletzt.
00:40:43: Die meisten Opfer sind junge Erwachsene.
00:40:46: Während Rettungskräfte noch um Menschenleben kämpfen läuft die Veranstaltung auf dem Gelände zunächst weiter.
00:40:52: Neue Besucher werden nicht mehr eingelassen Notausgänge werden geöffnet und die gesperrte A-五zig dient als zusätzlicher Fluchtweg.
00:41:01: Als sie Love Parade gegen dreiundzwanzig Uhr endet, ist längst klar dass dieser Tag ein Platz in der deutschen Geschichte bekommen wird – aber nicht wegen der Musik!
00:41:11: Wegen der Menschen, die nicht mehr nach Hause zurückkehren.
00:41:19: Als Sie Love Parades am Abend des vierundzwansigsten Juli zehnendet, is das Unglück längst nicht vorbei.
00:41:27: Für viele Menschen beginnt es da erst.
00:41:30: In Duisburg suchen Angehörige nach ihren Kindern, Partnern, Geschwistern und Freunden.
00:41:36: Einige wissen nur dass jemand nicht ans Telefon geht.
00:41:39: andere rufen Krankenhäuser an oder warten auf eine Nachricht die hoffentlich nicht kommt.
00:41:46: Schon am Abend der Katastrophe beginnt auch die öffentliche Suche nach Antworten.
00:41:50: Wie konnte das passieren?
00:41:52: Wer hatte die Verantwortung Und warum wurde die Veranstaltung überhaupt an diesem Ort genehmigt?
00:41:58: Am einundreißigsten Juli Jahrzehnten findet in der Duisburger Selvator-Kirche ein zentraler ökumenischer Trauergottesdienst statt.
00:42:07: Bundespräsident Christian Wulf, Bundeskastlerin Angela Merkel und NRW Ministerpräsidentin Hannelore Kraft nehmen teil.
00:42:15: Wegen der großen Zahl der Trauernen wird der Gottesdienst auch ins Stadion des MSV Duisburg und den mehreren Kirchen übertragen.
00:42:25: Für jedes der einundzwanzig Opfer wird eine Kerze entzündet.
00:42:29: Am Nachmittag ziehen nach Polizeiangaben etwa fünftausend Menschen durch Duisburg.
00:42:34: Sie lassen einundzwanzig schwarze Balance steigen für die einund zwanzig Menschen, die gestorben sind und fünfhundertelf weiße Balance für die damals gezielten Verletzten.
00:42:45: Später wird die Zahl der Verletzen auf mindestens sechshundert zweiundfünfzig beziffert aber solche Zahlen können nur einen Teil erzählen denn viele Wunden sind nicht sichtbar.
00:42:57: Überlebende berichten später von Schlafstörungen, Angst vor Menschenmengen, Panik bei Geräuschen, Konzentrationsprobleme und Schuldgefühlen.
00:43:06: Manche können keine Konzerte mehr besuchen andere meiden Bahnhöfe volle Hörsäle oder Einkaufsstraßen.
00:43:14: einige suchen jahrelang nach Bildern Videos und Berichten weil sie verstehen wollen was an diesem Tag passiert ist.
00:43:22: Jessica Plönes beschreibt Jahre später, wie tief sich der Tag in ihr Leben eingegraben hat.
00:43:28: Menschenmengen werden für sie zu Belastung.
00:43:31: Clubs und Partys verlieren jede Unbeschwertheit.
00:43:34: Über hohe Töne sagt sie zum Spiegel – wenn ich hohe Thöne höre ist alles sofort wieder da!
00:43:41: Auch die Jahrestage werden für viele überlebende schwierig.
00:43:45: Jessica erzählt dass sie oft zur Gedenkstätte an der Rampe geht Dorthin, wo Fotos Blumen und Kerzen an die einundzwanzig Toten erinnern.
00:43:54: An einen Ort, an dem für viele Menschen ein Tag nicht endet nur weil der Kalender weiterläuft.
00:44:01: In den Jahren nach der Katastrophe kommt es unter Betroffenen nach Medienberichten zumindest sechs Suiziden.
00:44:08: Diese Zahl muss vorsichtig erzählt werden.
00:44:11: Nicht jede persönliche Geschichte lässt sich vollständig auf ein einzelnes Ereignis zurückführen Aber sie zeigt, wie weit die Folgen dieses Tages reichen.
00:44:20: Die Love-Thrade-Katastrophe endet nicht mit der Räumung der Rampe – sie bleibt in Körpern Beziehungen Familien und Erinnerungen.
00:44:28: Während Angehörige und Überlebende versuchen mit dem Geschehen weiterzuleben beginnt in Duisburg fast sofort ein zweiter Kampf Der Kampf um Verantwortung.
00:44:39: Schon am Abend des Unglücks werden erste Erklärungen öffentlich, die später bitter wirken.
00:44:45: Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland sagt auf einer Pressekonferenz, nach dem damaligen Kenntnisstand seien die Toten entstanden wenn Menschen Sicherheitsvorkehrungen über Kletter täten und dann abgestürzt sein.
00:44:59: Diese Darstellung hält nicht!
00:45:01: Das Obdoktionsergebnis zeigt später dass mindestens zwanzig der Todesopfer an massiver Brustkompression starben Nicht an einem Sturz von einer Treppe oder weil sie selbst leichtsinnig gehandelt hätten.
00:45:14: In den Tagen danach beginnt ein öffentliches Hin und Her.
00:45:18: Veranstalter Rainer Schaller verweist auf Entscheidungen der Polizei.
00:45:22: Die Polizei und das Nordrhein-Westfälische Innenministerium weisen Verantwortung in Richtung Veranstalter und Stadt.
00:45:29: Die Stadt Duisburg legt einen Zwischenbericht vor und erklärt, sie habe ihre gesetzlichen Pflichten erfüllt.
00:45:35: Für die Angehörigen klingt das wie ein kaum ertricklicher Chor aus Zuständigkeiten.
00:45:41: Jeder erklärt, warum er nicht allein verantwortlich sei.
00:45:45: Aber einundzwanzig Menschen sind tot!
00:45:48: Am Tag nach dem Unglück stellt die Staatsanwaltschaft Duisburg Unterlagen der Stadt und des Veranstalters sicher – es wird wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötungen und fahr lässigen Körperverletzungen ermittelt.
00:46:01: Wenige Tage später werden die weiteren polizeilichen Ermittlungen aus Naturalitätsgründen an das Polizeipräsidium Köln übertragen.
00:46:08: Schon früh rückt eine Frage in den Mittelpunkt Hätte die Love Parade an diesem Ort überhaupt genehmigt werden dürfen?
00:46:17: Es geht um das ehemalige Güterbahnhof-Gelände.
00:46:20: Die Tunnel, die Rampen, die Eingangsschleusen, Besucherströme, Fluchtwege und Zuständigkeiten.
00:46:26: Es gibt um Pläne, Berechnungen, Warnung, Änderungen und Entscheidungen, die vor dem vierundzwanzigsten Juli getroffen wurden.
00:46:34: Im September, sieht ein Gutachten für das NRW Innenministerium Verantwortung bei der Stadtverwaltung und beim Veranstalter Lupa Wendt.
00:46:43: Die Stadt Duisburg weist in ihrem eigenen Bericht eine Verantwortung zurück.
00:46:47: Am Elften Juli, zeilte die Staatsanwaltschaft mit, dass die Genehmigung für die Love Parade aus ihrer Sicht rechtswierig gewesen sei.
00:46:57: Am selben Tag entschuldet sich Adolf Sauerland öffentlich bei den Betroffenen.
00:47:01: Er sagt, er trage als Oberbürgermeister moralische Verantwortung.
00:47:05: Eigene Fehler räumt er nicht ein – für viele Duisburger reicht das nicht.
00:47:10: Im Oktober-Zw.A.
00:47:12: legt die Bürgereinitiative Neuanfang für Duisburg mehr als neunundsebzig tausend Unterschriften für einen Abwahlverfahren vor.
00:47:21: Sauerland lehnt einen Rücktritt weiterhin ab.
00:47:24: Am zwölften Februar-Zweifel Stimmen die Duisbürger in einem Bürgerentscheid mit großer Mehrheit für seine Abwahl?
00:47:31: Es
00:47:32: ist das erste Verfahren dieser Art, im Nordrhein-Westfalen.
00:47:35: Doch auch damit ist die juristische Aufarbeitung noch lange nicht abgeschlossen.
00:47:40: Seit Jahrzehnten werden Gutachten bekannt, die schwere Planungsfehler und Versäumnisse beim Sicherheitskonzept feststellen.
00:47:48: Besonders wichtig wird später die fachliche Rekonstruktion des Verkehrs- und Sicherheitsexperten Jürgen Gerlach.
00:47:55: Sein Gutachten beschreibt, dass das Veranstaltungsgelände für das Konzept der Love Parade Jahrzehnte und die erwarteten Besucherströme nicht geeignet war.
00:48:05: Vor allem im Bereich Oberhalb der Rampen und die Eingangsschleusen seien viel zu schmal geplant und ausgeführt gewesen.
00:48:12: Im Februar ist die Staatsanwaltschaft Duisburg anklage.
00:48:17: Beschuldigt werden sechs Beschäftigte der Stadt Duisbruck und vier Mitarbeiter des Veranstalters Loper Wendt.
00:48:24: Der Vorwurf lautet fahrlässige Tötung und fahr lässige Körperverletzung.
00:48:30: Rainer Schaller und Adolf Sauerland werden nicht angeklagt, für viele Angehörige ist schon das schwer zu akzeptieren.
00:48:38: Dann beginnt ein jahrelanges juristisches Ringen darum ob es überhaupt zu einem Prozess kommt.
00:48:44: In den letzten Jahren lehnte das Landgericht Duisburg die Eröffnung des Hauptverfahrens zunächst ab.
00:48:50: Die Staatsanwaltschaft und Nebenkleger legen Beschwerder in.
00:48:56: Das Oberlandsgericht Düsseldorf entscheidet, dass der Prozess stattfinden soll.
00:49:00: Am achten Dezember beginnt schließlich die Hauptverhandlung – mehr als sieben Jahre nach der Katastrophe.
00:49:08: Aus Platzgründen findet der Prozesse in einem Saal des Düsseldover Kongresszentrums statt.
00:49:14: Angehörige, Überlebende und Nebenkläger sitzen dort Menschen gegenüber, die sie jahrelang nur aus Akten, Nachrichten- und Pressekonferenzen kannten.
00:49:22: Der Prozess wird eine der umfangreichsten der deutschen Nachkriegsgeschichte.
00:49:27: Einhundertvierundachtzig Verhandlungstage, knapp zweieinhalb Jahre – Gutachten, Pläne, Videos, Zuständigkeiten, juristische Detailfragen und immer wieder dieselbe zentrale Spannung.
00:49:41: Alle wissen dass Menschen gestorben sind alle wissen das schwere Fehler passiert sind.
00:49:46: aber ein Strafprozess muss mehr leisten als moralische Empörung.
00:49:51: Er muss einzelnen Angeklagten konkrete Schuldnachweisen.
00:49:55: Genau daran wird das Verfahren am Ende aber scheitern.
00:49:59: Im Mai wird es gegen sieben oder zehn Angeclagten eingestellt, im Mai werden auch die Verfahren gegen die letzten drei Angeglagten angestellt.
00:50:09: Das Gericht verweist unter anderem auf die zu erwartenden Einschränkungen durch die Corona-Pandemie und die drohende Verjährung.
00:50:17: Damit endet das Strafverfahren ohne Urteil ohne Freispruch, ohne Verurteilung.
00:50:23: Für viele Angehörige ist das kaum auszuhalten denn juristisch bedeutet die Einstellung nicht dass nichts falsch gelaufen ist.
00:50:31: sie bedeutet auch nicht dass die Katastrophe unvermeidbar gewesen wäre aber sie bedeutet dass niemand strafrechtlich verurteilt wird.
00:50:40: zurück bleibt eine Lücke zwischen dem Wissen was etwas geschehen ist das nie hätte geschehn dürfen und einem Rechtssystem das am Ende kein Urteil spricht.
00:50:51: In Duisburg bleibt die Erinnerung trotzdem sichtbar.
00:50:54: Am Unglücksort entstehen Gedenkzeichen, Blumen, Kerzen, Fotos und persönliche Gegenstände werden abgelegt.
00:51:02: Später erinnern eine Gedenktafel, einundzwanzig Kreuze oder eine gestaltete Gedenksstätte an die Opfer.
00:51:10: Von dem Duisburger Hauptbahnhof entsteht ein Arrangement aus einundzwanzig Stahlkuben mit Magnolien.
00:51:16: Zum fünften Jahrestag wird die Stiftung Duisburg, Vierundzwanzigster, Siebter, Jahrzehnteinzehn gegründet.
00:51:22: Sie unterstützt Menschen, die durch die Katastrophe in Not geraten sind, pflegt die Gedenkstätten und richtet Gedenkefeiern aus.
00:51:30: Diese Orte können nichts rückgängig machen – aber sie verhindern dass die Katostrophe nur noch als Akte-, Verfahren- oder Sicherheitslehrer weiterliebt.
00:51:39: Denn hinter jedem Gutachten, hinter jedem Prozesstag und hinter jeder Zahl steht ein Mensch!
00:51:45: Ein Mensch, der zu Love Parade gefahren ist und nicht zurückkam.
00:51:49: Oder zurück kam und nie wieder derselbe
00:51:52: war.".
00:51:56: Als Rainer Schaller am fünfundzwanzigsten Juli Jahrzehnte das Ende der Love Parades bekannt gibt scheint damit auch ein Kapitel deutscher Kulturgeschichte abgeschlossen sein.
00:52:07: Nach mehr als zwanzig Jahren gibt es keine nächste Parade – keine neue Gastgeberstadt und keinen Neustart!
00:52:14: Für viele Menschen ist die Love Parade seit diesem Moment untrennbar mit Duisburg verbunden.
00:52:19: Und trotzdem verschwindet das für sie einmal stand, nicht einfach?
00:52:23: Denn die Musik, die Clubs und die Szene bleiben.
00:52:27: Auch Matthias Röhn den die meisten als Dr.
00:52:30: Motte kennen zieht sich nicht zurück.
00:52:33: Immer wieder spricht er einen Jahr danach über die ursprüngliche Idee der ersten Love Parades Über Gemeinschaft, Frieden und die Vorstellung dass Musik-Menschen zusammenbringen kann.
00:52:44: fast wirkt es, als schließt er sich langsam ein Kreis.
00:52:48: Während die Love Parade längst Geschichte ist, verändert sich auch der Blick auf die Kultur aus der sie entstanden ist.
00:52:54: Aus Ende der neunzehntachtiger Jahre für viele noch als Randerscheinung galt wird Jahrzehnte später offiziell anerkannt.
00:53:02: Das sind vierundzwanzig wird die Berliner Technokultur in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen Eine Entwicklung, die sich in den vergangenen Jahren wohl kaum jemand hätte vorstellen können als rund zu uns über den Kurfürstendamm ziehen.
00:53:26: Und dann geschieht noch etwas.
00:53:36: Rainer Schaller erlebt das Wiederaufleben der Berliner Paraden nur noch kurze Zeit.
00:53:41: Um Oktober-Zw.A.
00:53:43: kommt er bei einem Flugzeugabsturz vor Costa Rica ums Leben.
00:53:48: Damit sind zwei der prägenen Figuren der Love Parade Geschichte bis heute auf sehr unterschiedliche Weise mit ihrem Vermechnis verbunden.
00:53:56: Die Bilder von Raves Planet wirken vertraut, wieder ziehen Trucks durch Berlin über die Straßen des siebzehnten Juni Wieder tanzen hunderttausende Menschen zwischen Siegeszollen und Brandenburger Tor.
00:54:09: Und doch ist es nicht die Love Parade!
00:54:12: Die Veranstaltung versteht sich bewusst als ein neues Projekt, nicht als Vorsetzung einer Marke sondern als Demonstration für elektronische Musikkultur und ihre gesellschaftliche Bedeutung.
00:54:24: Die Vergangenheit fährt dabei immer mit.
00:54:27: Wer die Geschichte kennt kann die Bilder kaum noch sehen ohne auch an Duisburg zu denken.
00:54:32: Die Erinnerung an die Jahre des Aufbruchs.
00:54:37: Aber auch die Erinnerungen, an die Menschen, die im Jahr Jahrzehnte ihr Leben verloren.
00:54:42: Die Love Parade ist vorbei.
00:54:44: Ihre Geschichte endet in Duisburg.
00:54:47: Die Kultur aus der sie entstanden ist existiert dagegen bis heute – in Clubs auf Festivals und Demonstrationen!
00:54:54: Und jedes Jahr auch an einem Ort, der in dieser Geschichte immer wieder auftaucht.
00:54:59: Auf der Straße des siebzehnten Junys wo einst hunderttausende Menschen tanzen eine kleine Berliner Idee zu einem weltweiten Symbol wurde.
00:55:08: Und dort, wo man heute vielleicht besser als irgendwo sonst erkennen kann das Erinnern und weitermachen manchmal gleichzeitig stattfindet.
00:55:17: Die Love Parade ist Geschichte.
00:55:18: die Fragen bleiben, die Musik auch.
00:55:27: Eine krasse Geschichte irgendwie ne?
00:55:29: Ich fand es jetzt schon ziemlich bedrücklich ehrlich gesagt.
00:55:32: Bin so interessativ eingestiegen.
00:55:34: Mir war schon bewusst was es für ein Ausmaß war aber ich finde schon dass man mit den Zahlen und Daten Dann noch mal eine größere Dramatik.
00:55:41: Wie fühlst du dich damit gerade so?
00:55:43: Ähnlich.
00:55:46: Man muss natürlich auch immer was passiert ist, aber ich hab die Zahlen nie vor Augen gehabt.
00:55:52: Da waren Tote und Verletzte, da wird die genauen Zahlen zuhören.
00:55:56: Ich finde es interessant mit dieser Diskrepanz zwischen Marketing und Realität haben wir nächste Woche als Thema Und ist hier in der Stadt, im Ruhrgebiet schon öfter mal ein Thema.
00:56:13: Ich war selber lange Zeit an einem Kulturverein mit drin wo wir Veranstaltungen hatten und die Stadt hat immer damit geworben in so Flyern vom Stadtmarketing was dann heißt, hier eine tolle Kultur und tolle Konzerte.
00:56:26: und wenn mir da mal einen Konzert gemacht haben stand es ordnungsamt vor der Tür den Laden halt abends dichtgemacht.
00:56:33: Wir hatten eine Podiumsdiskussion mit der Oberbürgermeisterin die da auch nicht viel zu sagen konnte außer immer dranbleiben.
00:56:39: Er ist aber an wen denn eigentlich?
00:56:41: Da ist dann auch wieder keiner verantwortlich, weil es immer der andere ist schuld und das hier so ein perfektes Beispiel für sowas.
00:56:50: Ich war's nicht und neunsebzig tausend Menschen sind mich jetzt doof, aber ich bleib beim Amt!
00:56:56: Das finde ich so krass auch.
00:56:57: Also letztendlich habe ich auch ehrlich gesagt beim Lesen gedacht... ...ich hab wenn nur eine Veranstaltung von kleinen Demonstrationen auch teilgenommen und hab mich da nicht mit den Sicherheitsregelungen auseinandersetzen müssen.
00:57:11: Ich kann mir aber auch vorstellen, dass es in so einer Zeit wie damals vor allem darum ging, das Festival cool zu gestalten, wie du zum Beispiel von den Unipartys berichtet hast.
00:57:19: Dass man natürlich nicht möchte, dass schlimme Dinge passieren, aber man damit nicht rechnen kann.
00:57:26: Andererseits scheint es doch bewusst gewesen sein, dass das halt einfach zu eng gewesen ist.
00:57:31: Und vor allem in der Diskussion danach halt so eine Stellung einzunehmen, wie der Herr Sauerland das da getan hat.
00:57:38: Finde ich jetzt im Nachhinein... Ich kenne ehrlich gesagt nur diese Erzählungen jetzt davon und ich habe das damals nicht mitbekommen.
00:57:45: aber das hört sich jetzt schon wirklich extrem problematisch an.
00:57:48: Ich denke da werden viele mehr die als auch zuhörigen irgendwie in den Nachrichten damals mit bekommen haben also ich.
00:57:56: Ich kenn' auch die Location gar nicht!
00:57:57: Ich hab mir noch mal Bilder angeschaut.
00:58:01: Das scheint ja wirklich direkt dann neben dem Hauptbahnhof zu sein und alle, die uns hören, die schon mal mit dem Zug durchs Rohrgebiet oder durch Duisburg gefahren sind.
00:58:09: Die kennen den Hauptbahnhofer auf jeden Fall.
00:58:10: das ist der, der mit Panzerteb zusammen geklebt wurde.
00:58:14: Und scheinbar ist es direkt daneben.
00:58:16: also ich kann's jetzt auch nicht einschätzen.
00:58:17: Das Einzige wo ich mal in Duisburger Veranstaltung war war zweite Bundesliga vor einigen Jahren vor Corona noch, wo wir dann auch zum MSV Stadion gefahren haben.
00:58:27: aber du bist dann auch so durchgeleitet.
00:58:29: Vielleicht gibt es mittlerweile andere Wege, aber auch durch so eine sehr enge Brücke.
00:58:32: Wenn du mit ein paar Tausend auswärts Fins durchläufst oder wenn da jetzt ne Love Parade wäre, ich kann mir schon vorstellen wie sich das anfühlt in so einer Brücke in Duisburg festzustecken.
00:58:41: Ich weiß noch nicht wo's in Dortmund oder in Essen stattgefunden hat.
00:58:44: Das hätten wir mal nachschauen können, hab ich jetzt nicht dran gedacht.
00:58:48: Aber bei Bochum hätte ich jetzt auch überlegt, wo würde hier denn ne Love-Parade stattfinden können?
00:58:53: Da habe ich mich auch gefragt!
00:58:55: Also es ist sehr plausibel, dass das abgesagt wurde.
00:58:57: Weil mir würde keine Fläche oder irgendwie einfallen... also unabhängig davon, dass Buchum eine einzig Baustelle ist und man hätte das ja nicht direkt aufheben können.
00:59:07: Ich gehe davon aus, als es damals auch so war.
00:59:08: Das sind die A-Fürzig-Sperren und einmal durchs Ruhrgebiet komplett ziehen?
00:59:12: Das wäre cool!
00:59:13: Das gab's auch im Kulturhauptstadtjahr, was für einen Wochenende oder einen Tag die Fürzig gesperrt haben, dann konntest du da quasi auf der Führzig lang laufen Und dann gab es auch so Tücher und sowas, was man da sitzen konnte.
00:59:25: Also alle die uns hören und das Ruhrgebiet oder die A-Fürzig nicht kennen.
00:59:29: Ja, A-fürzig ist
00:59:30: der größte Parkplatz im Ruhrgebiet.
00:59:33: Deswegen ja also gerade so Verkehr und Co.
00:59:36: in dem Ruhr Gebiet immer sehr schwierig auch essen, als ich da gewohnt habe, wenn ich da Hauptbahnhof Limmbecker Platz finde ich auch mal sehr anstrengend zu fahren dort.
00:59:45: Es gibt
00:59:46: viele
00:59:46: breite Straßen wo man bestimmt etwas veranstalten kann.
00:59:49: aber ich kann's verstehen dass Wir sind in der Stadt Bochum, dann sagt es keine Ahnung wo und mir fehlt auch die Fantasie.
00:59:56: Wenn man nicht gerade irgendwie auf eine riesen Freifläche geht.
00:59:59: Und ich glaube sie sind ja auch zu der Zeit damals Brachland gibt's jetzt hier.
01:00:03: diese Mark hat sich oder wie heißt das ehemalige Opelwerk was ja damals noch stand hat sehr erwähnt eine Struktur wandelt und alles hat geschlossen.
01:00:11: Das Opel Werk war damals glaube ich auch noch im Betrieb zurzeit oder wurde auch geschlossen zu dieser Zeit.
01:00:16: Dementsprechend hier das Tüssengelände ist ja auch noch bebaut Ist ja hier direkt um die Ecke von wo wir gerade sitzen.
01:00:23: Oh, jetzt haben wir zum ersten Mal getroppt dass wir in Bochum sind.
01:00:25: Wir haben Anfang der Folge schon gedacht aber du bist immer detailliert.
01:00:30: Ja man hätte in meinem riesigen Palast wo er auch schon Aliens mit Pfannkuchen gelandet sind und veranstalten können aber ich wurde nicht gefragt Ich hätte... Auch Eierkuchen serviert ist da auch mal ein sehr toller Snack für Paraden.
01:00:42: So wie kommen wir jetzt zu den Snacks?
01:00:45: Geht lieber mal arbeiten!
01:00:47: Natürlich was vernünftiges Erstens.
01:00:53: Die erste Love Parade war kleiner als manche Geburtstagsfeier.
01:00:57: Als Dr.
01:00:58: Motte und Daniel de Pitiotto in neunundachtzig die Erste Love Parades veranstalten, laufen gerade einmal etwa einhundertfünfzig Menschen über den Kurfürstendamm.
01:01:07: Zwölf Jahre später sprechen Veranstalter von mehr als einer Millionen Besucher.
01:01:11: Zweitens – die Love ParADE war ursprünglich eine politische Demonstration.
01:01:17: Friede Freude Eierkuchen!
01:01:19: Bei nicht nur ein Party-Motto.
01:01:21: Dr.
01:01:21: Motte verstand darunter Frieden durch Abrüstung, Freude durch Musik und Eierkuchen als Symbol für gerechte Verteilungen von Nahrung.
01:01:30: Erst später verlor die Love Parade ihren Demonstrationsstatus.
01:01:45: Ironischerweise erkannten Gerichte später der Fuck Parade einen politischen Charakter zu, während die Love Parade rechtlich nicht mehr als politische Demonstrationen galt.
01:02:07: entwickelten in den neunzehnachtziger Jahren den Sound, der später die Berliner Klubszene und die Love Parade prägen sollte.
01:02:15: Fünftens – Die Nachfolgerin der Love Parades ist keine Nachfolgarin.
01:02:20: Seit zwei tausend zwanzig zieht Rave the Planet wieder über die Straßen des siebzehnten Juni.
01:02:25: Organisiert wird die Parade von Dr.
01:02:27: Motte einem der Gründer der Love parades.
01:02:30: Trotzdem versteht sie sich nicht als Wiederbelebung der Parade, sondern als eigene politische Demonstration für den Erhalt und die Anerkennung elektronischer Musikkultur.
01:03:00: prägte das Bild Berlins und veränderte die Geschichte der Clubkultur weit über Deutschland hinaus.
01:03:07: Doch ihre Geschichte endet nicht dort, wo sie begann – sie endete in Duisburg mit einundzwanzig Menschen, die nicht nach Hause zurückkehrten und mit hunderten anderen, die diesen Tag bis heute mit sich tragen.
01:03:21: Trotzdem verschwand die Kultur aus der die Love Parade entstanden war nicht!
01:03:27: Die Clubs blieben, die Musik blieb Und auch die Idee, Menschen durch Musik zusammenzubringen verschwand nie ganz.
01:03:35: Das ist das Vermächtnis der Love Parade Die Erinnerung daran wie viele Menschen gemeinsam erschaffen können und wie wichtig es ist Verantwortung zu übernehmen wenn aus einer Idee ein Ereignis für Millionen wird.
01:03:48: Das war Radio Obscura.
01:03:51: Wenn euch diese Folge gefallen hat dann geht lieber mal Arbeit.
01:03:55: folgt uns und lasst gerne eine Bewertung da.
01:03:57: Wir hören uns bis dahin bleibt
01:03:59: richtig hot der Techno,
01:04:00: bleibt bei euch,
01:04:01: bleibt im Dunkeln
01:04:02: und Radio aus.
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