#039: Die grünen Kinder - Eine Legende aus Woolpit

Shownotes

🎧 Worum geht’s in dieser Folge?

Im 12. Jahrhundert sollen in Woolpit, einem kleinen Dorf in der englischen Grafschaft Suffolk, zwei Kinder aufgetaucht sein. Sie sprechen eine unbekannte Sprache, verweigern jede Nahrung außer Bohnen und ihre Haut soll ungewöhnlich grün gewesen sein.

Die Geschichte wird von zwei mittelalterlichen Chronisten überliefert und gehört bis heute zu den rätselhaftesten Erzählungen des europäischen Mittelalters. Handelte es sich um Flüchtlingskinder aus Flandern? Lässt sich die Hautfarbe medizinisch erklären? Oder entstand aus einer wahren Begebenheit über Jahrhunderte eine Legende?

Radio Obscura rekonstruiert die Quellen, ordnet die historische Welt des 12. Jahrhunderts ein und verfolgt, wie aus zwei unbekannten Kindern erst Feen, später Außerirdische und schließlich eines der bekanntesten Rätsel der englischen Folklore wurden.

Kapitel

(00:00:00) Opening: Die Farbe (00:01:20) Intro & Begrüßung (00:07:16) Woolpit (00:15:31) Die grünen Kinder (00:20:33) Das Land des heiligen Martin (00:25:52) Zwei Chronisten, eine Geschichte (00:33:19) Wie fremd war England im 12. Jahrhundert? (00:45:53) Als die Farbe verschwand (00:51:49) Die vernünftigen Erklärungen (01:04:54) Kinder, Feen, Aliens (01:16:37) Talk (01:23:48) snacks.fm (01:26:04) Outro: Zwei Kinder ohne Namen

📚 Quellen & Literatur

• Bartlett, Robert: England Under the Norman and Angevin Kings, 1075–1225, Oxford 2000. • Briggs, Katharine M.: The Fairies in English Tradition and Literature, London 1967. • Briggs, Katharine M.: „The Fairies and the Realms of the Dead“, in: Folklore 81/2 (1970), S. 81–96. • Clark, John: The Green Children of Woolpit. Chronicles, Fairies and Facts in Medieval England, Exeter 2024. • Clark, John: „Martin and the Green Children“, in: Folklore 117/2 (2006), S. 207–214. • Clark, John: „Small, Vulnerable ETs: The Green Children of Woolpit“, in: Science Fiction Studies 33/2 (2006), S. 209–229. • Coggeshall, Ralph of: Chronicon Anglicanum, hg. von Joseph Stevenson, London 1875. • Crouch, David: The Reign of King Stephen, 1135–1154, Harlow 2000. • Davis, R. H. C.: King Stephen, 1135–1154, London 1967. • Huscroft, Richard: The Norman Conquest. A New Introduction, Harlow 2009. • Madej, Michał: „The Story About the Green Children of Woolpit According to the Medieval Chronicles of William of Newburgh and Ralph of Coggeshall“, in: Res Historica 49 (2020), S. 113–132. • Newburgh, William of: Historia rerum Anglicarum, in: Howlett, Richard (Hg.): Chronicles of the Reigns of • Stephen, Henry II, and Richard I, Bd. 1, London 1884. • Orme, Nicholas: „The Green Children of Woolpit“, in: History Today 45/6 (1995), S. 75–76. • Plumtree, James: „Placing the Green Children of Woolpit“, in: Writing the Early Medieval West, Leiden/Boston 2022. • Staunton, Michael: The Historians of Angevin England, Oxford 2017. • Thomas, Hugh M.: The English and the Normans. Ethnic Hostility, Assimilation, and Identity, 1066–c.1220, Oxford 2003. • Young, Francis: Suffolk Fairylore, Ipswich 2018.

📡 Links & Kontakt

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🎙️ Hosts: Svea & Tim

Transkript anzeigen

00:00:03: Es ist Erntezeit in Wulpit.

00:00:05: Auf den Feldern rund um das Dorf wird gearbeitet, wie jedes Jahr.

00:00:11: Das Korn steht hoch.

00:00:13: Wege führen zwischen Äckern und Weiden hindurch.

00:00:17: Am Rand des Ortes liegen Gruben in der Erde Tief genug dass man später erzählen wird hier sein Wölfe gefangen worden.

00:00:25: Dort fallen zwei Gestalten auf Ein Junge und ein Mädchen.

00:00:30: Sie sind allein.

00:00:31: niemand scheint sie zu suchen.

00:00:33: Niemand hat gesehen, wie sie hergekommen sind.

00:00:36: Ihre Kleidung wirkt fremd und als die Menschen Sie ansprechen antworten sie in einer Sprache, die keiner versteht.

00:00:43: Vielleicht sind sie verängstigt vielleicht erschöpft.

00:00:46: sicher ist nur was die späteren Berichte festhalten Die Kinder können nicht sagen wer sie sind.

00:00:52: Die Menschen von Wulpit können nicht fragen woher sie kommen.

00:00:56: also stehen sie einander gegenüber Ein Dorf und zwei Fremde getrennt durch Worte, die auf keiner Seite ankommen.

00:01:04: Und dann bemerkt jemand ihre Haut – sie ist grün!

00:01:09: Willkommen bei Radio Obscura!

00:01:40: Schön dass ihr eingeschaltet habt beim Podcast über Creatures Crime & Mystery.

00:01:44: Wir

00:01:44: erzählen von Geschichte Gegenwart- und Grenzbereichen mal real, mal unerklärlich.

00:01:49: Vom Meeresgrund bis zu Umlaufbahn vom Labor bis zur Legende.

00:01:52: wir fragen was passiert ist und was davon bleibt?

00:01:57: Und heute reisen wir nach England.

00:02:00: Auch zu dieser Folge findet ihr wieder unsere passenden Bilder an den gewohnten Stellen, könnt ihr euch anschauen auf Instagram und auf der Homepage.

00:02:07: Tim, du hast dir doch die Bilder ja schon angeschaut beziehungsweise das hier sogar rausgesucht.

00:02:10: wahrscheinlich ne?

00:02:12: Tim ist unser Orgammann!

00:02:14: Wie würdest du die Umgebung um Woolpit zu beschreiben?

00:02:17: wie würdest du so ein Lebensgefühl von Woolpit verstehen?

00:02:20: Damals oder heute?

00:02:22: Bin ich beides spannend.

00:02:23: Ich

00:02:23: glaub damals also wenn man dann so die... Dory Hurt, was ihr gleich tun werdet.

00:02:28: Also mit diesen ganzen Gruben und so, ich glaube das sah bestimmt spannend aus.

00:02:32: aber es besteht auch nicht so schön wenn er alles so durchlöchert ist und Wölfe da drum zu zweigen weil sich man sich da sowohl gefühlt hat.

00:02:41: Aber ich habe so ein Fable für mittelalterliche Dörfer.

00:02:45: Ich glaube es war ganz ganz spannend einfach so in noch richtiger Natur zu leben oder eben nicht die Strommeste und sowas miteinander verbinden.

00:02:53: Und ob?

00:02:53: heute ist wahrscheinlich eher so'n bisschen langweilig, ne?

00:02:57: So ein post-industrielles Städtchen, Dörfchen wie man es auch nimmt.

00:03:02: Da sagt man immer so Manchester kennt jeder aber ist eigentlich gar nicht so schön.

00:03:05: angeblich ich war nie dort oder Liverpool so Industriestädte und der Wulpit ist ja dann eher im Osten.

00:03:11: Ich glaube das finde ich bisschen... Wer nicht so meins.

00:03:15: also ich hab sich hier unten Süden ganz cool diese Klippen und sowas.

00:03:19: Oder wenn's dann Richtung Norden Richtung Schottland und in die Highlands geht.

00:03:22: Ich glaube, das ist jetzt eher so als das Brandenburg von England.

00:03:28: Aber ich finde es auch spannend, wenn man... Als ich meine Ehepaar kommt ja zum Glück unsere Zuhörende wirklich passende Bilder zur Story.

00:03:36: Wenn man Woolpit einfach googelt, kommt direkt die Bilder zu der Geschichte über die wir heute sprechen.

00:03:43: Über die grünen Kinder von Woolpit.

00:03:45: Das weiß ich ehrlich gesagt gar nicht wie viel das in die Stadt aufgenommen ist.

00:03:49: Meins sind überall Gedenktafeln wie es im Ruhrgebiet überall eine Informationstafel zum Bergbau gibt, überall.

00:03:59: Es gibt einen Schild das ich kenne und das ist ja auch bei uns in den Bildern mit drin.

00:04:04: Also dieses Blechschild mit zwei Kindern und einem Wolf oder einen Hügel oder einen Pit.

00:04:12: Die haben ein Schildchen bekommen, also eins mindestens.

00:04:17: Aber hier ist jetzt nicht so wie bei anderen... In Amerika ist es dann immer so, wenn der Movment ist oder die Bellwitch.

00:04:26: Hier ist das Haus und hier ist das Festival dazu.

00:04:29: Und hier die Statue mit einem unnötig großen Booty.

00:04:33: Das haben wir jetzt natürlich nicht!

00:04:36: Die Briten scheinbar ein bisschen bescheiden da bei ihren Legenden.

00:04:40: Gute Sattifrage, das kann man sich vielleicht nach der Folge auch fragen wie viel Impact das Dorf an sich hatte?

00:04:47: Es ist nicht so, das kann man ja vielleicht vorweg nehmen mit so viel Schauder und Schrecken verbunden wie zum Beispiel beim Mothman oder bei der Bravewitch.

00:04:56: Das

00:04:57: stimmt.

00:04:58: Letztendlich sind es nur ein Junge, ein Mädchen die Sachen erzählen, die keiner versteht.

00:05:03: Das kommt mir sehr bekannt vor.

00:05:09: In einer Sprache, die niemand versteht!

00:05:12: Warst du mal in England?

00:05:14: Ich will noch nicht in England nehmen.

00:05:16: Also vor allem Brexit hat sie es vielleicht noch gelohnt, weil ich seh's auch irgendwie nicht mehr.

00:05:20: Und du?

00:05:21: Du warst auch nicht ne?

00:05:22: Nee!

00:05:23: Ich möchte also... Ich würde gerne mal so Irland würde ich gern mal machen.

00:05:27: Das Bier gründen aber... So Englern selber das... Ich könnte mich glaube ich nicht entscheiden.

00:05:32: Ich hatte irgendwie... Liverpool, ich war irgendwie Bock drauf.

00:05:37: London ist natürlich auch ganz spannend, aber Stonehenge würde ich mir auch anschauen.

00:05:41: Das ist dann immer so wie wenn man irgendwo hinreist und ich denke, wir gucken uns alles an und dann feststellt das geht ja gar nicht, da sind wir viel zu weit weg weil Spoiler!

00:05:50: Wir fahren zu unserem Geburtstag was er gesagt, fahren wieder nach Dänemark ins Lego-Land und hab' ich auch gedacht geil kann man's rauskilde angucken und nach Kopenhagen und ruhen.

00:06:03: Steine und Grabhügel habe ich gesehen, ah okay Legoland ist ein bisschen weit weg von Kopenhagen und von Roskilde.

00:06:09: Es liegt nicht so unbedingt auf dem Weg aber Rundsteine können wir uns angucken und wir werden auch dafür euch ein bisschen was aufnehmen live aus Legoland sozusagen also vielleicht nicht.

00:06:18: dann sind wir rausgeschmissen.

00:06:20: Ich möchte nicht raus geschmissen werden bevor ich nicht Ninjago gespielt habe oder was man da so machen kann.

00:06:25: Das weiß ich noch gar nicht.

00:06:26: Also

00:06:26: es ist ein bischen auch auf Kontext.

00:06:30: Genau ja genau das sind auch die Entfernungen das denkt man immer Gar nicht.

00:06:34: Ich dachte, Dänemark ist da oben so ein kleiner Zipfel?

00:06:37: Ist das Jüdland?

00:06:39: Die Halbinsel... Da ist ja bestimmt alles recht nahe beieinander.

00:06:42: Das war kurz eine Stunde Umweg fährt.

00:06:45: Mit Koppenhagen liegt dann doch ein bisschen außerhalb von der Lego-Welt aber gut.

00:06:50: Ja und genau deswegen ist es auch, wenn man jetzt sagt wir fliegen mal nach York und gehen dann nebenan nach Wilpits.

00:06:58: Nee, so nebenan ist das wahrscheinlich auch da nicht.

00:07:01: Was aber direkt nebenan isst Diese Freude.

00:07:05: Toller Übergang, Tim!

00:07:06: Danke, Tim.

00:07:08: Seid ihr wissen was sagen?

00:07:10: Nee, nee, nee... Ich lass euch beiden mal den Vortritt.

00:07:28: Wenn man heute auf eine Karte von Star Fox schaut, liegt Hulpit eher unscheinbar dort wo viele englische Dörfer liegen.

00:07:39: Zwischen Feldern Straßen und Kleinorten die auf den ersten Blick wenig davon verraten wie all sie eigentlich sind.

00:07:48: Aber gerade diese Unscheinbaarkeit ist wichtig Denn die Geschichte die hier erzählt wird braucht keinen Palast und keine Kathedrale.

00:07:56: Sie braucht einen Ort, an dem Menschen einander kennen.

00:07:59: Ein Ort, in dem auffällt wenn jemand nicht dazugehört.

00:08:02: Einen Ort dessen Grenzen nicht auf einer Karte enden sondern dort wo die vertrauten Wege Stimmen und Namen aufhören.

00:08:12: Woolpit liegt im Osten Englerns.

00:08:15: Diese Region gehört zu East Anglia einem Landstrich der im zwölften Jahrhundert wieder vollkommen abgelegen noch großstädtisch ist.

00:08:24: Nach Westen liegt Barry St.

00:08:26: Edmunds, einer der bedeutendsten religiösen Städte dieser Gegend.

00:08:30: Dort steht eine mächtige Abteil gegründet um den Kult des heiligen Edmund – eines engelsächsischen Königs und mehr Thürers.

00:08:39: Für die Menschen in der Umgebung ist Barry nicht nur ein Ort das Gebetes.

00:08:43: es ist ein Zentrum von Macht, Besitz, Verwaltung und Erinnerung.

00:08:47: Bulpitt liegt nur wenige Meilen davon entfernt.

00:08:51: Das bedeutet, dieses Dorf steht nicht außerhalb der mittelalterlichen Ordnung.

00:08:55: Es gehört in ein Netz aus Grundherrschaft, Kirche, Abgaben, Wegen und Abhängigkeiten.

00:09:01: Wer hier lebt, lebt nicht in einer leeren Landschaft.

00:09:05: Felder werden bestellt, Tiere werden gehalten, Ernten müssen eingebracht werden.

00:09:10: Besitz gehört jemandem Arbeit ist organisiert Und über allem liegt eine religiöse Welt In der heilige feste Glocken und Kirchorte den Rhythmus des Jahres bestimmen.

00:09:23: Für uns ist das Mittelalter oft weit weg, es wirkt schnell wie eine Fläche aus Burgen-, Mönchen- und dunklen Wäldern.

00:09:30: Aber für die Menschen in Woolpit ist diese Welt nicht abstrakt – sie besteht aus bestimmten Wegen, aus Böden, die man kennt, aus Nachbarn, deren Familiengeschichten nicht erklärt werden müssen… Aus Dümmen, die vertraut klingen auch wenn man vielleicht nicht jedes Wort, jedes Reisenden versteht!

00:09:47: Fremdheit beginnt hier nicht erst auf einem anderen Kontinent.

00:09:51: Fremddheit kann schon im nächsten Tal beginnen, in einer anderen Sprache, in einem anderen Dialekt, in Kleidung die nicht zu den Stoffen und Schnitten passt, die man gewohnt ist – in einem Verhalten das man nicht einordnen lässt.

00:10:04: Die bekannte Welt ist nicht klein wenn Menschen dumm sind.

00:10:08: sie ist klein weil sie körperlich ist.

00:10:10: Man kennt was man erreichen kann Was man hört, was man sieht.

00:10:14: Was übermärkte, geistliche Händler, Pilger oder Herren in den Ort gelangt.

00:10:20: Woolpit liegt dabei in einer Landschaft die bewirtschaftet ist keine Wildnis aber auch keine moderne offene Fläche Felder Hecken Wege Weiden Einzelne Gehöfte Kleine Siedlung.

00:10:32: Wer sich hier bewegt bewegst dich durch eine Ordnung In der jeder Ort eine Funktion hat.

00:10:38: Das Dorf ist nicht einfach ein Punkt.

00:10:40: Es ist der Mittelpunkt eines vertrauten Raums.

00:10:44: Und dieser Raum hat einen Namen, der selbst schon eine Geschichte trägt.

00:10:49: Wolpit wird in älteren Form mit Wölfen und Gruben verbunden.

00:10:53: Der Name wird gewöhnlich vom altenglischen Wolfpid hergeleitet – eine Grube, in der Wölfe gefangen werden konnten!

00:11:02: Ob genau jene Grube, von denen die Chronisten später erzählen noch so aussahen wie der Name es nahe liegt lässt sich nicht mit letzter Sicherheit sagen.

00:11:10: Aber für die Überlieferung ist diese Verbindung entscheidend!

00:11:14: Der Ort heißt nicht nur Wulpit.

00:11:16: er wird durch seinen Namen zu einem Ort an dem die Erde Öffnung hat.

00:11:21: Gruben sind keine neutralen Orte.

00:11:23: sie gehören zur Arbeit, zur Jagd, zur Grenze zwischen sicherem Boden und ihm was darunter liegt.

00:11:30: Man kann an ihn vorbeigehen, ohne lange hinzusehen.

00:11:33: Man kann wissen wo sie sind wenn man mit ihnen aufgewachsen ist.

00:11:37: und trotzdem bleibt an solchen Vertiefungen etwas Unruhiges.

00:11:41: Eine Gruppe ist ein Loch in einer vertrauten Landschaft Ein Punkt an dem der Boden nicht das tut was man von ihm erwartet.

00:11:49: Für die spätere Geschichte ist es fast zu passend.

00:11:52: Zwei Kinder tauchen nicht auf einem Marktplatz auf, Nicht am Tor eines Klosters.

00:11:57: Nicht auf einer Straße die Reisende benutzen.

00:12:00: Sie erscheinen an einem Ort der schon vorher mit dem Verschwinden und Festhalten verbunden ist An einer Stelle an der die Landschaft eine Öffnung hat.

00:12:10: Im zwölf Jahrhundert ist England zu dem kein ruhiges geschlossenes Land.

00:12:15: Nach den Normanschen Eroberungen von one-tausend sechsensechzig Ist die Gesellschaft über Generationen hinweg Von mehreren Sprachen Herrschaftsschichten und Zugehörigkeiten geprägt.

00:12:26: Latein ist die Sprache der Kirche und der Schrift, französisch beziehungsweise anglonormannische Formen gehören zur Welt des Adels und der Verwaltung.

00:12:35: Englisch wird weiterhin gesprochen aber nicht überall mit derselben sozialem Geldung.

00:12:41: dazu kommen regionale Unterschiede Kontakte über das Meer Händler Geistliche Söldner und Migrant.

00:12:48: Das heißt nicht, dass ein Dorf wie Woolpit jeden Tag mit der halben Welt in Berührung kommt.

00:12:53: Aber es heißt das England im zwölften Jahrhundert nicht einfach eine einsprachige abgeschlossene Inselgesellschaft ist.

00:13:01: Wer fremd erscheint muss nicht aus einer anderen Welt kommen – er kann aus einer anderer Ordnung kommen!

00:13:06: Aus einem anderen Herrschaftsraum?

00:13:09: Aus einer anderen

00:13:09: Sprachgemeinschaft?!

00:13:11: Aus einer Erfahrung für die Menschen vor Ort keine unmittelbaren Worte haben….

00:13:17: Diese Spannung ist für Woolpit wichtig, denn die spätere Geschichte wirkt nur dann so stark wenn man beides gleichzeitig versteht.

00:13:25: Die Welt ist weiter als ein einzelnes Dorf überblicken kann und sie ist eng genug dass zwei unbekannte Kinder sofort zum Ereignis werden.

00:13:35: In einem Ort wie Woolpit gibt es keine Anonymität im modernen Sinne Bei.

00:13:40: dort lebt ist eingebunden über Familie Arbeit Pacht Kirche Gewohnheit.

00:13:46: Man weiß, wer zu welchem Hof gehört.

00:13:48: Wer krank ist, wer Hilfe braucht, wer neu ist und wer nicht zugeordnet werden kann fällt nicht nur als Person auf sondern als Störung in einem System von Beziehung.

00:14:00: Darum ist der Ort nicht bloß Kulisse.

00:14:03: Will Pitt macht die Geschichte überhaupt erst möglich.

00:14:06: Er war in einer großen Hafenstadt während zwei fremde Kinder vielleicht nur zwei weitere Fremde gewesen.

00:14:12: In einem Dorf nahe Barry St.

00:14:15: Edmunds werden sie zu etwas anderem.

00:14:17: Zu einer Frage, die niemand sofort beantworten

00:14:21: kann.".

00:14:22: Gleichzeitig liegt über dieser Gegend eine religiöse Nähe.

00:14:26: Mary St.

00:14:27: Edmonds ist nicht irgendein Nachbarort sondern ein geistliches Zentrum.

00:14:32: Glocken reliquieren Pilger Abtei Besitzrechte All das gehört zur Welt in der Wulpit steht.

00:14:39: Das ist wichtig ohne dass man daraus schon eine Erklärung machen muss.

00:14:44: Die Menschen leben in einer Ordnung, in der das Sichtbare und das Unsichtbare nicht so sauber voneinander getrennt sind wie wir es heute gern hätten.

00:14:53: Ein ungewöhnliches Ereignis ist nicht automatisch nur ein Missverständnis.

00:14:59: Es kann Zeichen sein Prüfung Wunder Gefahr oder Erzählung.

00:15:04: Aber zunächst ist es nur ein Ort!

00:15:07: Ein Dorf in Zavok Felder Wege

00:15:10: Gruben

00:15:10: Eine mächtige Abteil Nicht weit entfernt.

00:15:14: Menschen, die ihre Umgebung kennen und genau deshalb bemerken weil etwas nicht hineingehört.

00:15:20: Vielleicht beginnt die Geschichte der grünen Kinder nicht mit den Kindern?

00:15:24: Vielleicht beginn sie mit einem Dorf das sich sicher genug war um zu wissen was fremd ist?

00:15:32: Irgendwann während der Erntezeit geschieht in Wolpit etwas dass zwei Chronisten jahrzehnt später noch für erwähnswert halten.

00:15:41: Menschen sind auf den Feldern.

00:15:43: Bei William of Newborough sind es Schnitter, die mit der Ernte beschäftigt sind.

00:15:48: Und in der Nähe einer Jenergrube von den Woolpits seinen Narben haben soll entdecken sie zwei Kinder – ein Jung und ein Mädchen.

00:15:57: Woher Sie kommen weiß niemand!

00:15:59: Sie gehören zu keiner Familie, die man kennt.

00:16:02: Niemand scheint sie zu vermissen.

00:16:04: Und als man versucht mit ihnen zu sprechen wird schnell klar dass das Problem größer ist als ein fremder Akzent oder einen Dialekt aus dem nächsten Ort.

00:16:13: Die Kinder verstehen kein Wort oder zumindest keines, dass die Menschen in Wulpit an sie richten.

00:16:19: Sie antworten in einer Sprache, die niemand einordnen kann.

00:16:23: Ihre Kleidung fällt ebenfalls auf.

00:16:25: William beschreibt sie als ungewöhnlich In erner Farbe und aus einem Material das man nicht kennt.

00:16:32: Ralph of Cockshaw erzählt Szene etwas anders.

00:16:36: Aber auch bei ihm wirken die Kinder wie Menschen, die aus keinem Vertrauten zusammenmangst haben.

00:16:41: Und dann ist da ihre Haut Grün, nicht nur ein Schimmer und nicht so das fahle Gesicht zweier schöpfter Kinder.

00:16:49: Die Farbe ist so auffällig dass beide mittelalterlichen Berichte sie zum entscheidenden Merkmal machen.

00:16:56: Alles andere an ihnen ist zumindest grundsätzlich menschlich.

00:17:00: William betont genau das!

00:17:02: Ihre Körper seien von gewöhnlicher Gestalt gewesen.

00:17:05: erst die Farbe macht sie zu etwas das sich nicht sofort einordnen lässt.

00:17:11: Was macht man mit zwei Kindern, die niemand versteht und die niemand zu kennen scheint?

00:17:16: Man nimmt sie mit.

00:17:17: Hier beginnen die beiden Berichte deutlicher auseinanderzutreten.

00:17:21: Ralf nennt einen Mann Richard DeConn Den dessen Haus so schreibt er werden die Kinder gebracht.

00:17:27: William bleibt an dieser Stelle.

00:17:28: allgemeiner Bei ihm führt man sie in das Dorf.

00:17:32: Für die Kinder löst es ihr Drinks des Problem allerdings nicht Denn dort gibt man ihnen zu essen Und sie essen nichts.

00:17:39: Keine der Speisen, die man ihnen vorsetzt scheint für sie überhaupt als Nahrung erkennbar zu sein.

00:17:45: Mehrere Tage so erzählen es die Berichte, weisen sie alles zurück.

00:17:49: Das ist ein Detail das leicht untergeht wenn man die Geschichte nur als Kuriosität erzählt aber wenn man es ernst nimmt verändert es die Szene.

00:17:59: da sitzen zwei Kinder an einem fremden Ort.

00:18:02: niemand versteht ihre Sprache niemand weiß wo ihre Eltern sind und nun verweigern Sie auch noch das Essen Vielleicht weil sie Angst haben, vielleicht weil sie krank sind.

00:18:12: Vielleicht weil ihnen tatsächlich nichts von dem vertraut ist was vor ihnen steht.

00:18:18: Warum Sie nicht essen sagen die Quellen nicht?

00:18:20: Sie erzählen nur dass es so bleibt bis etwas in das Haus gebracht wird dass die Kinder offenbar kennen.

00:18:26: Bohnen, frische Bohn noch in ihren Hülsen.

00:18:30: Plötzlich werden die beiden aufmerksam.

00:18:33: Sie geben zu verstehen dass sie davon Essen wollen und dann geschieht etwas Seltsames Nicht über natürlich seltsam, eher auf eine fast schmerzhafte Weise menschlich.

00:18:43: Die Kinder wissen offenbar was sie suchen – aber nicht wo sie es finden!

00:18:48: Sie öffnen nicht die Hülsen und stattdessen versuchen sie an die Bohnen heranzukommen als müssen sie sich in den Stängeln befinden.

00:18:55: Erst als jemand die Hölsen öffnet und ihnen die Kerne zeigt beginnen sie zu essen.

00:18:59: Und das Gierig dieses Detail findet sich bei William besonders anschaulich.

00:19:05: Die Kinder kennen Bohnen, aber offenbar nicht in dieser Form.

00:19:08: Oder zumindest verstehen sie nicht wo an der Pflanze das Vertraute verborgen ist?

00:19:14: Für eine moderne Nacherzählung wäre es leicht daraus sofort eine Theorie zu machen.

00:19:19: Vielleicht kannten Sie eine andere Sorte, vielleicht waren Sie unterernährt – vielleicht erklärt genau diese Szene Ihre Herkunft!

00:19:26: Aber noch erklärt sie gar nichts.

00:19:28: Sie zeigten nur, dass zwischen den Kindern und den Menschen von Wulpit eine Grenze verläuft die tiefer ist als Schwache.

00:19:37: Selbst so alltägliches wie Essen muss erst übersetzt werden.

00:19:41: Eine Zeit lang, so heißt es, leben sie von diesen Bohnen.

00:19:44: Erst nach und nach beginnen sie auch Brot und andere Speisen anzunehmen Und damit verändert sich etwas nicht In einem einzigen Moment, aber die Kinder, die anfangs nichts verstehen und nichts essen wollen beginnen sich an diesen Ort zu gewöhnen.

00:20:01: An seine Nahrung am die Menschen um sie herum in eine Welt, in der niemand ihre Worte kennt.

00:20:08: Noch können sie nicht erzählen wer sie sind.

00:20:10: auch kann niemand sie fragen warum ihrer Haut grün ist.

00:20:14: doch irgendwann beginnt das Mädchen die Sprache der Menschen um Sie herum zu verstehen Und damit bekommt die Geschichte zum ersten Mal eine Richtung.

00:20:24: Denn nun kann man ja endlich die Frage stellen, die seit ihrer Ankunft im Raum steht – woher kommt ihr?

00:20:34: Es ist eine einfache Frage vielleicht die naheliegendste überhaupt und irgendwann ist das Mädchen in der Lage sie zu beantworten.

00:20:42: Sie hat begonnen die Sprache der Menschen um sie herumzuvestehen.

00:20:45: Wie lange das dauert lässt sich aus den Berichten nicht genau rekonstruieren Aber mit jedem neuen Wort öffnet sich eine Möglichkeit, die vorher nicht existiert hat.

00:20:56: Zum ersten Mal können die Menschen von Willpitt mehr erfahren als das was sie selbst sehen – die fremde Kleidung des ungewöhnliche Essen der grüne Haut.

00:21:06: Nun können Sie fragen doch die Antwort macht die Geschichte nicht verständlicher?

00:21:11: Das Mädchen erzählt von einem Land dass bei William of Newworth St.

00:21:14: Martinsland heißt.

00:21:16: Dort, so berichtet er, seien die Menschen Christen und würden den heiligen Martin besonders verehren.

00:21:22: Das Licht sei anders als in Wulpit!

00:21:25: Die Sonne gehe dort nicht auf.

00:21:26: stattdessen liege das Land in einer Art Dämmerung.

00:21:30: Ralph of Cockshaw überlieferte die Herkunft etwas anders.

00:21:34: Bei ihm sagt es Mädchen dass dort alles und alle grün sein.

00:21:38: Auch er beschreibt ein Land ohne die vertraute Helligkeit der Sonne.

00:21:42: Das ist nicht ganz dasselbe und vielleicht ist gerade das wichtig.

00:21:47: Denn schon an diesem Punkt haben wir keine präzise Landkarte einer fremden Welt, wir haben zwei Berichte die sich berühren aber unterschiedliche Details festhalten.

00:21:57: Bei William bekommt das Fremde-Land einen Namen und eine religiöse Ordnung.

00:22:02: bei Ralph wird es Grün selbst zur Eigenschaft der ganzen Umgebung.

00:22:06: William fügt ein weiteres Bild hinzu Von St.

00:22:09: Martinsland aus, so erzählt das Mädchen könne man ein anderes Land sehen heller als ihre eigene Heimat und weit entfernt.

00:22:18: Zwischen beiden liege ein großer Fluss.

00:22:20: mehr erfahren wir darüber?

00:22:22: nicht keinen Namen kein Weg über das Wasser keine Erklärung wer auf der anderen Seite lebt.

00:22:28: nur diese eigentümliche Geografie.

00:22:31: hier das land der grünen menschen dort in der ferne ein helleres land unter zwischen Ein fluss.

00:22:37: Gerade bei William ist diese Herkunft deshalb eigentümlich konkret.

00:22:41: Das Mädchen stammt in seiner Fassung nicht einfach aus einem Namen losen Reich.

00:22:46: Ihre Heimat hat einen Namen, ihre Bewohner seinen Christen und sie verehrten ein Heiligen den auch die Menschen in England kennen.

00:22:53: Und trotzdem kann niemand sagen wo dieses Saint Martinsland liegen soll.

00:22:58: Bleicht fragen die Menschen deshalb weiter?

00:23:00: Vielleicht versucht das Mädchen selbst aus den Worten die sie gerade erst gelernt hat Eine Geschichte zu bauen, die ihre Zuhöre verstehen können.

00:23:09: Wie seid ihr hierhergekommen?

00:23:10: Auch darauf gibt es eine Antwort.

00:23:12: Das erzählen William und Ralph unterschiedlich.

00:23:15: Bei William hüten sie das Vieh ihres Vaters als ein lautes Geräusch hören.

00:23:21: Es klingt so schreibt er wie die Glocken der Abteikirche von Barry St.

00:23:25: Edmonds.

00:23:26: Nicht irgendein unbestimmtes GeräusCH also sondern einen Vergleich den William an einem realen Ort fest macht.

00:23:33: Zu der Leser können sich diesen Klang vorstellen.

00:23:36: Vielleicht kannten manche von ihnen ihn sogar?

00:23:38: Doch was danach geschieht, bleibt bei William abrupt.

00:23:42: Die Kinder können nicht erklären wie sie nach Hulpit gelangt sind.

00:23:45: Sie finden sich plötzlich bei jener Gruppe wieder an der man sie entdeckt.

00:23:51: Ralph erzählt einen anderen Weg.

00:23:53: Bei ihm folgen die Kinder dem Vieh in eine Höhle und verirren sich.

00:23:57: In der Dunkelheit hören sie Glocken Sie folgen dem Klangen und gehen weiter bis sie schließlich ein Ausgang finden.

00:24:03: Dort ist plötzlich Licht, Sonne.

00:24:06: Für Menschen die in Wulpit leben, ist dieses Licht nichts Besonderes.

00:24:09: Für Kinder führt der Weg in eine Welt, die sie nicht kennen.

00:24:14: Als sie zurück wollen finden Sie einen Eingang nicht mehr – sie bleiben in Wulpitt.

00:24:20: Wenn man beide Grundnisten nebeneinander liegt entsteht daraus leicht ein geschlossenes Bild.

00:24:25: Zwei grüne Kinder aus St.

00:24:26: Martinsland, eine Welt ohne das vertraute Sonnenlicht, ein helleres Land jenseits eines Flusses Glocken in der Dunkelheit, ein unterirdischer Gang und schließlich die Ankunft in Wulpit.

00:24:39: Aber so geschlossenen erzählen die Quellen es nicht.

00:24:42: William & Ralph setzen andere Schwerpunkte.

00:24:45: William gibt ihr Heimat den Namen St.

00:24:47: Martinsland und verbindet sie mit einer christlichen Ordnung.

00:24:51: Bei ihm erscheinen außerdem der große Fluss und das hellere Land in der Ferne.

00:24:56: Ralph macht das Grün zur Eigenschaft der ganzen Heimat und erzählt ausführlicher vom Weg durch die Höhle Und vom Glockenklang in der Dunkelheit.

00:25:05: Erst wenn man beides zusammenfügt, entsteht jene fremde Welt die später so oft weitererzählt wird.

00:25:11: und genau deshalb sollten wir einen Moment bei dem Mädchen bleiben Denn sie ist zu diesem Zeitpunkt noch immer ein Kind das eine neue Sprache gelernt hat.

00:25:20: Sie versucht Menschen an einem fremden Ort zu erklären woher sie kommt.

00:25:24: Ob ihre Worte etwas Reales beschreiben ob sie missverstanden werden oder ob längst die Vorstellung ihrer Zuhörer In diese Geschichte eingehen können wir nicht mehr trennen.

00:25:34: Wir wissen es nicht, wir wissen nur was zwei Männer später aufschreiben von St.

00:25:39: Martinsland und einer Heimat ohne das vertraute Licht der Sonne.

00:25:43: Zu einer Welt in der alles grün sein soll, von Glocken in der Dunkelheit und von zwei Kindern die irgendwann im Wholpit stehen.

00:25:53: Bis hierhin klang alles als hätten wie eine Geschichte erzählt – zwei Kinder ein Dorf, ein Land ohne das Vertraute-Licht Glocken in der Dunkelheit, eine Ankunft die niemand erklären kann.

00:26:07: Aber so einfach ist es nicht!

00:26:09: Was wir kennen, ist keine Stimme aus Wulpit, kein Bericht eines Schnitters, keinen Satz den das Mädchen selbst aufgeschrieben hätte.

00:26:18: Zwischen den Kindern und uns stehen zwei Männer – zwei Klöster, zwei Texte.

00:26:24: Der erste ist William of Newborough.

00:26:26: William lebt in Norden Englans, in Yorkshire als Augustiner Chorherr im Priorat von Nuba.

00:26:33: Er wird um elfhundertunddreißig geboren, also ungefähr zu Beginn jener Zeit, in die er die Geschichte der grünen Kinder später einordnet – die Regierungszeit König Stephens.

00:26:45: Als er seine Historia Rerum Aglicarum schreibt, liegt diese Zeit bereits zurück aber sie gehört noch zur seiner eigenen historischen Nähe.

00:26:55: William schreibt nicht über eine mystische Vorzeit, er schreibt über ein Englern das für ihn noch erreichbar wirkt.

00:27:02: Über politische Unruhe, Klöster, Herrscher, Beschöfe seltsame Begebenheiten und er ist kein Autor der einfach alles glaubt.

00:27:11: Das ist wichtig!

00:27:12: Und der Vorrede seines Werks greift William Goffrey auf Monmouthschauff an weil dieser aus seiner Sicht Geschichten über Arse und die britische Vergangenheit als Geschichte ausgegeben habe.

00:27:23: William misstraut Erzählungen, die zu glatt, zu groß und so gut erfunden wirken.

00:27:29: Er will sich als jemand zeigen der unterscheiden kann zwischen Bericht und Fabel, zwischen Überlieferung und Ausschmückung.

00:27:38: Gerade deshalb ist sein Einstieg in die Geschichte der grünen Kinder so interessant.

00:27:43: Er nennt sie ein unerhörtes Wunderzeichen, ein Prodivium... Und dann sagt er den Gemis.

00:27:48: eigentlich habe er lange gezögert diese Geschichte zu glauben Sie wirkte ohne rationale Grundlage schwer verständlich und fast lächerlich.

00:27:58: Erst die Menge und das Gewicht glaubwürdiger Zeugen hätten ihn dazu gebracht, sie aufzunehmen.

00:28:04: Das beweist nicht dass die Geschichte wahr ist aber es zeigt wie William möchte dass wir sie lesen Nicht als Gerücht was ihm zufällig begegnet ist sondern als Bericht gegen den er sich zunächst gewährt habe Und den er dann doch für überlieferungswürdig gehalten hat.

00:28:21: Der zweite Chronist ist Ralph of Cockshaw.

00:28:24: Er schreibt später als William im frühen dreizehnten Jahrhundert und gehört zu einer anderen Welt des Ordenslebens.

00:28:32: Ralph ist Cisterzinser, ab der Cockshaw Abbey in Essex.

00:28:37: Geografisch ist er Wulpit viel näher als William.

00:28:41: Cockshaw liegt südlich davon in derselben weiteren ostenglischen Landschaft.

00:28:47: Das klingt zunächst nach einem Vorteil Aber Nier ist nicht dasselbe wie Augenzeugen schafft.

00:28:53: Auch Ralph sieht die Kinder nicht selbst.

00:28:56: Seine Fassung ist vor allem deshalb wichtig, weil sie einen Namen nennt.

00:29:01: Richard DeConn ein Ritter dessen Haushalt in der Geschichte eine zentrale Rolle spielt.

00:29:07: Bei Ralph fände die Kinder zu Richard gebracht und das überlebende Mädchen soll dort später sogar jahrelang als Dienerin gelebt haben.

00:29:15: Dadurch fügte Rafs Bericht an manchen Stellen konkreter also Williams.

00:29:20: Er scheint näher an einem Haushalt, an Personen und einer lokalen Erinnerung.

00:29:25: Aber auch das ist keine einfache Lösung Denn Ralph schreibt später als William.

00:29:30: er sitzt näher am Ort war weiter entfernt von der behaupteten Zeit.

00:29:35: William sitzt weit weg in Yorkshire schreibt aber früher.

00:29:39: Der eine hat geografische Nähe der andere zeitliche Nähe.

00:29:43: Beide haben etwas dass für sie spricht.

00:29:45: Beide haben eine Lücke, die bleibt.

00:29:48: Und beide erzählen nicht dasselbe – Die Grundform ist ähnlich!

00:29:51: Zwei Kinder erscheinen Ulpid, ihrer Haut ist grün und ihre Sprache ist unbekannt.

00:29:57: Sie essen zunächst nicht dann nehmen sie Bohnen an.

00:30:00: Nach und nach gewöhnen sie sich an die andere Nahrung.

00:30:03: Der Junge stirbt das Mädchen überlebt und erzählt von ihrer Herkunft.

00:30:07: Das ist der gemeinsame Kern Aber sobald man genauer hin sieht verschieben sich die Bilder.

00:30:12: Bei.

00:30:12: William heißt ihr Heimat St.

00:30:14: Martinsland.

00:30:15: Dort gibt es keinen Sonnenaufgang wie in England, sondern ein schwächeres Licht.

00:30:20: Von dort aus seien helleres Land zu sehen getrennt durch einen großen Fluss.

00:30:25: Die Kinder hören beim Hüten des Viehs ihres Vaters ein lautes Geräusch wie die Glocken von Barry St.

00:30:31: Admons und finden sich plötzlich bei den Wolfgruben von Wolpit wieder.

00:30:36: Bei Ralph ist die Welt anders gezeichnet, dort ist nicht nur die Haut der Kinder grün Das Grün gehört zur ganzen Umgebung.

00:30:44: Die Kinder folgen dem Vieh in deine Höhle und verirren sich, werden vom Klang der Glocken weitergeführt bis sie in unsere Welt gelangen.

00:30:52: Ralph gibt der Geschichte außerdem einen stärkeren lokalen Anker, weil er Richard de Carlin nennt – man kann daraus eine einzige schöne Fassung bauen!

00:31:01: Viele Nacherzählungen tun genau das.

00:31:03: Sie nehmen Williams, St.

00:31:05: Martinsland, Rives Höhle und den großen Fluss – Das Grüne Reich, die Glocken, die Wolfgruben – Und legen alles übereinander.

00:31:13: Dann entsteht eine Welle, die vollständiger wirkt als jede der beiden Quellen für sich.

00:31:19: Das ist erzählerisch verführerisch!

00:31:22: Aber quellenkritisch muss man vorsichtig bleiben, denn vielleicht bewahren William & Ralph zwei Varianten derselben lokalen Geschichte.

00:31:30: Sie gehen möglicherweise auf eine gemeinsame Quelle zurück.

00:31:33: Vielleicht zirkulierte in East Angliae eine mündliche Erzählung die an verschiedenen Orten unterschiedlich erzählt wurde?

00:31:40: Es kann sein dass Richard DeConn in dieser Überlieferung tatsächlich eine wichtige Rolle spielte und dass ein Haushalt genau der Punkt ist, an dem aus einem lokalen Ereignis eine Geschichte wurde die bis in Klösser- und Kroniken gelangte.

00:31:55: Sicher sagen lässt sich das nicht – und trotzdem ist der Unterschied zwischen den beiden Berichten kein Problem, dass man aus der Geschichte entfernen muss!

00:32:03: Erst Teil der Geschichte, denn die grünen Kinder existieren für uns nicht unabhängig von ihrer Überlieferung.

00:32:10: Wir sehen sie nicht auf dem Feld, hören nicht ihre Sprache.

00:32:13: Wissen nicht wie das Mädchen klang als sie von ihrer Herkunft erzählte.

00:32:17: Ihr wissen nur dass zwei Chronisten diese Geschichte für Bemerkenswerk genug hielten um sie aufzuschäuben.

00:32:23: Zwischen beiden entsteht kein Beweis aber ein Raum in dem die selbe Geschichte zweimal Gestalt annimmt Einmal als Wunderzeichen, das sich dem Verstand entzieht und einmal als lokale Überlieferung angebunden an einen Haushalt.

00:32:38: An ein Dorf.

00:32:39: An eine Frau die vielleicht lange genug lebte um selbst zur Quelle zu werden.

00:32:45: Wenn wir also von den grünen Kindern von Woolpitch sprechen, sprechen wir nicht über zwei Kinder, sondern über zwei Texte.

00:32:52: Und bevor wir weiter erzählen lohnt es sich einen Blick auf die Welt in der diese Geschichte entstanden sein soll Denn vielleicht ist unsere Vorstellung vom mittelalterlichen England geschlossener, als dieses England tatsächlich war.

00:33:06: Wie weit reisten Menschen im zwölften Jahrhundert?

00:33:09: Welche Sprachen konnte man in England hören und wie fremd konnten zwei Kinder ins Erfolg wirklich wirken?

00:33:16: Das klärt jetzt Tim!

00:33:25: Die Frage klingt erst einmal seltsam – England ist schließlich England Eine Insel, ein Königreich, einen König.

00:33:33: Und wenn wir an einem Dorf wie Wulpit denken entsteht ziemlich schnell ein geschlossenes Bild Ein paar Häuser, Felder eine Kirche Menschen die dieselben Wege kennen dieselbe Sprache sprechen und ihr Leben im Umkreis weniger Kilometer verbringen.

00:33:49: Nur dieses Bild stimmt schon für das zwölfte Jahrhundert nicht besonders gut.

00:33:54: Fangen wir mit der Größe an.

00:33:56: Für das Jahrtausend sechsohnundachzig besitzen wir mit dem Domestay-Book eine der außergewöhnlichsten Quellen des europäischen Mittelalters.

00:34:04: Wilhelm, der Eroberer lässt darin Besitz, Land, Abgaben und Ressourcen seines Königreichs erfassen.

00:34:12: Das ist keine Volkszählung im modernen Sinn.

00:34:14: Kinder fehlen als eigene Kategorie.

00:34:17: Frauen werden nur teilweise sichtbar Und aus einem verzeichneten Haushalt lässt sich nicht einfach eine exakte Zahl von Köpfen machen.

00:34:24: Deshalb streitet die Forschung über die Gesamtbevölkerung.

00:34:28: Je nach Hochrechnungen landet man für England um tausend sechsohn achtzig grob irgendwo zwischen etwa ein, eineinhalb und etwas über zwei Millionen Menschen.

00:34:38: Manche ältere Berechnungen liegen niedriger.

00:34:41: Robert Bartlett arbeitet für das normalische und angewienige England genau mit diesem Problem.

00:34:48: Wir haben für diese Gesellschaft ungewöhnlich dichte Verwaltungsquellen aber keine moderne Statistik.

00:34:54: Wer eine einzelne, klatte Einwohnerzahl nennt erzeugt mehr Sicherheit als die Quellen hergeben.

00:35:00: Trotzdem lässt sich der Maßstab greifen.

00:35:02: England ist überwiegend ländlich.

00:35:05: Selbst bedeutende Städte sind nach heutigen Vorstellungen klein.

00:35:09: London ist eine große Ausnahme und zugleich ein demografisches Problem weil es im Domestay-Book nicht regulär erfasst wird.

00:35:16: Für die Zeit um tausend einhundert bewegen sich Schätzungen häufig in einer Größenordnung von vielleicht zehntausend bis zwanzigtausend Einwohnern.

00:35:25: Norwich, eine der wichtigsten Städte Ostenglans liegt deutlich darunter bei vielleicht fünftausende Einwohnern – Jörg ebenfalls!

00:35:33: Und dann Barry Saint-Admonds.

00:35:35: Religiöses Zentrum, Wallfahrtsort, mächtige Abtei, regionaler Knotenpunkt.

00:35:40: Geschätzt?

00:35:41: Dreitausend Einwohner.

00:35:43: Keinen Dorf aber auch keine Großstadt.

00:35:45: Das ist wichtig, weil fremd in einer Welt kleiner Zahlen anders funktioniert.

00:35:50: Wenn ein Ort einige hundert Menschen hat, ist ein unbekanntes Gesicht etwas anderes als in einer Stadt mit einer Million Einwohnern.

00:35:59: Zugehörigkeit läuft über Haushalt-, Verwandtschaft-, Grundherrschaft-, Ferei-, Arbeit.

00:36:04: Man muss nicht jeden Menschen persönlich kennen aber man kann Menschen einordnen!

00:36:09: Nur ist das Königreich, in die diese kleine Gemeinschaft liegt alles andere als kulturell einheitlich Und dafür müssen wir ungefähr dreihundert Jahre zurück.

00:36:19: Im Jahr eighthundertfünfundsechzig landet in East Anglia eine große skandinavische Streitmacht, die Anglo-Saxon Chronicle nennt sie das Große Heidniche Herr.

00:36:30: Zwei Jahre später fällt York.

00:36:32: Achthundertneunundsechsig wird East Anglia militärisch gebrochen.

00:36:36: König Edmund stirbt – Jena Edmund dessen Kult später Barry St.

00:36:41: Edmunds seinen Namen und einen erheblichen Teil seiner Bedeutung gibt!

00:36:46: In den Überlieferungen erscheinen Iwa, Halfdan und Oba.

00:36:50: Spätere nordische Traditionen verbinden mehrere dieser Männer mit Ragnar Lotbrok und machen aus ihnen die berühmten Ragnarsons.

00:36:58: Historisch ist diese saubere Familienaufstellung deutlich unsicherer als ihre moderne Popularität in Serien wie Vikings oder Videospielen wie Assassin's Creed Valhalla – aber die Eroberung sind kein Mythos!

00:37:11: Große Teile Nord- und Ostenglerns geraten unter skandinavische Herrschaft.

00:37:15: Es entstehen Siedlungsräume, Rechtsräume und Sprachkontakte die wir später mit dem Darnellack verbinden.

00:37:21: Nun könnte man sagen….

00:37:22: schön und gut aber das ist das neunte Jahrhundert – Wulpit ist das zwölfte Jahrhunderte.

00:37:27: Stimmt!

00:37:28: Politisch ist das Darneillack zu diesem Zeitpunkt lange verschwunden.

00:37:31: in Wulpitt laufen keine Wikinger herum.

00:37:34: Niemand lebt an einem fortbestehenden dänischen Parallelstaat Und genau deshalb muss man hier vorsichtig sein.

00:37:40: Aber politische Herrschaft kann verschwinden, ohne dass Bevölkerungsgeschichte verschwindet.

00:37:46: Man sieht das auf englischen Karten bis heute.

00:37:48: Besonders im Norden und in den östlichen Midlands häufen sich Ortsnamen mit skandinavischen Elementen.

00:37:54: Bay bezeichnet eine Siedlung oder einen Hof.

00:37:56: Forb – eine kleinere Ansiedlung.

00:37:59: Withby, Grimsby, Derby, Scanforb... Yorkshire ist davon besonders stark geprägt!

00:38:05: Und Yorkshire ist für unseren Zeitraum interessant, weil dort die skandinavische Vergangenheit nicht nur in ein paar exotischen Namen steckt.

00:38:36: Manche Modelle gehen sehr weit, andere deutlich vorsichtiger.

00:38:39: Unstrittig ist aber im Norden und Osten Englans hatten über Generationen eng verwandte germanische Sprachen miteinander Kontakt.

00:38:46: Die sprachliche Landschaft die daraus entsteht ist keine saubere Fortsetzung eines einheitlichen Angel-Sächsich.

00:38:53: Und dann kommt Tausend Sechsundsechzig – die nächste Eroberung.

00:38:58: Nach Hastings wird England nicht einfach von einem neuen König regiert!

00:39:01: Die Besitz- und Machtstruktur des Landes wird tief umgebaut.

00:39:05: Richard Huscroft beschreibt die normanische Eroberung gerade deshalb nicht als bloßen Dynastiewechsel.

00:39:10: Innerhalb weniger Jahrzehnte wird ein großer Teil der alten englischen Elite verdrängt.

00:39:15: Normannische, Bretonische und andere kontinentale Herren übernehmen Land und Ämter.

00:39:20: Burgen verändern Herrschaft im Raum – Bischofssitze und Klöster werden neu besetzt.

00:39:26: U-Thomas hat für die Zeit bis etwa twelvehundertzwanzig gezeigt wie lange Kategorien wie Engländer und Normannen politisch und sozial wirksam bleiben Und zugleich, wie kompliziert Assimilation tatsächlich verläuft.

00:39:39: Nach Tausend sechsundsechzig stehen nicht einfach zwei Völker sauber nebeneinander bis sie irgendwann friedlich verschmelzen!

00:39:45: Es gibt Feindbilder, Statusunterschiede, heiraten, Sprachwechsel und neue Identitäten – und damit sind wir bei der Sprache.

00:39:54: Das England des zwölften Jahrhunderts ist mehrsprachig.

00:39:59: Latein ist die dominante Sprache großer Teile der Schriftkultur, Liturgie, Theologie, Chronistik, gelährte Kommunikation und viele Urkunden.

00:40:07: Wer Geschichte aufschreibt tut das häufig auf Latein.

00:40:10: Daneben steht Französisch – genauer verschiedene französische Varietäten aus denen sich in England das entwickelt was wir als Anglonormannich bezeichnen.

00:40:20: Diese Sprache gehört stark zur Welt des Hofes, des Adels und der Herrschaft.

00:40:25: Auch hier wäre die einfache Formel Zu grob.

00:40:30: Menschen sind bilingual, Familien wechseln Sprachen.

00:40:34: Kinder lernen andere Sprachen als ihre Großeltern.

00:40:37: Geistliche bewegen sich zwischen Latein- und gesprochener Alltagssprache.

00:40:40: Endler brauchen Verständigung über regionale Grenzen hinweg Und Englisch verschwindet nicht.

00:40:45: Es verändert sich.

00:40:47: Nach tausend sechsensechzig verliert die spätenglische west sächsische Schriftsprache Ihre frühere Stellung.

00:40:53: Im zwölften Jahrhundert begegnen uns regionale Formen des Englischen, die sich teilweise erheblich unterscheiden können.

00:40:59: Es gibt keine Standardsprache, die täglich über Schulen, Massenmedien oder eine zentrale Verwaltung in jeden Haushalt gedrückt wird.

00:41:07: Ein Mensch aus Yorkshire und ein Mensch aus Suffork leben unter demselben König – das heißt aber nicht automatisch dass sie gleich sprechen!

00:41:14: Und jetzt kommt noch eine weitere Ebene hinzu….

00:41:16: England selbst ist politisch über den Kanal hinaus verflochten... Robert Bartlett beschreibt, dass normalische und angewienige England nicht als isolierte Inselgesellschaft.

00:41:26: Herrschaft, Adel- und Kirche sind in größere Räume eingebunden.

00:41:30: Familien besitzen Land auf beiden Seiten des Kanals – geistliche Wechseln Institutionen.

00:41:35: Könige verbringen erhebliche Zeit außerhalb Englands.

00:41:38: Heiraten verbinden Höfe, Kaufleute bewegen Waren, Soldaten bewegen sich dorthin wo jemand sie bezahlt!

00:41:45: Die Ärmelkanal ist eine Grenze, zugleich aber auch eine Verkehrsachse.

00:41:50: Flandern spielt dabei eine gewichtige Rolle.

00:41:52: Die wirtschaftliche Verbindung liegt auf der Hand, Englische Wolle und flehmische Tuchproduktion gehören zu den wichtigsten Verflechtungen Nordwest-Europas.

00:42:00: Dazu kommen Menschen, Handwerker, Händler, Siedler, Kämpfer.

00:42:05: Und einer dieser Männer landet mitten im englischen Bürgerkrieg William of Ipress Ein flehmischer Adliga geboren vermutlich um Tausend neunzig.

00:42:15: Als elfhundertdreißig König Heinrich I. stirbt, beginnt eine Nachfolgekrise.

00:42:20: Heinrichs einziger legitimer Sohn, William Effeling war bereits elfhundertzwanzig beim Untergang des White Ship um's Leben gekommen.

00:42:29: Heinrich hatte seine Tochter Matilda als Erben vorgesehen.

00:42:32: Trotzdem lässt sich sein Neffe Stefan von Blois zum König Grünen.

00:42:37: Der Konflikt der daraus entsteht dauert fast zwanzig Jahre.

00:42:40: Spätere Historiker nennen diese Zeit The Anarchy Die Anarchie.

00:42:45: Der Begriff ist eingängig, aber David Crouch mahnt zu Recht zu einem differenzierteren Bild.

00:42:51: England versinkt nicht von elfhundertdreißig bis elfhundertfünfzig überall gleichzeitig in permanentem Chaos.

00:42:58: Königliche Herrschaft funktioniert weiter Dann bricht die Regional ein wird neu ausgehandelt militärisch erzwungen Adlige wechseln Seiten Burgen werden zum Machtzentren manche Regionen erleben schwere Gewalt andere deutlich weniger.

00:43:12: Und mitten darin steht William of Ipress Ein Plame.

00:43:16: Kein namenloser Söldner am Rand des Königreis, sondern einer der wichtigsten militärischen Unterstützer Stefans.

00:43:22: Nach der Gefangennahme des Königs.

00:43:24: in der Schlacht von Linkelen-Elfhundert-Einundvierzig gehört William zu den Männern die Stefanssache weitertragen.

00:43:30: Einen aus Flandern stammender Adler kann also im zwölften Jahrhundert tief in der englichen Machtpolitik verankert sein – das ist ein gutes Gegenmittel gegen die Vorstellung einer abgeschlossenen Insel!

00:43:42: Aber wir dürfen jetzt nicht in andere Richtung übertreiben….

00:43:45: Nur weil Könige, Adlige, Geistliche, Händler und Soldaten mobil sind ist nicht jeder Mensch mobil.

00:43:52: Barbara Harveys Arbeiten zur monastischen Lebenswelt zeigen wie dicht institutionelle Räume organisiert sein können.

00:43:58: Klöster sind keine von der Welt abgeschnittenen Inseln.

00:44:01: die besitzen Land sie verwalten Güter empfangen Gäste bewegen Nachrichten und Menschen Pilger reisen Märkte ziehen Menschen an müssten.

00:44:09: Orte sind mit anderen Küsten verbunden.

00:44:12: trotzdem kann der Alltag eines großen teils der Bevölkerung lokal bleiben.

00:44:16: Beides ist gleichzeitig wahr.

00:44:18: England ist mobil und die meisten Menschen leben in überschaubaren sozialen Räumen.

00:44:24: Genau darin liegt der Unterschied zwischen einem Königreich und einem Dorf.

00:44:27: Auf der Ebene des Königsreichs haben wir im zwölften Jahrhundert die Nachwirkungen skandinavischer Besiedlungen, eine nach Tausend Sechsundsechzig ausgetauscht und neu zusammengesetzte Elite, lateinische Schriftkultur, transösische Herrschaftssprachen, regionale Formen ins Englischen, Menschen aus Flandern besitzt über den Kanal Pilger, Händler, Söldner, Geistliche.

00:44:48: Auf der Ebene eines einzelnen Ortes kann ein Mensch trotzdem sein ganzes Leben in einem viel engeren Radius verbringen und damit können wir die Ausgangsfrage beantworten.

00:44:57: Wie ungewöhnlich waren zwei vollkommen fremdwirkende Kinder im Suffolk des zwölften Jahrhunderts gewesen?

00:45:03: Zunächst einmal – Fremde Menschen sind in diesem England kein logischer Widerspruch!

00:45:07: Das Königreich kennt Migration, Krieg, es kennt Sprachkontakt und Menschen, die über den Kanal kommen.

00:45:13: Es kennt regionale Unterschiede, die nicht mit einer modernen Staatsgrenze zusammenfallen.

00:45:18: Aber auch vollkommen unauffällig wären zwei Kinder ohne erkennbare Zugehörigkeit.

00:45:21: deshalb noch lange nicht!

00:45:23: Denn mittelalterliche Gesellschaft organisiert Menschen über Beziehungen – zu welchem Haushalt gehörst du?

00:45:28: Unter welcher Herrschaft stehst du?

00:45:29: Wer kennt deine Familie?

00:45:31: Welche Sprache sprichst Du?

00:45:32: Woher kommst

00:45:33: Du?!

00:45:34: Fremdheit bedeutet deshalb nicht nur jemand kommt aus einem anderen Land.

00:45:38: Sie kann schon dort beginnen wo diese Fragen keine Antwort mehr finden.

00:45:41: Hier täuscht unser modernes Bild vom Mittelalter vielleicht am stärksten.

00:45:45: England im zwölften Jahrhundert ist kein einheitlicher Block, ein kleines Land ja aber keine kleine Welt.

00:45:54: Irgendwann hört das Mädchen auf grün zu sein?

00:45:58: Keiner der beiden Chronisten kann uns sagen an welchem Tag es geschieht.

00:46:02: Es gibt keinen Moment in dem jemand auf ihre Hände schaut und feststellt dass die Farbe verschwunden ist.

00:46:08: Die Veränderung wird nur im Rückblick sichtbar.

00:46:11: William of Newborough verbindet sie mit der Nahrung.

00:46:14: Die Kinder, schreibt er gewöhnt sich nach und nach an andere Speisen – und mit dieser Veränderungen verliess' ich auch das Grün ihrer Haut.

00:46:24: Mehr erfahren wir darüber nicht!

00:46:25: Keine Beschreibung des Farbtons, keine Beobachtung ob zuerst das Gesicht heller wird oder die Hände.

00:46:32: Keine Angabe darüber wie lange es dauert.

00:46:35: Nur ein Körper, der sich verändert während sein Leben in Ulpit alltäglicher wird.

00:46:41: Und gerade weil wir die Bohnen, die fremden Speisen und den Spracherwerb schon kennen wissen wir an dieser Stelle nicht noch einmal von vorn beginnen.

00:46:50: Entscheidend ist etwas anderes mit jedem Schritt der die Kinder für ihre Umgebung verständlicher macht verschwindet eines jener Merkmale durch die sie überhaupt als Fremd wahrgenommen wurden.

00:47:01: dann stirbt der Junge.

00:47:03: auch hier sind die Berichte knapper als spätere Nacherzählung oft vermuten lassen.

00:47:09: William beschreibt ihn als den Jüngeren der beiden und als körperlich schwach.

00:47:13: Nachdem die Kinder getauft worden sind, überlebt er nur noch kurze Zeit.

00:47:18: Ralfs Fassung lässt ebenfalls keinen langen zweiten Lebensabschnitt entstehen.

00:47:22: Der Junge verschwindet früh aus der Geschichte Kennen weder seinen Namen noch wo er begraben wird oder wissen nicht woran er stirbt.

00:47:30: Das ist eine bemerkenswerte Lehrstelle, was ein Tod in vielen modernen Fassungen beinahe wie eine notwendige Station behandelt wird.

00:47:39: Der Junge ist schwach.

00:47:40: der Junge stirbt.

00:47:42: die Geschichte geht mit seiner Schwester weiter aber für ihn selbst bleibt kaum etwas übrig kein späteres Leben an dem sich noch eine Spur verfolgen ließe kein Haushalt keine Ehe keinen Name.

00:47:55: seine Schwester dagegen bleibt und mit ihr verändert sich die Geschichte.

00:48:00: Bei Ralph of Cocture lebt das Mädchen noch viele Jahre im Haushalt.

00:48:04: Richard DeCorns.

00:48:05: Beschreibt sie dabei nicht gerade freundlich?

00:48:08: Nimeum lasciva et putulans, ungefähr ausgesprochen zügelos und unverschämt.

00:48:14: eine Charakterisierung die später gern so wiederholt wird als hätten wir damit einen direkten Blick auf ihre Persönlichkeit haben wir nicht.

00:48:22: Wir haben das Urteil eines mittelalterlichen Chronisten über ein Mädchen bzw.

00:48:27: eine junge Frau, die als Fremde in einem englischen Haushalt lebt.

00:48:30: Was genau sie getan haben soll bleibt erstaunlich unscharf.

00:48:34: Ralph liefert keine Reihe konkreter Vergehen aus denen wir uns selbst ein Bild machen könnten.

00:48:40: Es gibt uns vor allem eine Wertung, die an ihr hängen bleibt.

00:48:43: Das ist vielleicht der Punkt, an dem was dem grünen Kind langsam eine historische Person werden könnte und, an dem sie uns zugleich wieder entgleitet.

00:48:54: Solang ihre Haut grün ist und niemand ihrer Sprache versteht, isst sie ein Wunder!

00:48:59: Später spricht sie Englisch, lebt in einem Haushalt und wird nach den Maßstäben ihrer Umgebungen beurteilt.

00:49:06: William führt ihre Geschichte noch weiter – bei ihm heiratet die junge Frau einen Mann aus Linn, dem heutigen Kingslin ….

00:49:13: Und William fügt ein Detail hinzu das leicht überlesen wird Sie soll dort noch kurze Zeit vor seiner eigenen Niederschrift gelebt haben.

00:49:21: Wenn diese Angabe stimmt, dann rückt das Mädchen plötzlich sehr nah an den Chronisten heran Nicht nah genug um daraus eine Augenzeugung für uns zu machen.

00:49:32: William sagt nicht dass er mit ihr gesprochen hat.

00:49:35: Er nennt keinen Namen aber seine Formulierung macht aus ihr auch keine Gestalt einer fernen Vergangenheit.

00:49:41: In seiner Darstellung lebt sie in eine Zeit hinein die an seine eigene Gegenwart grenzt.

00:49:47: Dort beginnt allerdings ein Problem, das die Geschichte bis heute begleitet.

00:49:52: Eine namenlose Frau lädt dazu ein ihr einen Namen zu geben.

00:49:57: Spätere Autoren haben versucht die überlebende Schwester in englischen Familiengeschichten wiederzufinden.

00:50:04: Besonders bekannt ist die Identifizierung mit einer Frau namens Agnes, die einen königlichen Beamten namens Richard Berge heiratet haben soll.

00:50:13: Das klingt verführerisch korrekt.

00:50:16: Aus dem grünen Mädchen wird Agnes aus einer knappen Chroniknotiz mit eine Biografie.

00:50:21: Aber diese Identifizierung stammt nicht von William, nicht von Ralph und sie ist keine gesicherte Fortsetzung der mittelalterlichen Quellen.

00:50:30: Sie beruht auf späteren genealogischen Rekonstruktion und Kombination von Namen, Orten und möglichem Verbindung.

00:50:38: John Clark behandelt solche Versuche entsprechend vorsichtig.

00:50:42: Dann zwischen William berichtet von einer feiraten Frau in Lin und diese Frau war Agnes Bär liegt genau jene Lücke, die eine gute Geschichte gern schließen möchte.

00:50:51: Die Quellen aber offen lassen.

00:50:54: Deshalb sollten wir das auch tun!

00:50:57: Gesichert ist innerhalb der Überlieferung nur wenig.

00:51:00: Der Junge stirbt früh Das Mädchen überlebt Es lernt die Sprache seiner Umgebung Es verliert die grüne Färbung.

00:51:07: Ralph sieht sie über Jahre im Haushalt.

00:51:09: Richard de Collins.

00:51:11: William berichtet von einer späteren Ehe und davon, dass sie noch bis nahe an seine eigene Zeit gelebt habe.

00:51:18: Dann verliert sich ihre Spur – vielleicht ist das die eigentliche Veränderung dieser Geschichte?

00:51:25: Nicht, dass aus einem fremden Kind plötzlich ein gewöhnlicher Mensch wird sondern, dass die Merkmale verschwinden, an denen die Geschichte ihre Fremdtheit festgemacht hat!

00:51:34: Die Farbe geht Sprache wird verständlich.

00:51:38: Das Mädchen bekommt einen Platz in der Gesellschaft, die es aufgenommen hat und trotzdem erfahren wir ausgerechnet jetzt immer weniger über sie.

00:51:49: vielleicht waren die beiden einfach Kinder keine Wesen aus einer anderen Welt keine Feen keine Besucher aus einem Land ohne Sonne Kinder die sich verehrt hatten.

00:52:02: Das ist die Grundidee hinter fast allen vernünftigen Erklärungen für Woolpit.

00:52:07: Und sie klingt zunächst bestechend einfach, eine bekannte Sprache wird zur Sprachbarriere.

00:52:13: Fremde Kleidung wird zu regionalen Tracht.

00:52:16: Die grüne Haut bekommt eine medizinische Ursache.

00:52:19: aus St.

00:52:19: Martinsland wird ein realer Ort.

00:52:22: Nur je genauer man hinsieht, desto weniger einfach wird es.

00:52:27: Beginnen wir mit der bekanntesten Hypothese Die Kinder seien Flamen gewesen, Menschen aus Flandern sind im England des zwölften Jahrhunderts keine exotische Ausnahme.

00:52:38: Das wissen wir inzwischen!

00:52:40: Sie kommen als Händler und Handwerker, als Siedler und Soldaten.

00:52:44: Während der Regierungszeit König Stefans spielen flehmische Kämpfer sogar eine sichtbare Rolle im englischen Bürgerkrieg.

00:52:52: Die historische Voraushälzung stimmt also zwei flehmige Kinder in England wären grundsätzlich denkbar Aber die konkrete Erklärung ist viel jünger als die Geschichte.

00:53:02: Eine ausführliche Fassung legt Paul Harris, Nineteintachtachundneunzig vor.

00:53:07: Sein Vorschlag verbindet mehrere auffällige Details zu einer einzigen Rekonstruktion.

00:53:13: Die Kinder könnten aus einer flehmischen Gemeinschaft in der Gegend um Barry St.

00:53:17: Edmonds gekommen sein.

00:53:18: Ihre Sprache wäre für die Menschen in Wulpit unverständlich gewesen Ihre Kleidung hätte fremdgewirkt und St.

00:53:25: Martinsland ihre dann vielleicht gar kein geheimnisvolles Reich, sondern ein missverstandener Ortsname.

00:53:31: Denn nördlich von Barry St.

00:53:33: Edmunds liegt tatsächlich Fornham St.

00:53:35: Martin – und wenige Kilometer weiter geschieht im Jahr elfhundertdreiundsebzig etwas das diese Erklärungen zunächst erstaunlich gut zu stützen scheint.

00:53:46: Am siebzehnten Oktober kommt es zur Schlacht bei Fornhelm.

00:53:50: England befindet sich in einer Rebellion gegen Heinrich II.

00:53:54: Robert de Beaumont, der Earl of Leicester ist mit Truppen aus Flandern gelandet.

00:54:00: zu seinem Herr gehören mehrere tausend flehmische Kämpfer.

00:54:04: häufig wird eine Größenordnung von etwa dreitausend Mann genannt.

00:54:08: bei Vornhem treffen die Rebellen auf Königstreuerkräfte und werden vernichtend geschlagen.

00:54:14: Die mittelalterliche Überlieferung zeichnet gerade für die Flamen ein Bild massiver Verluste.

00:54:20: Plötzlich liegen mehrere Teile nebeneinander.

00:54:24: Flamen, Gewalt, einen Ort namens St.

00:54:26: Martin eine Schlacht in der Nähe von Burys and Edmonds.

00:54:31: Zwei Kinder, die ohne erkennbare Familie auftauchen.

00:54:34: Das ist stark und genau deshalb muss man jetzt auf die Bremse treten.

00:54:39: Den William of Newborough zählt das Auftauchen der Kinder in die Regierungszeit König Stephans.

00:54:45: Stefan stirbt elfhundertfünfzig.

00:54:48: Die Schlacht bei Fornham findet elfhundertseinhalbzig statt, dazwischen liegen neunzehn Jahre!

00:54:54: Wenn Williams Satierung stimmt kann die Schlacht nicht die Ursache dafür sein dass die Kinder ein Wolfit auftauchen.

00:55:01: Nicht knapp daneben, nicht ein paar Monate zu früh oder zu spät zwei Jahrzehnte.

00:55:07: Man kann diese Lücke schließen, indem man William eine falsche Datierung unterstellt.

00:55:11: Man kann vermuten das er eine spätere Geschichte in die falsche Regierungszeit gesetzt hat oder dass verschiedene lokale Erinnerungen miteinander verschmolzen sind.

00:55:22: Aber dann muss man ehrlich sein was passiert?

00:55:25: Die Hypothese erklärt nicht mehr die Quelle.

00:55:28: Sie korrigiert sie damit die Erklärung funktioniert.

00:55:32: Und Frenhelm hat auch noch ein zweites Problem Eine Schlacht mit flehmischen Söldnern beweist keine flehmische Siedlung, aus der zwei Kinder stammen könnten.

00:55:42: Soldaten sind keine Familien – ein Herr ist keine Dorfgemeinschaft.

00:55:47: Harris braucht deshalb mehr als die belegte Anwesenheit flehmischer Kämpfer!

00:55:52: Er braucht eine zivile flehmliche Bevölkerung in der richtigen Gegend, eine Verbindung zu den Kindern und einen Weg von dort erhulpit.

00:56:01: Genau an diesem Punkt wird John Clark skeptisch.

00:56:04: Clark hat sich mehrfach mit der Geschichte beschäftigt und die flanderne Erklärung ausdrücklich geprüft.

00:56:10: Sein Einwand richtet sich nicht dagegen, dass Flamen in England lebten – das ist umstrittig!

00:56:17: Er richtet zich gegen die Sicherheit, mit der aus diesem allgemeinen historischen Hintergrund eine konkrete Biografie der Kinder gebaut wird.

00:56:25: Denn selbst wenn wir zwei flemische Kinder annehmen bleiben Fragen, warum erkennt niemand ihre Sprache?

00:56:32: Das ist kein Totschlagargument.

00:56:34: In einem Dorf musste niemand automatisch jede kontinentale Sprache bestimmen können, ein lokaler flehmischer Dialekt konnte fremdklingen.

00:56:43: Kinder unter Stress sprechen.

00:56:45: vielleicht undeutlich und unsere Quellen sagen nicht dass sämtliche Menschen Englerns erfolglos versucht hätten sie zu verstehen Aber Ralph bringt die Kinder in den Haushalt Richard de Kans.

00:56:56: Die Geschichte bewegt sich also nicht ausschließlich unter Menschen, die niemals über ihr Dorf hinausgekommen sind.

00:57:03: Die Größe der Kreis der Erwachsenen wird – das du auffälliger wirst – ist dass die Sprache offenbar keine Identifizierung ermöglicht.

00:57:11: Nicht unmöglich aber erklärungsbedürftig!

00:57:14: Dann ist er St Martin's Land.

00:57:20: Das ist der vielleicht eleganteste Teil der Hypothese.

00:57:24: Ein fremdsprachiges Kind versucht seine Herkunft zu benennen, englische Zuhörer verstehen etwas anderes – aus einem realen Ort wird in der Überlieferung ein Land.

00:57:33: So könnte ein Missverständnis aussehen!

00:57:36: Nur steht auch hier eine Frage im Weg….

00:57:38: Warum sollte ausgerechnet von Heimstein Martin als LAND beschrieben werden?

00:57:43: Und warum erscheinen in der Herkunftserzählung zusätzlich das eigentümliche Licht, der Fluss und das hellere Gebiet in der Ferne?

00:57:51: Man kann auch diese Elemente umdeuten.

00:57:54: Aber mit jeder zusätzlichen Hilfskonstruktion verliert eine Erklärung etwas von ihrer ursprünglichen Einfachheit.

00:58:01: Bleibt die Verehrungen bei Ralph folgen die Kinder dem Vieh in einer Höhle und gelangen nach einem Weg durch die Dunkelheit ins Freie.

00:58:09: Nimmt man den übernatürlichen Rahmen heraus, könnte dahinter eine sehr gewöhnliche Erfahrung stehen.

00:58:15: Kinder verlieren die Orientierung – sie folgen Tieren, sie geraten in unbekanntes Gelände.

00:58:20: Später versuchen Sie einen Weg zu beschreiben für denen Ihnen in der neuen Sprache die Worte fehlen!

00:58:26: Das ist grundsätzlich plausibel.

00:58:28: Nur erklärt veriert noch keine Entfernung.

00:58:32: Vornheim sind Martin und Wulpit liegen nicht nebeneinander.

00:58:36: Ein Weg wäre möglich, aber wir besitzen keine Quelle die ihn beschreibt.

00:58:41: Keine Spur der Eltern, keine Suche kein identifizierter Herkunftsort!

00:58:46: Die Verehrung ist deshalb keine historische Rekonstruktion.

00:58:50: sie ist eine Möglichkeit.

00:58:52: und dann bleibt da das auffälligste Merkmal von allen... Es gibt Medizine dokumentierte Verfärbungen, die grünlich erscheinen können.

00:59:09: Blutergüsse feinern beim Abbau des Blutfarbstoffs ihre Farbe.

00:59:13: Bestimmte Pigmente, chemische Stoffe oder Medikamente können Haut verfärben.

00:59:19: Auch schwere Erkrankungen können ungewöhnliche Farbtöne erzeugen – nur hilft uns das für Wohlpid zunächst wenig!

00:59:27: Denn wir brauchen keine beliebige Krankheit, die irgendwo am menschlichen Körper einen grünen Fleck erzeugt.

00:59:33: Wir brauchen eine Erklärung für zwei Kinder, deren Haut von Beobachtern als Grün wahrgenommen wird und ihren Farbe später verschwindet nachdem sie andere Nahrungen annehmen.

00:59:44: Deshalb taucht seit Langem ein bestimmter Begriff auf Chlorose Denn Name kommt vom griechischen Chloros also Grünlich oder Blassgrün.

00:59:54: Im deutschen sprach man von Chloroze- oder Bleichsucht Im Englischen von Green's Sickness Gemeint war ein historisches Krankheitsbild, das vor allem jungen Frauen zugeschrieben wurde.

01:00:05: Blässe, Schwäche, Müdigkeit und mitunter ein eigentümlich fahlgrünlicher Tein.

01:00:11: Später wurde die Chlorose zunehmend mit Eisenmangel-Anemie in Verbindung gebracht – also mit einer Blutarmut, die typischerweise mikrozytär und hypochrom sein kann.

01:00:23: Die roten Blutkörperchen sind kleiner und enthalten weniger Hemoglobin als normal.

01:00:28: Das klingt fast zu passend.

01:00:31: Grüne Haut, Mangelernährung, Besserungen durch Nahrung – nur auch hier müssen wir genauer hinsehen!

01:00:38: Erstens ist Chlorose keine saubere moderne Diagnose die man rückwirkend auf zwei Kinder des zwölften Jahrhunderts anwenden kann.

01:00:47: Der Begriff hat eine lange und wechselnde Geschichte.

01:00:50: Robert Burton erwähnt die Green Sickness, in seiner Anatomy of Melancholy, mehr als vierhundert Jahre nach der behaupteten Ankunft der Kinder in Woolpit.

01:01:03: Spätere Medizin macht daraus ein eigenes Krankheitsbild – besonders bei heranwachsenden Mädchen.

01:01:09: Im neunzehnten Jahrhundert wird Chlorose intensiv diskutiert und zunehmend mit Blutarmut verbunden.

01:01:16: Das ist Medizingeschichte, kein Befund an den Kindern.

01:01:21: Zweitens macht Eisenmangel menschentypischerweise Blass.

01:01:24: Anämie kann Haut und Schleimhäute auffällig Fahl erscheinen lassen.

01:01:28: Ein grünlicher Eindruck ist historisch beschrieben worden aber Eisenmangell macht die Hautgrün wäre eine grobe und irreführende Verkürzung.

01:01:36: Schon gar nicht lässt sich aus einer mittelalterlichen Farbangabe rückwirkend eine Diagnose stellen.

01:01:42: Drittens haben wir zwei Kinder.

01:01:45: Die klassische Chlorose der späteren medizinischen Literatur ist stark mit weiblicher Pubertät verbunden.

01:01:51: Das passt schlecht zu einem Geschwisterpaar aus Mädchen und einem jüngerem Jungen.

01:01:56: Man kann allgemein Mangelernährung oder eine andere Form von Anämie annehmen, aber dann entfernen wir uns wieder von der spezifischen Diagnose chlorose.

01:02:06: Was erklärt die medizinische Hypothese also?

01:02:09: Sie erklärt, warum eine ungewöhnliche Hautfarbe mit vereinerter Ernährung verschwinden könnte.

01:02:15: Woher stammt sie?

01:02:16: Aus dem Versuch Williams & Ralphs Verbindung von Nahrung und Farbverlust mit später bekannten Krankheitsbildern zusammenzubringen.

01:02:24: Woran scheitert sie?

01:02:25: An fehlenden klinischen Daten an der Unsicherheit der Farbbeschreibung und daran das Grün in einer Chronik keine Laboruntersuchung ist.

01:02:34: Es gibt noch radikalere medizinische Erklärungen Asenvergiftung zum Beispiel.

01:02:39: Asen kann Hautveränderungen verursachen.

01:02:42: daraus ist die Vorstellung entstanden, die Kinder können vergiftet und ausgesetzt worden sein.

01:02:47: in manchen moderneren Fassungen bekommt diese Idee sogar eine vollständige Handlung ein Vormund Ein Erbe zwei Kinder die beseitigt werden sollen.

01:02:57: das Problem ist nur dieser handlungen steht nicht in den mittelalterlichen Quellen.

01:03:01: Sie ist eine moderne Geschichte, die eine medizinische Möglichkeit mit einem erfundenen Verbrechen verbindet.

01:03:08: Und auch medizinisch passt sie eher schlecht.

01:03:11: Chronische Asenexposition ist vor allem mit Pigmentveränderungen und Verhornungsstörung verbunden – nicht mit dem einfachen Bild, zwar ja gleichmäßig grüner Kinder deren Farbe nach einer Ernährungsumstellung verschwindet!

01:03:26: Als Erklärung klingt Asen wahrscheinlich bei genauerem Hinsehen erklärt es jedoch kaum etwas.

01:03:32: Und damit stehen wir wieder am Anfang!

01:03:34: Die flemische Hypothese kann die fremde Sprache und Kleidung historisch plausibel machen.

01:03:40: Vorne im St Martin bietet einen verblüffenden Ortsnamen, die Gewalt des zwölften Jahrhunderts liefert einen denkbaren Hintergrund für verlorene Kinder – aber die Chronologie widerspricht der elegantesten Version.

01:03:53: Die Verehrung kann erklären, warum Kinder ohne Begleitung auftauchen.

01:03:58: Aber nicht woher sie kamen!

01:04:00: Eine Anämie kann einen ungewöhnlichen Turn und eine Verbesserung nach veränderter Ernährung plausibel machen aber keine sichere grüne Haut diagnostizieren.

01:04:10: Chlorose liefert sogar den historischen Namen einer grünen Krankheit.

01:04:15: Aber das Krankheitsbild passt nur unvollständig und stammt als medizinische Kategorie aus einer viel späteren Welt.

01:04:22: Das ist das Problem mit den vernünftigen Erklärungen von Hulpit.

01:04:26: Sie sind nicht dumm, im Gegenteil fast jede beginnt mit einem Detail, dass tatsächlich etwas erklärt und fast jede wird schwächer, sobald sie versucht alles zu erklären.

01:04:36: Vielleicht wären es flehmische Kinder?

01:04:38: Vielleicht waren sie Mangel ernährt?

01:04:40: Vielleicht hatten sie sich verirrt?

01:04:42: Das kann sein!

01:04:43: Aber aus drei Möglichkeiten wird nicht automatisch ein Ereignis.

01:04:48: Und manchmal ist eine vernünftige Erklärung nur eine Geschichte, die moderner klingt als die alte.

01:04:55: Am Ende bleiben zwei Kinder und eine Geschichte ,die nicht bei ihnen bleibt Denn irgendwann verändert sich die Frage.

01:05:03: Es geht nicht mehr nur darum woher diese Kinder gekommen seien könnten Sondern darum was sie gewesen sein sollen.

01:05:11: Fähn Bewohner einer Unterwelt Wesen aus einer anderen Dimension.

01:05:17: Fast achthundert Jahre liegen zwischen William of Newborough und den modernen UFO-Theorien.

01:05:23: Historisch ist das ein gewaltiger Abstand, deshalb sollten wir nicht zu tun als hätte sich eine einzige Deutungslinie vom mittelalterlichen England bis ins zwanzigste Jahrhundert gezogen.

01:05:35: Die beiden Chronisten nennen die Kinder nicht Femme – sie sprechen nicht von Elfen und erklären St.

01:05:40: Martinsland nicht zum Reich einer übernatürlichen Bevölkerung.

01:05:45: William bezeichnet das Geschehen als Podigium, als Wunderzeichen.

01:05:49: Ralph überliefert eine ähnliche rätselhafte Geschichte.

01:05:53: Eine Lösung liefern beide nicht – die Feen kommen später!

01:05:59: Das liegt auch daran dass Wulfit Motive enthält, die aus anderen Erzählungen vertraut wirken.

01:06:05: Da ist ein Land, das neben der menschlichen Welt zu existieren scheint und doch nicht auf ihrer Landkarte liegt.

01:06:11: Da ist der Weg durch Dunkelheit bei Ralph sogar durch einen unterirdischen Raum.

01:06:16: Das Licht verhält sich anders als in England.

01:06:19: Die Kinder können nicht zurück und dann ist da noch die Nahrung, die sie zunächst von den Menschen um sie herum trennt.

01:06:26: Im neunzehnten Jahrhundert nimmt Thomas Keatley die Geschichte an seine Ferry-Methylogie auf.

01:06:32: Damit steht Ulpid ausdrücklich in einer Sammlung.

01:06:35: die Fehnvorstellung verschiedener Länder untersucht und vergleichbar macht Im zwanzigsten Jahrhundert diese Verbindung noch enger.

01:06:43: Catherine Briggs, eine der einflussreichsten britischen Volkloristinnen ihrer Zeit rückt die grünen Kinder in die Nähe von fehenreichen und Vorstellungen vom Reich der Toten.

01:06:55: Besonders die Bohnen spielen dabei eine Rolle.

01:06:58: Briggs verweist auf Verbindung zwischen Bonen, Tod- und Unterwild und ließt die ungewöhnliche Nahrung der Kinder vor diesem Hintergrund.

01:07:07: Das klingt zunächst erstaunlich passend, vielleicht sogar ein wenig zu passend.

01:07:12: Denn John Clarke hat später genau an diesem Punkt widersprochen Die vermeintliche klare Tradition der Bone als Speise der Toten lasse sich für das mittelalterliche England nicht so selbstverständlich voraussetzen wie es in solchen Deutungen manchmal geschieht.

01:07:29: Auch der heilige Martin wird nicht automatisch zum Herrn eine Anderswelt nur weil sein Name in der Geschichte auftaucht.

01:07:36: Die einzelnen Motive sind vorhanden, aber die Verbindung zwischen ihnen entsteht erst durch die Deutung.

01:07:42: Vielleicht ist Volklore an dieser Stelle ein wenig wie ein Sternbild?

01:07:47: Die Punkte sind wirklich da – die Dunkelheit, das andere Licht, die fremde Nahrung, die grüne Haut… Aber welche Linien wir zwischen ihnen ziehen hängt davon ab welches Bild wir bereits kennen?

01:08:00: Trotzdem verschwindet die Verbindungen zu Anderswelt nicht einfach.

01:08:04: dafür ist die Geschichte zu Anschlussfähig.

01:08:07: Nur muss man sich von einem modernen Bild der Fee lösen, wer heute dieses Wort hört, denkt schnell an Flügel, Zauberstäbe und kleine leuchtende Wesen.

01:08:18: Die britische Folklore ist sehr viel unordentlicher.

01:08:22: Ihre Anderswelten können unter Hügeln liegen oder hinter einer Grenze, die man versehentlich überschreitet.

01:08:29: Ihre Bewohner müssen nicht winzig sein!

01:08:32: Zeit kann dort anders vergehen.

01:08:35: Nahrung kann eine Grenze markieren und wer einmal hinüber gelangt, findet den Weg vielleicht nicht zurück.

01:08:42: Vor diesem Hintergrund wirkt Wulpit plötzlich vertraut.

01:08:46: Die Kinder kommen aus einem Land mit anderem Licht.

01:08:48: Der Übergang nach England bleibt schwer greifbar.

01:08:51: der Rückweg gelingt nicht.

01:08:54: Zunächst können sie mit der Nahrungen ihrer Umgebung kaum etwas anfangen.

01:08:58: Das alles lässt sich neben andere Erzählungen von Anderswelten stellen Aber Ehrlichkeit ist keine Herkunftskunde.

01:09:06: Nur weil eine Geschichte in ein folkloristisches Muster passt, muss sie nicht aus diesem Muster entstanden sein und Wulpit bleibt an mehreren Stellen widerspenstig.

01:09:16: Die Kinder werden getauft – das Mädchen lehrt die Sprache seiner Umgebung und lebt weiter unter Menschen.

01:09:22: Wenn wir William folgen, heiratet sie sogar!

01:09:25: Kein Feenvolk kommt um sie zurückzuholen.

01:09:29: Kein Hügel öffnet sich ein zweites Mal.

01:09:32: Vielleicht ist gerade diese Unvollständigkeit der Grund dafür, dass die Geschichte so viele Deutungen aushält.

01:09:40: Sie ist fremd genug um nicht ganz in der bekannten Welt aufzugehen aber offen genug um wieder neue gelesen zu werden.

01:09:47: und irgendwann bekommt die andere Welt eine neue Adresse Nicht mehr zwingend unter einem Hügel oder hinter einer unsichtbaren Grenze sondern außerhalb der Erde.

01:09:57: Diese Bewegung beginnt früher als man vielleicht erwarten würde.

01:10:02: Schon Robert Burton erwähnt die grünen Kinder, in seiner Anatomy of Melancholy und bringt die Möglichkeit ins Spiel.

01:10:09: Sie könnten vom Himmel gefallen sein.

01:10:12: Wenige Jahre später erscheint Francis Godwin's The Man and the Moon, Postum veröffentlicht, eine fantastische Reise zum Mond.

01:10:23: John Clark hatte auch Verbindungen zwischen Godwin´s Werk.

01:10:29: Das macht aus den Kindern noch keine außerirdischen demodern Sinne.

01:10:34: Im frühen siebzehnten Jahrhundert existiert weder unser Begriff des Ufos, noch die populäre Vorstellung technisierter Besucher aus dem Weltraum – aber die Richtung ist bemerkenswert!

01:10:47: Die unbekannte Herkunft der Kinder lässt sich offenbar schon damals nicht nur unter der Erde oder in einem verborgenen Land denken.

01:10:55: Sie kann auch nach oben verlegt werden….

01:10:58: Im zwanzigsten Jahrhundert verändert sich der kulturelle Horizont noch einmal grundlegend.

01:11:03: Raumfahrt und Science-Fiction machen andere Planeten zu vorstellbaren Orten.

01:11:10: Nach nineteenundvierzig etabliert sich mit den Berichten über sogenannte Flysauces eine moderne UFO-Kultur, die älteren Geschichten nach neuen Mustern liest.

01:11:22: Ein unbekanntes Wesen muss nun nicht mehr aus einem Fähnreich

01:11:25: kommen!

01:11:26: Es kann von einem anderen Planeten stammen.

01:11:29: Ein unerklärlicher Übergang braucht keinen Zauber, es kann technisch sein.

01:11:34: Wulpit gerät genau in diesen Sog.

01:11:55: Das sind noch keine Alien-Theorien, aber die Geschichte ist nun Teil einer modernen Ordnung des Seltsam.

01:12:02: Gesammelt klassifiziert und mit anderen Erzählungen vergleichbar.

01:12:07: Zugleich entsteht außerhalb der akademischen Völkloristik jene Welt, die später unter dem Begriff Fortierna ganz selbstverständlich historische Berichte Spukphänomene unbekannte Tiere Ufos und andere Anomalinen nebeneinander stellt.

01:12:22: In dieser Welt muss Wulpit nicht lange auf eine außerirdische Erklärung warten.

01:12:28: Eine, der ausführlichsten stammt von Duncan Lohnen.

01:12:30: In nineteen-seixundneinzig veröffentlichte er schottische Autor in Analog Science Fiction entfärgt eine Deutung die aus der mittelalterlichen Geschichte ein technisches Szenarium macht.

01:12:42: Dickt hinter seinen Menschen gewesen aber nicht von der Erde!

01:12:47: Ihre Vorfahren hätten auf einer fernen Welt gelebt, in einer menschlichen Kolonie deren Entstehung mit außerirdischer Hilfe verbunden gewesen sei.

01:12:56: Das eigentümliche Licht von Saint Martinsland wird zur Eigenschaft eines anderen Planeten – die fremde Vegetation soll die grüne Haut erklären und der Weg nach Ulpid wird zu einem technischen Unfall.

01:13:09: Ein Materie-Transmitter habe die Kinder versehentlich auf die Erde gebracht.

01:13:14: Später baut Leunen diese Geschichte weiter aus.

01:13:17: In Jahrzehntzwölf erscheint sein Buch Children from the Sky, er versucht sogar die überlebende Schwester genealogisch zu identifizieren und ihre Nachkommen bis in die Neuzeit verfolgen.

01:13:30: Das ist keine historische Rekonstruktion, die sich aus William and Ralph ergibt!

01:13:35: Es ist eine spekulative Konstruktion die mittelalterliche Chronik, Genealogie & Science Fiction miteinander verbindet.

01:13:42: Aber gerade deshalb ist sie für die Geschichte der Geschichte interessant.

01:13:47: Denn Lunen tut im Grunde etwas, das schon frühere Deutungen getan haben.

01:13:51: Er nimmt die Lehrstellen ernst genug um sie zu füllen.

01:13:55: Nur benutzt er dafür nicht die Vorstellungswelt der Fähen sondern die Technik seiner eigenen Zeit.

01:14:02: Damit verändert Wulpit immer wieder seine Sprache.

01:14:05: Im Mittelalter kann ein unerklärliches Geschehen als Wunderzeichen festgehalten werden.

01:14:11: In der Volklore rückt es in die Nähe einer Anderswelt.

01:14:14: Im Zeitalter des Science Fiction wird aus dem Übergang ein Portal oder einen Transporter, aus dem Land ohne vertraute Sonne ein anderer Planet – Die Struktur ähnelt sich aber die Erklärung folgt den Möglichkeiten ihrer jeweiligen Gegenwart.

01:14:32: Möglicherweise liegt hier auch der Grund warum die grünen Kinder bis heute nicht verschwinden Denn erstaunlich wenig an ihnen ist wirklich fest.

01:14:41: Wir kennen ihre Namen nicht und ihre Eltern nicht.

01:14:44: Wir kennen Ihre Sprache nicht, wir wissen nicht wo's St.

01:14:47: Martinsland liegen soll.

01:14:48: Beim Jungen eine Dishwur mit seinem Tod.

01:14:52: Bei Mädchen in wenigen Sätzen bevor spätere Autoren beginnen die Lücken mit Namen und Stammbäumen zu füllen.

01:14:59: Fast alles Persönliche geht verloren nur die Farbe nicht.

01:15:04: sie steht schon bei William & Ralph und bleibt auch in den späteren Deutung erhalten bei Keithley, Omen und Briggs in der Fortiana in Science Fiction und UFO Theorien.

01:15:16: Vielleicht liegt es daran das Farbe schneller ist als Geschichte?

01:15:20: Man muss nichts über König Stefan wissen um zwei grüne Kinder seltsam zu finden!

01:15:25: Man muss Woolpit nicht auf einer Karte zeigen können und weder William noch Ralph gelesen haben.

01:15:30: Die Vorstellungen genügt – Zwei Kinder tauchen auf Denn niemand versteht ihre Sprache, ihrer Haut ist grün.

01:15:37: Am Anfang stehen zwei Chronist, die versuchen etwas Unerhörtes festzuhalten.

01:15:43: Danach kommen Sammler, Historiker, Völkeristen, Mediziner, Fortierner und Science-Fiction Autoren.

01:15:51: Jede Zeit bringt die Welt mit, die ihr zur Verfügung steht und findet darin einen neuen möglichen Herkunftsort für die Kinder – ein Verborgensreich, ein Unterwelt, ein anderer Planet eine andere Dimension.

01:16:04: So wird aus einer Geschichte nicht eine einzige Legende sondern eine Fläche, auf die sich immer neue Vorstellungen legen lassen.

01:16:13: Und während sich die Erklärung verändern, verschwinden die Menschen darunter immer weiter.

01:16:18: Vielleicht ist das die letzte Verwandlung von Wulbit?

01:16:21: Aus zwei namenlosen Kindern werden fehn, fremde, kranke, außerirdische – alles was eine spätere Zeit in ihnen sehen kann!

01:16:30: Nur wer sie selbst waren wissen wir bis heute nicht.

01:16:40: Okay, denn wie wissend fühlst du dich jetzt über die Kinder von Willpitt?

01:16:43: Hast das Gefühl, du hast es jetzt verstanden?

01:16:45: Du hast so eine Ahnung was jetzt die Lösung sein könnte.

01:16:49: Was klingt für dich am plausibelsten?

01:16:51: Eigentlich ja fast alles aber dann immer.

01:16:54: wenn dann immer eins fehlt oder eins an doch keinen Sinn macht oder die Jahre nicht passen ist halt die Frage wie zuverlässig sind's denn dieser Jahreszahlen?

01:17:01: aber das mit diesen flehmischen Soldaten kehren dann, das macht ja Sinn.

01:17:07: Aber wenn dieser Krieg erst später war nachdem sie aufgetaucht sind, da macht es keinen Sinn, dass die beide zur gleichen Zeit die gleiche Krankheit haben und zufällig nicht richtig sprechen

01:17:18: können,

01:17:18: ist auch komisch.

01:17:20: Die Frage ist auch, was heißt denn jetzt Grün?

01:17:22: Waren die wirklich so grün-grün?

01:17:24: Also hatten wir diese Krankheit ... Chlorose hast du gesagt, ne?

01:17:30: Chloros ist gar eher...

01:17:33: Also, ich will nicht das wirklich sehen.

01:17:35: Im jeden Fall sehe ich nie wie es aussieht.

01:17:36: damit im Sinne von alle bleiben gesund.

01:17:40: Aber ja damals ist das schon richtig weird wenn einfach so zwei Grüner auftauchen und du halt noch nicht Science-Fiction hast und sagen kannst, da sind Marsmännchen wie Tim, sondern ja, Chlorose oder diese Greensickness dadurch dass es dann auch dieses Story gibt, was sie bei diesem Dude gewohnt hat?

01:17:59: Und dann irgendwie einfach random normal wurde.

01:18:01: Ich war nicht einfach nur voller Matsch und Mist, sondern deswegen Grün.

01:18:06: Und die hatten ja noch keine Duschen damals.

01:18:09: Deswegen hat das eine Weile gedauert bis der grüne Matsch abgepröckelt ist.

01:18:13: Vielleicht habe ich den Fall gerade gelöst?

01:18:16: Also es klingt schon sehr konstruiert.

01:18:19: Es gibt auch manchmal so dass es solche Stories gibt wenn wir auch mal Folgen machen zu anderen Kindelkindern.

01:18:26: Dass man sich einfach irgendwas Spektakuläres ausdenkt Um halt irgendwie eine coole Story zu haben, weil ... Wir haben random zwei Kinder bei uns in der Grube gefunden.

01:18:35: Klingt halt nicht so cool wie ... Die waren grün und haben Bohnen gegessen.

01:18:41: Aber wusst ihr ja selber gar nicht, wie man die Bohn ist?

01:18:43: Ich bin echt... ich hab gar keine Ahnung!

01:18:45: Ich weiß das wirklich nicht.

01:18:46: Es hat mich auch wirklich noch beschäftigt.

01:18:48: Dann hatte mich das erst mal damit beschäftigt gehabt.

01:18:50: Oh mein Gott, das war jetzt zweimal beschäftigt!

01:18:54: Ja, dann so die pass jetzt nicht.

01:18:55: aber trotzdem würde ich echt sagen Ich bin völlig ratlos.

01:18:58: Also ich glaube auch ein bisschen daran, dass die Überlieferung sehr übertrieben dargestellt wurde und der eine Version ist es ja auch das ganze Land grün und bla bla.

01:19:07: Da habe ich ehrlich gesagt erst ein bisschen Angst gehabt, dass es irgendwie in eine Art von Hautfarbe ging, die einfach damals in England noch nicht kannte.

01:19:14: aber dann dachte ich auch okay welche Hautfarben könnte man mit Grün assoziieren?

01:19:17: Das ist irgendwie auch ein bißchen quatschig so.

01:19:19: Deswegen denke ich auch vielleicht wird's schlamm gewesen sein.

01:19:23: Vielleicht war den einfach schlecht wirklich und es wird halt übertieben Die sahen vielleicht einfach ehe oder das war so ein bisschen so ein gruseliges Setting, deswegen wurde es dann unnötig mystifiziert.

01:19:33: Wer weiß?

01:19:35: Ja oder wenn's damals wirklich so eine Sprachbluralität gab, vielleicht gab's dann ja irgendwie... ...das Green vielleicht auch was ganz anderes heißt und dass einfach nur komplett umformuliert wird.

01:19:45: Vielleicht waren sie statt green greedy, keine Ahnung.

01:19:50: Aber das ist dann auch dieses... Dass Sie keine Ahnungen haben wie man ist, okay.

01:19:54: Das sind halt Kinder wahrscheinlich.

01:19:56: Wenn man so ganz klassisch mal denkt, die in einer Familie sind sollen wahrscheinlich die Eltern kochen oder wahrscheinlich die Mutter am ersten dann.

01:20:02: Woher soll die wissen wie man eine Bohne schält wird gesagt?

01:20:07: Das heißt das ist ja nicht so schlimm dass man die nicht versteht.

01:20:10: okay und wenn sie dann halt erzählen und man wirklich nicht die Sprache versteht und sich ein bisschen mit dem Hand und Fuß verständigt denn immer mal so einen Wort raus hört wie Sankt Martin scheinbar und Green vielleicht meint ihr auch von einer Queen keine Ahnung.

01:20:26: Also, wenn ich... Ich habe mich auch schon mal unterhalten mit Menschen die nicht Englisch konnten und nicht Deutsch konnten.

01:20:32: Und ich konnte deren Sprache dann auch nicht.

01:20:34: Irgendwie findet man ja trotzdem zusammen, ne?

01:20:37: So mit Hand und Fuß das man so ungefähr weiß was der andere jeweils versucht auszudrücken.

01:20:45: Das heißt vielleicht war es dann ja auch so, dass da einfach Missverständnisse entstanden sind, die heute zu Podcast folgen führen.

01:20:52: Was ich auch spannend fand waren noch Der Ritter, bei dem das Mädchen später gelebt haben soll.

01:20:58: Sie ja als unverschämt dargestellt hat.

01:21:00: Er dachte okay also sie wird jetzt nicht die Sprache von Woolpit, also Diversionen des Englisch damals irgendwie so sehr gesprochen haben weil mit so Sprachfähigkeit kommt ihr auch ganz viel Ausdrucksfähigkeit der Persönlichkeit so ne?

01:21:14: Und das fand ich irgendwie so krass dass er sich dann direkt als Unverschämmen hatte ich irgendwie auch eine Unnötige irgendwo ehrlich gesagt von ihm.

01:21:20: Also ja, keine Ahnung mehr weiß er.

01:21:22: Vielleicht ging es auch um ihre Verhaltensweise.

01:21:23: Mehr weiß ich jetzt leider nicht dazu.

01:21:25: War nicht dabei und die Infos, die ich aus dem Podcast hab noch die einzigen nicht dazu habe.

01:21:31: Was ist irgendwie zügellos-und unverschämt?

01:21:34: Das hat die Frage meinen, die einfach nur, dass sie die ganze Zeit gefurzt hat?

01:21:37: oder hat sich die ganzezeit an Gäste ran gemacht.

01:21:40: Das weiß man dann ja nicht.

01:21:42: Deswegen also was heißt das?

01:21:43: ist ja dann wieder das Übersetzungsprobleme.

01:21:45: Es wird auf Latein geschrieben.

01:21:47: Wir übersetzen's dann rauf Der Ralf.

01:21:52: In England wird es dann ins Englische geschrieben, wir tun's ins Deutsche.

01:21:56: Also heißt... Okay, was war das?

01:21:58: Lassif war ne?

01:21:59: Petulanz.

01:22:00: also Lassiv war Lassief.

01:22:01: Vielleicht heißt das einfach dass sie sehr smooth Bewegungen hatte und nicht dass die zügellos war.

01:22:06: Und Petulans ist dann wahrscheinlich unverschämt.

01:22:10: ja wenn du nicht vom Hof kommst und da dann quasi lebst Hast ja nie eine höfische Bildung genossen oder also höfliche Bildung im Sinne von Umgangsform.

01:22:20: Vielleicht ist das reicht schon aus um unverschämt zu sein, dass du eben nicht ein Knicks macht weil wenn jemand reinkommt.

01:22:25: Also vielleicht machen wir jetzt oder macht man jetzt mehr draus?

01:22:29: Um einfach nur zu sagen die hat jetzt keine Ahnung von höfischer Etiketteln.

01:22:33: Was ich halt auch spannend fand so ein bisschen noch dazu Die war unverständlich.

01:22:36: Ja, sie wurde aber auch als Sklavin gehalten!

01:22:40: Was haben die denn erwartet?

01:22:42: Dass sie sagt so ja ich bin hier verloren gegangen mein Bruder ist gestorben und ich bin voll feiner mit jetzt Sklavins zu sein.

01:22:48: Ich verstehe nicht gar kein Bock da zu bleiben.

01:22:51: Achso das sieht quasi ein Mechanismus mal um rausgeschmissen zu werden.

01:22:54: Ja vielleicht, aber das finde ich völlig nachvollziehbar.

01:22:59: Wenn man das so hört dann dass du nicht versuchst hinterfragen stellst dir es einfach dar Ich war hier eine kleine Göhre, aber die Geschichte macht ja schon aus.

01:23:08: Und ich finde das ist der Verliebte, dass sie unverschämt war.

01:23:11: Ja gut.

01:23:11: Ich würde es auch nicht zu seinen Schutz nehmen...

01:23:14: Aber schade, dass man halt nichts weiter weiß.

01:23:15: Dass er dann irgendwie angeblich heiratet und dann ist ihr weg und niemand weiß.

01:23:20: Also klar, das ist sehr lange her!

01:23:22: Das nervt mich immer an, also das heißt es nervt.

01:23:24: Ich wollte mal blöd angeschichten wenn die nicht so richtig enden mit so Cold Cases.

01:23:29: Da kannst du ewig grübeln, tausend Theorien und vielleicht ist die Antwort super unspektakulär aber es wäre halt eine Antwort.

01:23:38: Was auch unspektakkulär ist sind Bohnen!

01:23:43: Aber sie sind trotzdem ein Snack.

01:23:49: Erstens Wulpit heisst ziemlich wahrscheinlich wirklich Wolfsgrube.

01:23:54: Der Ortsname wird gewöhnlich auf altänglich Wolfpit zurückgeführt.

01:23:59: Eine Grubel zum Fangen von Wölfen.

01:24:01: Das passt auffällig gut zur Geschichte, weil die Kinder laut William of Newburg bei genau solchen Groben gefunden werden.

01:24:08: Der Märchenhaft klingende Schauplatz ist also keine spätere Erfindung.

01:24:12: Die Wolfskroben stecken schon im Namen des realen Dorfes.

01:24:15: Zweitens England hatte einmal tatsächlich ein Problem mit Wölfern und irgendwann gar keine mehr.

01:24:22: Im Mittelalter waren Wölfe auf der britischen Hauptinsel noch Teil der realen Tierwelt.

01:24:28: Wenn sie in England genau aussterben, ist allerdings erstaunlich schwer festzulegen.

01:24:32: Häufig genannte exakte Jahreszahlen sind mit Vorsicht zu behandeln.

01:24:37: Sicher ist nur die Landschaft in der Woolpit seinen Namen bekam kann sie den Wolf noch als Reale gefahren.

01:24:43: Heute wirkt ausgerechnet dieser Teil der Geschichte fast fantastischer... ...als die grünen Kinder.

01:24:50: Drittens Sankt Martin ist besonders wegen eines geteilten Mantels berühmt.

01:24:55: Martin von Tours ist bis heute vor allem für eine Szene bekannt, als römischer Soldat begegnet er vor Amiens einem frierenden Bettler und teilt seinen Mantel mit ihm.

01:25:05: Dass die Kinder ihrer Heimat ausgerechnet nach diesem Heiligen benennen, ist eine auffällige Konstellation.

01:25:10: nur sollte man daraus nicht mehr machen als die Quellen hergeben.

01:25:13: Viertens Herbert Reed erklärt die Geschichte zum Maßstab für gute Fantasy und schreibt dann selbst einen Roman darüber.

01:25:21: Der britische Dichter, Kunstkritiker und Anarchist Herbert Reed schrieb neununddreißig über die grünen Kinder.

01:25:28: Ihre Geschichte sei the norm to which all types of fantasy should conform.

01:25:33: Vier Jahre später erschien The Green Children sein einziger Vollendetar Roman angeregt durch die Geschichte von Woolpit.

01:25:41: Fünftens Die Kinder haben heute ein eigenes Dorfschild.

01:25:45: Willpid erinnert bis heute sichtbar an seine berühmteste Geschichte.

01:25:49: Auf dem historischen Dorfschild erscheinen die beiden grünen Kindern zusammen mit einem Wolf.

01:25:53: Nach jahrhunderten voller Kroniken, Fähendeutungen und Alientheorien ist die Geschichte damit wieder genau dort angekommen wo sie begonnen hat mitten im Ort.

01:26:05: Nach all den Erklärung wissen wir immer noch nicht woher die Kinder von Willpit kamen.

01:26:09: Vielleicht waren sie fremder aus einer Gegend die niemand in Willpit kannte waren krank oder mangelernährt.

01:26:16: Vielleicht steckt hinter ihrer Geschichte ein Ereignis, das sich in der Weitergabe verändert hat?

01:26:21: Mehr als acht Jahrhunderte später lässt sich keine dieser Möglichkeiten beweisen und vermutlich wird es sich auch nicht mehr ändern denn ausgerechnet die beiden Menschen um die sich diese Geschichte dreht sind fast vollständig aus ihr verschwunden.

01:26:36: so wurden aus den Kindern Flamen, Fähenwesen, Kranke oder Besucher von einem anderen Planeten.

01:26:43: Vielleicht waren sie etwas davon, vielleicht aber auch nicht.

01:26:46: Acht Jahrhunderte später kennt man noch immer ihre Farbe.

01:26:50: Ihre Namen kennt niemand!

01:26:53: Das war Radio Obscura.

01:26:57: Wenn euch diese Folge gefallen hat dann bleibt auf Frequenz.

01:27:00: folgt uns und lasst gerne eine Bewertung da.

01:27:02: Wir hören uns bis dahin.

01:27:04: Bleibt grün ja, grün wie alle meine Kleider.

01:27:07: Grün Ja, grünen wir alles was ich habe

01:27:11: Bleibt bei euch Bleibt

01:27:12: im Dunkeln

01:27:13: Und radio aus Danke.

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